Wien – Grätzltipps – 16. Ottakring

Amtshaus Ottakring (c) STADTBEKANNT
Amtshaus Ottakring (c) STADTBEKANNT

Ottakring – Bezirksgeschichte

12. Juni 2018 • 16. Ottakring, Wien

Historisches aus dem 16. Bezirk

Vom Bezirk der Weinbauern über die Hochburg der Arbeiterschaft bis hin zum Ottakring heute – der 16. Bezirk hat schon viel erlebt! Taucht mit uns ein in die spannende Geschichte eines vielseitigen Stadtteils.

 

Wie Ottakring zu seinem Namen kam

Obwohl die Herkunft des Wortes Ottakring heute nicht mehr restlos zu klären ist, haben Historiker eine Vermutung: Es waren die Baiern, die Ottakring ihren Namen gaben. Diese wanderten nämlich im 8. und 9. Jahrhundert im heutigen Österreich umher und gründeten eifrig Siedlungen, die sie mit Endungen wie -ing oder -ingen (-kinder) versahen. Eine Siedlung namens Otachringen ist ab dem 12. Jahrhundert überliefert. Man spekuliert, dass ein Adelsgeschlecht namens Ottacher als Namensgeber fungierte. Ottakring bedeutet folglich soviel wie Siedlung der Kinder der Ottacher”.

 

Aus klein mach groß!

Gemessen an der langen Geschichte Wiens war Ottakring die meiste Zeit über ein Vorort – allerdings einer, den die Städter immer wieder gerne besuchten. Der Grund: Viele Wirtshäuser und Weinbauern hatten sich hier niedergelassen – und einen guten Tropfen wussten auch schon die alten Wiener zu schätzen!

Besonders groß war Ottakring nie, bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung sprichwörtlich explodierte. Ausschlaggebend dafür war die Industrialisierung: Viele Betriebe wählten Ottakring als Standort. Mit ihnen kamen zahlreiche Arbeiter. So wurden innerhalb von nur 20 Jahren aus 31.400 Einwohnern (1869) gute 107.000 (1890), was mehr als einer Verdreifachung der Einwohnerzahl entspricht. Und damit war das Wachstum noch nicht einmal zu Ende. Um 1910 hatte Ottakring fast 180.000 Einwohner. Zum Vergleich: 2017 lebten nur” knapp 104.000 Menschen im 16.

 

Ottakring wird Bezirk

Die eigentliche Geschichte Ottakrings als Teil Wiens begann im Jahr 1892, als Kaiser Franz Joseph I. beschloss, die Stadt Wien um ihre Vororte zu erweitern. Sämtliche heutigen Bezirke – genau genommen jene mit den Zahlen 11 bis 19 – kamen damals hinzu.

Für den 16. Gemeindebezirk wurden die Vororte Ottakring und Neulerchenfeld zu einem Bezirk zusammengeschlossen und letztlich gemeinsam eingemeindet. Das Ottakringer Wappen weist auch heute noch auf die ursprünglichen zwei Teile hin: Auf der heraldisch rechten Seite sieht man einen Schild mit Mitra – das Symbol des Stiftes Klosterneuburg, dem Ottakring einst unterstand. Auf der heraldisch linken Seite ist ein goldener Baum zu sehen, über dem drei Lerchen kreisen – das Wappen Neulerchenfelds.

 

Eine Hochburg der Arbeiterschaft

Als klassischer Industriebezirk war Ottakring eine frühe Hochburg der Wiener Sozialdemokratie: Ottakringer Politiker wie Franz Schuhmeier (nach ihm ist der Schuhmeierplatz benannt), Albert Sever oder Friedrich Austerlitz kämpften mit Wort und Feder für die Besserstellung des Proletariats. Und das war auch bitter nötig: 15-stündige Arbeitstage, Kinderarbeit und beengte Wohnsituationen bei katastrophaler Hygiene gehörten zur Normalität – und das bei schlechter Bezahlung. Man begann, sich zu organisieren – erst getarnt als Rauchclubs”, dann offen in Bildungs-, Sport- und Kulturvereinen. 1907 eröffnete schließlich das Ottakringer Arbeiterheim seine Pforten.

Im Jahr 1911 kam es aufgrund von Missernten zu einer immensen Teuerungswelle bei Lebensmitteln: Alleine Mehl kostete das Doppelte! Die Arbeiterschaft demonstrierte. In Ottakring kam es zu heftigen Ausschreitungen, im Zuge derer die Polizei mit Kavallerie und Feuerwaffen gegen die Bevölkerung vorging. 4 Menschen, darunter Franz Joachimsthaler (der Namensgeber des Joachimsthalerplatz), starben, 149 wurden verletzt.

Im Bürgerkriegsjahr 1934 kam es abermals zu schweren Kämpfen. Das Arbeiterwohnheim wurde belagert und in Trümmer geschossen, wobei wieder Todesopfer zu beklagen waren. Und die Zeiten wurden einfach nicht besser: Während der Nationalsozialismus in Österreich wütete, wurden auch viele Ottakringer vertrieben, ermordet oder im Krieg getötet. Erst nach 1945 kehrte langsam wieder Normalität ein.

 

Lifestyle im Westen Wiens: Ottakring heute

Von den wüsten Jahren des Krieges und den kargen Jahren des Wiederaufbaus erholte sich Ottakring langsam, aber stetig. Heute ist von dem vergangenen Elend kaum mehr etwas zu spüren – nur wenige alte Arbeiterwohnhäuser lassen noch erahnen, wie bescheiden das Leben hier einst war.

Inzwischen geht es hip zu in Ottakring: Rund um den geschäftigen Yppenplatz blüht die Lokal- und Kulturszene und selbst die einst fade Ottakringer Straße ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Wo früher leere, schmutzige Fensterscheiben traurig die Straßen säumten, ist nun Leben. Hier ein Café, dort ein Modegeschäft, da eine türkische Bäckerei, dort ein Beisl. Das Publikum ist bunt: Jung und Alt, Einheimische und Einwanderer, Studierende und Arbeiter kommen hier zusammen. Vielleicht ist es gerade diese Mischung, der Ottakring sein besonderes Flair verdankt.

Es ist keineswegs prätentiös zu behaupten, dass Ottakring sich in den letzten Jahren zum regelrechten Kultur-Hotspot Wiens gemausert hat – und das ohne dabei auf snobistische Weise Staub anzusetzen. Eine dicke Geldbörse ist nicht nötig, wenn man sich hier amüsieren will. Viel wichtiger sind da schon eine Portion Offenheit, eine Prise Lebenslust, und vielleicht ein kleines bisserl die Bereitschaft, bekannte Pfade zu verlassen …

 

Unterwegs in Ottakring

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