Haus Rossauer Lände Diakonie (c) STADTBEKANNT

Auf Hausbesuch in der Glasergasse

Im Haus Rossauer Lände am Alsergrund betreut der Diakonie Flüchtlingsdienst rund 180 geflüchtete Menschen, 35 davon mit psychischen und somatischen Erkrankungen.  

Der Weg zum und durchs Asylverfahren ist in Österreich steinig. Die BeraterInnen des Flüchtlingsdienstes helfen Menschen auf dem Weg und arbeiten mit den BewohnerInnen des Hauses gemeinsam daran, einige der Steine aus dem Weg zu schaffen.

„Asyl!“

Wer in Österreich einen Antrag auf Asyl stellt, wird genau unter die Lupe genommen. Erst wird der Fluchtweg gemeinsam rekonstruiert. Ist ein Flüchtling bereits bevor er Österreich betreten hat, in einem anderen EU Mitgliedsland aufgegriffen worden, wird er dorthin „rückgeschoben“, das heißt abgeschoben. Erst, wenn geklärt ist, dass Österreich formell für das Asylverfahren zuständig ist, werden die inhaltlichen Fluchtgründe geprüft. Und dieses Verfahren dauert oft Jahre. Häufig gibt es Fehler in den Entscheidungen der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA). Etwas mehr als 40% der Entscheidungen werden von der Kontrollinstanz aufgehoben oder zur erneuten Entscheidung zurückgewiesen.

Während des Verfahrens dürfen die AntragstellerInnen in Österreich leben, aber nicht arbeiten. Wer mittellos ist – und das sind die Meisten – hat Recht auf die Grundversorgung (GVS).

Im Heim

Das Haus in der Glasergasse am Alsergrund ist eine von vier Grundversorgungseinrichtungen der Diakonie in Wien und bietet bis zu 185 Personen Platz. Zwar gibt es weltweit immer mehr Flüchtlinge, doch schaffen es immer weniger nach Österreich. Das zeigt sich auch hier. Einige Betten stehen frei.

Das Haus Rossauer Lände gibt es jedoch schon fast 20 Jahre. Es wurde Anfang der 00er Jahre im ehemaligen evangelischen Krankenhaus eröffnet, um geflüchtete Menschen, die auf der Straße standen, aufzunehmen.

In Wien werden mobil betreute WGs für Menschen mit Fluchterfahrung forciert. Wer sich selbstständig eine günstige Wohnung oder ein WG Zimmer findet, soll das tun. Die finanzielle Unterstützung ist gering, so dass viele noch auf organisierte Unterkünfte angewiesen sind.

 

Haus Rossauer Lände Diakonie (c) STADTBEKANNT
Haus Rossauer Lände Diakonie (c) STADTBEKANNT

Flüchtlinge mit Beeinträchtigungen

Besonders gilt dies für Geflüchtete, die chronische Erkrankungen haben. Das Haus Rossauer Lände ist barrierearm und bietet auch Sanitäreinrichtungen und Treppenlifte für mobilitätseingeschränkte Flüchtlinge. 35 Plätze sind für die sogenannten KlientInnen „mit erhöhtem Betreuungsbedarf“ vorgesehen. „Tatsächlich gibt es wesentlich mehr Flüchtlinge, die besondere und umfangreichere Betreuung benötigen würden“, berichtet mir Hausleiter Stefan Weiner bei meinem Besuch. Die Entscheidung, ob NutzerInnen der Grundversorgung den erhöhten Betreuungsbedarf zugesprochen bekommen, trifft der Fonds Soziales Wien. Nicht für alle, die mehr Hilfe benötigen, stehen auch die finanziellen Mittel bereit. Die FlüchtlingsberaterInnen im Haus sind trotzdem bemüht, alle so gut als möglich zu betreuen und versorgen.

