Omar Khir Alanam im Gespräch

Omar Khir Alanam (c) Richard Griletz

Interview mit Omar Khir Alanam

Bock auf Prosa hat sich etabliert. Heuer lesen bereits zum dritten Mal zahlreiche namhafte, engagierte, kritische und von der Notwendigkeit einer menschlichen Asylpolitik überzeugte AutorInnen für das Flüchtlingsprojekt Ute Bock.

Omar Khir Alanam lebt seit November 2014 in Österreich. Drei Jahre später gewann er den dritten Platz bei den Österreichischen Poetry Slam Meisterschaften. Er publizierte zahlreiche Texte in Literaturzeitschriften und gibt Workshops zu Flucht und Migration, aber auch zu Poetry Slam und literarischem Schreiben für Jugendliche und Erwachsene. 2018 erschien sein Buch Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde im edition-a Verlag. Wir haben mit ihm gesprochen.

Was können Ihrer Meinung nach Veranstaltungen wie „Bock auf Prosa“ und ein Festival wie „Bock auf Kultur“ gesellschaftlich bewirken?
Dass manche Menschen zum nachdenken angeregt werden, zum reflektieren.

Wie nützen Sie das Medium Literatur, um für mehr Menschlichkeit und gesellschaftliches Miteinander einzutreten?
Indem ich eine Literatur geschafft habe die die Menschen berührt und zum nachdenken bringt, ohne dabei schimpfen zu müssen. Auch dadurch dass meine Kunst und Arbeit Themen für mehr Menschlichkeit, Brücken bauen, Miteinander etc.beinhaltet.

Wie kann es unserer Gesellschaft gelingen, wieder verstärkt miteinander, anstatt gegeneinander zu agieren?
Hier kommt die Aufgabe der Sprache und Worte, die als einzige die Macht haben das zu verändern und zu verstärken. Ich bin sehr überzeugt von der Macht der Sprache weil ich das auch bei meiner Arbeit erlebe.

Rechte Hetze, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit werden auch politisch zunehmend salonfähig gemacht. Wie kann dieser politischen Angstmache entgegengewirkt werden?
Durch meine Arbeit und Kunst, denn es ist nicht nur wichtig was ich sage sondern Wie. Ich will dabei alle Menschen erreichen, denn ich will nicht nur ein Publikum dass mich toll findet und mir Applaus gibt sondern auch die, die skeptisch sind und Angst haben, durch die Politik. Ich gehe auch dort hin wo ich weiß dass nicht unbedingt Menschen im Publikum sind die Freunde von Ausländern sind, und das wirkt. Denn ich sage, ich habe eine Geschichte und ich will diese weitererzählen und damit alle Menschen erreichen nicht nur „mein“ Publikum.

Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt, Österreich eines der reichsten Länder – dennoch scheint die ständige Sorge zu existieren, dass Flüchtende den bereits hier lebenden Menschen etwas wegnehmen könnten. Wie können diese Vorurteile überwunden werden?
Indem man einen ehrlichen Dialog führt und mit den Menschen redet und nicht über sie schimpft. Und die Leute nicht für dumm und unintelligent halte und von ihnen verlange dass sie anders denken. Leider findet das oft statt vor allem wenn man über die Menschen in den ländlichen Regionen spricht. Auch von Künstlern. Aber was tun sie um diese Menschen zu erreichen und dort eine Veränderung zu leisten?

Besonders junge Generationen machen wieder verstärkt von ihrer Stimme Gebrauch, demonstrieren und setzen sich für eine bessere Zukunft ein – sehen Sie hier das Potential für eine zukünftig solidarischere Gesellschaft?
Ja, ich bin zur Zeit viel in Schulen unterwegs und arbeite mit Jugendlichen. Was ich immer erlebe und spüre ist mehr Offenheit und Solidarität wenn man ihre Sprache, die Jugendsprache, versteht.

Foto: Omar Khir Alanam (c) Richard Griletz

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