Hawelka (c) STADTBEKANNT

Große Wienerinnen

Bezeichnenderweise starb sie an einem Ruhetag, am Dienstag, den 22. März 2005. An allen anderen Wochentagen arbeitete Josefa (genannt Josefine) Hawelka mit unerschütterlicher Energie in dem gleichnamigen Café in der Dorotheergasse, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Leopold Hawelka 1939 eröffnet hatte. Im gleichen Jahr musste das Paar sein Lokal jedoch wieder schließen, denn der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen und Leopold wurde einberufen. 1945 konnte es glücklicherweise wieder eröffnet werden, avancierte zu einem unverzichtbaren Treffpunkt für die Künstler-, Literaten- und Intellektuellenszene und zählt bis heute zu einer Institution in der traditionellen Wiener Kaffeehauswelt.

Es war Josefine, die stets die Spätschicht übernahm: Sechzig Jahre lang löste sie ihren Mann gegen 16:00 Uhr ab und regierte bis in die Nacht über die holzgetäfelten Räumlichkeiten und kümmerte sich um das Wohl ihrer Gäste. Und allabendlich – ab 22:00 Uhr – hat sie ihre nach eigenem Rezept und frisch fabrizierten Buchteln an die Marmortischchen serviert.

Cafe Hawelka (c) STADTBEKANNT
Cafe Hawelka (c) STADTBEKANNT

Josefine Hawelka beherrschte ihr Handwerk. Bereits als junges Mädchen hat die am 12. Oktober 1913 in Kirchdorf an der Krems geborene Oberösterreicherin in der Gaststätte einer Verwandten mitgeholfen und als sie im Alter von 16 Jahren nach Wien kam, arbeitete sie in der Babenbergerstraße im Restaurant „Dreierl“, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Leopold kennenlernte. Auch ihr Café wurde durch ihre geschickte Zuweisung bestimmter Gäste an bestimmte Plätze gewissermaßen zu einer Partnerbörse.

„I wär net der Hawelka ohne mei Frau“, wird der 2011 verstorbene Leopold Hawelka auf der Homepage des Cafés zitiert. Dies bezeugt die wichtige Rolle, die Josefine Hawelka gespielt hat – als Frau, als Partnerin und als Kaffeehausbesitzerin.
Sie fand ihre letzte Ruhestätte am Heiligenstädter Friedhof, doch die Erinnerung an sie ist beständig und wird nicht zuletzt wachgerufen durch den Duft der Buchteln, die immer noch am Abend im Café Hawelka aufgetischt werden.

Josefine Hawelka (c) STADTBEKANNT
Josefine Hawelka (c) STADTBEKANNT

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