„Diakonie ist Hilfe unter Protest!“

Das ist die Organisationsphilosophie. Der Flüchtlingsdienst ist Teil der Diakonie, dem Hilfswerk der evangelischen Kirche. Das Selbstverständnis leitet sich aus der protestantischen Sozialethik ab. Vereinfacht gesagt erwartet die Diakonie, dass die Gesellschaft allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Würde ermöglicht. Wo das nicht geschieht, greift sie ein, aber nicht ohne Staat, Politik und jede/n Einzelne/n aus der Verantwortung zu entlassen.

Angebot und Nachfrage

Im ehemaligen Krankenhaus wohnen Menschen auf sechs Stockwerken in Familien- und Mehrbettzimmern. Nicht alle Räume haben eigene WCs und Duschen. Auf jedem Stockwerk gibt es eine Gemeinschaftsküche und eine Waschküche. Dass es wenig Streit um die knappen Ressourcen gibt, überrascht mich. „Wir legen Wert auf gute Nachbarschaft – mit den AnrainerInnen im Neunten genauso wie im Haus“, klärt mich Stefan auf und schmunzelt.

Die Kinder im Haus besuchen Kindergärten und Schulen. Auch für Menschen, deren Aufenthalt in Österreich gesichert ist, gilt nämlich die Schulpflicht. Die meisten lernen die Sprache sehr rasch. Um dem Unterricht folgen zu können, gibt es zahlreiche ehrenamtliche LernhelferInnen. Eine Sozial- und Freizeitpädagogin bietet eigenes Kinderprogramm im Haus und unternimmt Ausflüge – nicht zuletzt auch um die Eltern zu entlasten.

Frauenförderung

Neben der Gesundheitsförderung ist die Unterstützung von geflüchteten Frauen ein weiterer Schwerpunkt des Hauses: Handwerksprojekte, Gemeinschaftsgärten und Workshops zu Selbstverteidigung werden im Heim angeboten. Einer der Höhepunkte des Jahres ist die Feier zum Internationalen Frauentag am 8. März. „Dieser Feiertag kann von allen unabhängig von Religion und Herkunft begangen werden“, erklärt Nilofar Nadimi. Sie organisiert das Fest seit vielen Jahren neben ihrer Tätigkeit als Betreuerin. „Und wer den Tag noch nicht kennt, lernt ihn so kennen.“

An der Feier mit Bands, Comedy, Tanz, Modershows und internationalen Gerichten nehmen mehrere hundert BesucherInnen teil und feiern bis in die Morgenstunden. Das macht das Frauentagsfest des Hauses Rossauer Lände zum größten und internationalsten Fest am 8. März in Wien.

Und sonst?

Was tut sich, wenn kein Ausflug, kein Fest, kein Workshop ansteht, frage ich Stefan. „Was alle Flüchtling in Österreich tun – warten.“

Du willst helfen?

Ehrenamtliche können sich direkt im Haus unter 01/317 15 26 melden oder auf fluechtlingsdienst.diakonie.at/freiwillige-mitarbeit informieren.

Geldspenden könnt ihr hier überweisen: Diakonie Flüchtlingsdienst, Erste Bank, IBAN: AT97 2011, 287 2204 5678, BIC: GIBAATWWXXX. Der Diakonie Flüchtlingsdienst trägt das Spendengütesiegel. Als Verwendungszweck „Haus Rossauer Lände“ angeben.

Stylishe Accessoires gibt es auf faith-hope-love.at . Die Einnahmen des Labels kommen dem Flüchtlingsdienst zugute.

Für Sachspenden fragt ihr am besten direkt bei einer Einrichtung bei euch ums Eck! Ihr findet eine Liste hier: fluechtlingsdienst.diakonie.at Nichts ist schlimmer, als ungewollt eineinhalb Paar Schlittschuhe und eine angebrochene Medikamentenschachtel entgegennehmen zu müssen.

Newsletter abonnieren

Kommentieren

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

STADTBEKANNT Newsletter

Holler Box