Guerilla Gardening und Gemeinschaftsgärten in Wien

Guerilla Gardening Vogelscheuche (c) STADTBEKANNT

Schluss mit Grau

Der Frühling ist da, und damit beginnt die Zeit der Gartenarbeiten. Und zwar für alle – und nicht bloß jene, die einen Garten ihr Eigen nennen dürfen!

Wer kennt sie nicht, die grauen Flecken in der Stadt, an denen man vorbeigeht und sich ein wenig mehr Grün herbeiwünscht. Öde Betonflächen, brachliegende und verwaiste Gstettn, nackte Verkehrsinseln – es gibt in Wien zahllose Flächen, die begrünt werden wollen! Guerilla Gardening bietet allen die Möglichkeit, ihre Stadt selbst zu verschönern und ein Stück weit lebenswerter zu machen.

 

Community Gardens New York

Begonnen hat alles im New York der 1970er Jahre, als die ersten Guerilla Gärtner begannen, verwahrloste Baulücken zu begrünen und sogenannte Community Gardens anzulegen. Der Hintergrund dieser Aktionen war das Bedürfnis der Bewohner, ihren Stadtteil zu verschönern. Neben dem offensichtlichen Effekt der Begrünung trug die gemeinsame Arbeit am Garten auch dazu bei, das Gemeinschaftsgefüge der Nachbarschaften zu stärken. Das Grätzl profitierte, der Lebensstandard stieg – mit dem für die Stadtplanung und den Immobilienmarkt schönem Nebeneffekt, dass die Grundstückspreise nach oben schnellten. Diese Gentrifizierung bewirkte in der neoliberal geprägten Stadtpolitik der 1990er das Gegenteil dessen, was die Gärtner eigentlich beabsichtigt hatten: viele Grundstücke wurden aufgrund der Wertsteigerung in Bauland umgewidmet, verkauft und bebaut, was das Ende der darauf befindlichen Community Gardens bedeutete. Trotz dieser Tendenz behaupten sich auch heute noch Community Gardens in der amerikanischen Metropole.

Blumen Garten (c) STADTBEKANNT
Blumen Garten (c) STADTBEKANNT

Guerilla Gardening in London

In London begann Richard Reynolds im Oktober 2004, die vernachlässigten Grünflächen Londons neu zu bepflanzen. Reynolds, der auch den Begriff Guerilla Gardening maßgeblich prägte, konzentrierte sich hierbei vor allem auf Restflächen im Straßenraum und führte seine Stadtbegrünungen oft in Nacht- und Nebelaktionen durch. Bald schon blühten bunte Blumen, wo zuvor öde Erde und struppiges Unkraut gewesen waren! Der Pionier mit dem grünen Daumen dokumentierte seine gärtnerischen Aktivitäten auf seiner Internetplattform, wodurch sein Tun ein immer breiteres Publikum fand und schließlich Ende 2005 die ersten Medienberichte über den Londoner Gemeinschaftsgärtner ausgestrahlt wurden. So scharten sich immer mehr Gartenaktivisten um ihn und die grüne Idee. Inzwischen hat sich die Online-Aktivität der Guerilla Gärtner auf Facebook verlagert. Wer sich für Seed Bombs, Baumbefreiungen und globale Aktionen interessiert, kann sich hier auf jeden Fall Inspiration holen!

 

Wien Huberpark – Gartenpolylog

Wie alle coolen Dinge erreichten Guerilla Gardening und Community Gardens auch Wien. Heute gibt es eine rege Gruppe an Begrünungs-Aktivisten und Gartenfreunden, die sich dafür einsetzen, dass die Stadt grüner wird.

Den Anfang in punkto Gemeinschaftsgärten machte der Wiener Verein Gartenpolylog. Im Rahmen von „Soho In Ottakring“ wurde 2007 der erste interkulturelle Nachbarschaftsgarten Wiens von der Philosophin Nadja Madlener und der Sozialpädagogin Ursula Taborsky im Huberpark eröffnet. Der Wunsch nach öffentlichen „grünen Erholungs- und Begegnungsräumen“ war damals aufgrund der Umbauphase in Ottakring besonders groß. Leider lief das Projekt „Yppengarten“ nur bis 2008 – doch der Geist des Gärtnerns starb keineswegs, sondern suchte sich lediglich neue Bebauungsflächen.

Minigärten Nordbahnviertel (c) STADTBEKANNT Zohmann
Minigärten Nordbahnviertel (c) STADTBEKANNT Zohmann

Aktuelle Projekte in Wien

Der Verein Gartenpolylog unterstützt nach wie vor Wiener Gemeinschaftsgartenprojekte. Daneben haben sich aber auch eine Reihe anderer Initiativen gebildet. In Simmering etwa sorgt der gemeinschaftlich betriebene „Elfergarten“ in der Hallerstraße für grüne Freuden, im 7. und 8. Bezirk gibt es mit dem „Pfeilgarten“, dem „Tigergarten“ und dem Garten der „Salatpiraten“ coole Projekte. Viele neue Wohnanlagen – etwa im Bereich des Nordbahnviertels – verfügen ebenfalls über Hochbeete oder Gärten, die von den Bewohnern bepflanzt, gepflegt und genutzt werden. Was das Repertoire an Pflanzen angeht, so wird neben Salat, Kräutern, Beeren und Gemüse auch reichlich hübsch blühendes Blumenwerk gepflanzt. Schließlich soll der Garten ja auch nach etwas ausschauen!

Guerilla Gardening (c) stadtbekannt
Guerilla Gardening (c) stadtbekannt

Guerilla Gardening, das im Gegensatz zum Community Gardening eher spontan und lose organisiert abläuft und nicht selten auch heimliche Pflanzaktionen ohne Genehmigung beinhaltet, hat ebenfalls den Weg nach Wien gefunden. Jedoch ist hier die Community wesentlich kleiner und bewegt sich teils im rechtlichen Graubereich. Für öffentliche Flächen und Parks und deren Bepflanzung ist nämlich in Wien ausschließlich die MA 42 des Stadtgartenamtes zuständig – und dieses schätzt es nicht besonders, wenn in Parks plötzlich jeder anfängt, eigene Beete zu graben. Wer also großen Wert auf die Rechtlichkeit seines gärtnerischen Tuns legt, kann sich in Community Gärten engagieren, den eigenen Garten oder Balkon nach Lust und Laune begrünen, oder ein paar Kräuter- und Blumenkistln vor sein Fenster hängen. Wir wünschen viel Freude an der ersten eigenen Ernte!

Ein anderer Artikel zum Thema Guerilla Gardening in Wien: Es geht noch grüner: „Aufruf zum zivilen Ungehorsam“

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