Robert Prosser im Gespräch

Robert Prosser (c) Gerald von Foris

Interview mit Robert Prosser

Bock auf Prosa hat sich etabliert. Heuer lesen bereits zum dritten Mal zahlreiche namhafte, engagierte, kritische und von der Notwendigkeit einer menschlichen Asylpolitik überzeugte AutorInnen für das Flüchtlingsprojekt Ute Bock. Wir haben mit Robert Prosser gesprochen.

Was können Ihrer Meinung nach Veranstaltungen wie „Bock auf Prosa“ und ein Festival wie „Bock auf Kultur“ gesellschaftlich bewirken?
Sie rufen wichtige Themen ins Gedächtnis, konfrontieren mit gesellschaftlich drängenden Fragen, halten sie im Gespräch.

Wie nützen Sie das Medium Literatur, um für mehr Menschlichkeit und gesellschaftliches Miteinander einzutreten?
Indem ich mich durch den Stoff und die Erzählung gegen allzu einfache Sichtweisen verwehre. Eine Geschichte zu erzählen, bedeutet, das Abseitige, das Übersehene hervor zu holen – gerade die Vielfalt, die unsere Gegenwart im Versteckten bietet, in den Mittelpunkt zu rücken.

Wie kann es unserer Gesellschaft gelingen, wieder verstärkt miteinander, anstatt gegeneinander zu agieren?
Durch die Auseinandersetzung, etwa mithilfe von Kunst und Literatur, mit den Welten, die jeder Mensch, jede Kultur darstellt, und diese in ihrem Unterschied zu einem selbst schätzen zu lernen.

Rechte Hetze, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden auch politisch zunehmend salonfähig gemacht. Wie kann dieser politischen Angstmache entgegengewirkt werden?
Durch das Aufdecken der Manipulation, die rechte Hetze vornimmt, an der Sprache, am Denken, an der Berichterstattung. Und es ist unbedingt nötig, zu zeigen, wie konstruiert und gesteuert Feindbilder sind, wie wenig sie mit der Wirklichkeit zu schaffen haben.

Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt, Österreich eines der reichsten Länder – dennoch scheint die ständige Sorge zu existieren, dass Flüchtende den bereits hier lebenden Menschen etwas wegnehmen könnten. Wie können diese Vorurteile überwunden werden?
Durchs Lesen, durch Bildung, durch die eigene Erfahrung. Wenn ich zu verstehen beginne, wer das ist, der nach Österreich flieht, bekommen die Vorurteile Risse.

Besonders junge Generationen machen wieder verstärkt von ihrer Stimme Gebrauch, demonstrieren und setzen sich für eine bessere Zukunft ein – sehen Sie hier das Potential für eine zukünftig solidarischere Gesellschaft?
Auf jeden Fall. Eine, die kritisch hinterfragt und es schafft, kreativ und kollektiv Widerspruch zu tätigen.

Foto: Robert Prosser (c) Gerald von Foris

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