Plakat Weib du bist frei - Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (c) STADTBEKANNT

Selbstbestimmung der Frau – ein ewiger Disput zwischen Demokratie und Despoten

Niemandem läge es ferner als einer Frau über Selbstbestimmung als Grundrecht diskutieren zu müssen, denn Frauen wurden über Jahrhunderte nicht nur unterdrückt, sondern gleichermaßen indoktriniert. Was heute als weiblicher Sexismus bezeichnet wird, unterscheidet sich in seinem Wesen nicht allzu sehr von Generationen von Frauen, die gegen Frauen auftraten, die für Selbstbestimmung eintraten. Dass sich jede Diktatur eines gewissen Frauen- und somit Rollenbildes bedient, ist kaum zu übersehen, sind ja Frauen diejenigen, die dem Despoten und oder der Partei zuliebe folgsame Schäfchen gebären und diese bis zur Erwachsenenreife versorgen und erziehen. Doch auch die Demokratie ist vor sexistischem Chauvinismus nicht gefeit, denn auch da melden sich aus allen Reihen, meistens aus jenen, die „ES“, wenn überhaupt nur im Verborgenen betrifft. Mit „ES“ ist die Frage der Selbstbestimmung gemeint.

Fristenlösung und ein viertel Jahrhundert Querulanz

Die Tat ist nach §96 nicht strafbar, wenn der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft nach vorhergehender ärztlicher Beratung von einem Arzt vorgenommen wird.

So lautet der Paragraph über die Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs. Doch so eindeutig, wie wir oben zitierten Absatz 1 des Gesetzes kennen, war die Debatte innerhalb der Parteien und der Kirche allerdings nicht. Unter Kreiskys, mit absoluter Mehrheit ausgestatteter, Regierung wurde die sogenannte Fristenlösung im Jahr 1973 mit einem Ergebnis von 93 zu 88 Stimmen im Nationalrat zu Gunsten des Selbstbestimmungsrechtes der Frau durchgesetzt. Die öffentliche Meinung unter die sich auch unbelehrbare, unaufklärbar fanatische Kirchenangehörige und das konservative Lager mischten, hob die Diskussion über den Schwangerschaftsabbruch mehr als 25 Jahre lang auf regierungsrelevante Themenpräsenz vor allem vor diversen Wahlkämpfen, so sparte im Jahr 2000 auch der damalige Regierungschef Wolfgang Schüssel nicht an unselig formulierten, mehr schlechten als rechten, Aussagen.

Medienkoffer Sexualerziehung, Pille danach – welch Teufels Werk hier Schande brachte

Einen Aufschrei gab es vor allem im Jahr 1988 als der Medienkoffer Sexualerziehung in den Schulen eingeführt wurde und Kinder unter anderem zum Thema „Kontrazeption“ informieren sollte. Dieser bot den Anstoß für eine Polemik, die in der Form nur von Fanatikern geführt werden kann, um wieder einmal die Frage der lange beschlossenen Fristenlösung zu entfachen. Ein doppeltes Paradoxon, denn Kinder sollten zum einen nichts über Verhütung lernen, damit sie dann gegebenenfalls, sich in einem Gesetz wiederfinden, dass permanent auf der Diskussionsagenda unbelehrbarer Konservativer stand.

Das Jahr 2000 leitete nicht nur die Jahrtausendwende ein, sondern auch ein kurzes Aufatmen für die selbstbestimmte Frau. Allerdings nur augenscheinlich, denn die Diskussionen und Gemüter erhitzen bald, wenn es um die Frage der Abtreibungskosten geht. Diese belaufen sich auf etwa 500,- bis 800,- Euro und müssen von den betroffenen Frauen selbst bezahlt werden.

Leider gibt es bis heute in Österreich keine offiziellen Statistiken, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Fristenlösung und Schwangerschaftsabbruchszahlen aufzeigen könnten und solange es eben diese nicht gibt, ist eine sachliche Diskussion darüber nur Wunschdenken.

Foto im Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch gemacht.

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