Ingeborg Bachmann Haus Beatrixgasse (c) STADTBEKANNT

Große Österreicherin

Gegen das Verschweigen schreiben. Als Ingeborg Bachmann Teil der Wiener Literaturszene wurde, gelang ihr das.

Während ihrer Jahre in Wien prägte die Stadt Ingeborgs Leben und Schaffen eindrücklich, doch auch sie hinterließ ihre Spuren in Wien. Ingeborg hegte eine Hassliebe für die Stadt, die einerseits ihre literarische Arbeit stark beeinflusste, ihr andererseits aber auch verdeutlicht hatte, wie tief die Wurzeln der Gräuel der NS-Diktatur hier lagen.

Kindheitstage in Kärnten

Ingeborg wurde in Klagenfurt geboren. Ihr Vater war Mitglied der NSDAP, weshalb Ingeborg Zeit ihres Lebens ein ambivalentes Verhältnis zu ihm hatte. Einerseits fühlte sie sich ihm verbunden, andererseits nahm sie in ihrer Literatur eine deutlich distanzierte und kritische Haltung gegen die durch die NS-Vergangenheit geprägte Vaterfigur an.

Wahlheimat Wien

Der Zweite Weltkrieg war noch nicht lange vorbei, als Ingeborg zum Studium nach Wien kam. Sie erlebte die Folgen des Krieges hautnah mit, die Trümmer und die erschwerten Lebensbedingungen. Was Ingeborg aber ebenfalls nicht verborgen blieb war der Mantel des Schweigens, den die Stadt und ihre Bewohner um sich hüllten, wann immer es um die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur ging. Die Opferrolle, die sich Österreich früh angeheftete, durchzog auch die Gesellschaft. Ingeborg stimmte nicht in diesen Kanon ein, vielmehr verarbeitete sie in ihrer Lyrik und später auch Prosa das in Wien Erlebte ausgesprochen kritisch und schrieb gegen ein Verschweigen des Geschehenen an. In Wien lernte sie auch den Lyriker Paul Celan kennen, mit dem sie eine Liebesbeziehung verband. Beide verkörperten die Ambivalenz zwischen Tochter eines Täters und Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Paul Celan war Überlebender des Holocaust, dessen Eltern dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen waren. Die Beziehung zwischen ihnen prägte auch die Werke beider und sie hielten noch Jahre lang Briefkontakt.

Lebensjahre in Italien

Bachmann kehrte schließlich Wien den Rücken zu und ging nach Italien, wo sie in Rom nach einem Brandunfall an den Folgen abrupter Entzugserscheinungen starb, da den Ärzten ihre massive Medikamentenabhängkeit nicht bekannt war. Ihr literarisches Werk ist bis heute von maßgeblicher Bedeutung und macht deutlich, wie groß der Eindruck und der Nachhall ihres Schreibens immer noch sind.

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