Frauentag 2020 (c) STADTBEKANNT

Internationaler Frauentag

Der heutige 8. März ist „Internationaler Frauentag“. Da werden die Chauvis und Paschas in den vermeintlich Sozialen Medien wieder reihenweise ihre Contenance verlieren und zwischen den Zeilen ihren Ängsten Ausdruck verleihen. Und allen anderen einmal mehr den Beleg liefern, wie wichtig dieser Tag ist.

Es ist ja zum Glück nicht so, dass sich seither jeder dritte Mann danach verzehrt, mit nacktem Oberkorpus die Angel auszuwerfen oder die nächstbeste Pussy zu grabben. Aber zuträglich sind die Bilder und Aktionen von den Putins und Trumps dieser Welt den Entwicklungen im Dienste der Gleichberechtigung genau gar nicht. Man muss aber nicht einmal allzu weit reisen, um mit dem Gleichberechtigungs-Backlash konfrontiert zu werden. Nur ins burgenländische Pinkafeld. Um ein Haar hätte sich unser Land einen Bundespräsidenten von dort eingetreten, dessen Frauenbild so zirka aus dem frühen Paläozoikum stammt. Der die Gebärmutter, obwohl er sie sicher gern hat, als „Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in Österreich“ bezeichnet. Die Geschichte der Frau war noch nie eine Geschichte voller Missverständnisse. Sie war und ist eine der Diskriminierung und Unterdrückung.

Logisch: Backlash gibt Frauentag mehr Relevanz

Über Sinn oder Unsinn von internationalen Gedenktagen und –reihen lässt sich angesichts deren inflationären Gebrauchs wohl diskutieren. Was gibt es da nicht alles? „Tag des Wattestäbchens“, „Jahr der eitrigen Bindehautentzündung“ und vielleicht auch die „Internationalen Barbapapa-Wochen“. Die Tatsache, dass mühsamst Errungenes von problematischen Souveränen mit ausreichend Frauenverachtung sowie deren Apologeten mitunter wieder beargwöhnt wird, gibt aber gerade dem „Internationalen Frauentag“ noch mehr Bedeutung, als er ohnedies schon hat. Da kann Alice Schwarzer noch so dagegen in die Tastatur hämmern. Aber der Reihe nach.

Ikone Clara Zetkin im Kampf für das Wahlrecht

Die Implementierung des „Weltfrauentag“, wie er auch abgekürzt wird, geht laut Vereinten Nationen auf einen Streik von Textilarbeiterinnen 1908 zurück, die im Big Apple gegen die üblen Arbeitsbedingungen protestierten. Daraus resultierte zunächst ein nationaler Frauentag, ein Jahr später auf einer Konferenz in Kopenhagen die Forderung der deutschen Sozialistin und Ikone der proletarischen Frauenbewegung Clara Zetkin (1858 – 1933), einen internationalen Feiertag einzuführen. Ihre Triebfeder: der Kampf für das Wahlrecht der Frauen. Begangen wurde der „Internationale Frauentag“ erstmals im Jahr 1911 in Österreich-Ungarn, Deutschland, der Schweiz und Dänemark – damals und bis 1921 noch alljährlich am 19. März. Seitens der UNO wurde er erst 1975 offiziell als Gedenktag anerkannt.

Die Angsthasis werden ihn wieder hassen

Und so werden sie heute wieder längst losgelegt haben, um ihre Misogynie in die vermeintlich Sozialen Medien zu rotzen – die Verstaubten, die Chauvis, die Paschas und all die anderen Ängstlichen, die um das Patriachat fürchten und die nach wie vor auseinanderklaffende Einkommensschere, divergente Machtverteilung und ungleiche Jobchancen sowie ein bisserl Sexismus eh okay finden. Der Feminismus hat unzählige Widersacher, die sich beim Madigmachen gern einen runterholen. Er hat aber auch prominente und interessante GegnerInnen, etwa Alice Schwarzer, die ihn schon 2010 abschaffen wollte, sei für sie doch das Begehen dieses „sozialistische Muttertags“ der „reinste Hohn“. Die Journalistin und Feministin nahm damit aber vor allem Rekurs auf die DDR, in der der Frauentag seit Staatsgründung zelebriert wurde. „Und in manchen sozialistischen Ländern amüsierten sich übermütige Genossen an diesem Tag damit, die dreifach belasteten Frauen – Betrieb, Einkaufsschlange, Kinder – mit Parfüm zu bespritzen, mit billigem Parfüm“, so die Emma-Herausgeberin einst weiter.

Mehr Frauen in der Politik reduziert die Korruption

Aber sind Frauen jetzt wirklich die besseren Menschen, wie so oft kolportiert wird? In der Politik scheint der Korruptionssumpf ja tatsächlich eher ein maskulines Terrain zu sein. Dieser Ansicht war übrigens auch schon die Weltbank im Jahr 1999. In einem bis heute viel zitierten Report der UN-Sonderorganisation, die die Situation in über 100 Ländern analysierte, heißt es wie folgt: „Je mehr Frauen im Parlament vertreten sind, desto niedriger ist das Ausmaß der Korruption.“ Den VerfasserInnen zufolge seien Männer selbstsüchtiger und individualistischer veranlagt als Frauen, während letztere hilfsbereiter agierten sowie höhere ethische Standards pflegen und sich mehr um das Gemeinwohl sorgen würden. Fazit: Mehr weibliche Präsenz in politisch relevanten Ämtern hätte auf Korruption einen „signifikanten, negativen Effekt“.

Für Werte zu kämpfen, lohnt sich

Ob die Frage nach der moralischen Überlegenheit überhaupt eine relevante oder opportune ist? Angesichts der mangelnden Chancengleichheit und Gleichberechtigung wird sie jedenfalls immer nur schwer zu beantworten sein. Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg – auch im Familiären, wo sich nach einer Niederkunft im Gros der Beziehungen trotz beruflichen Engagements der Mütter auch heute noch ziemlich flott die traditionelle Rollenverteilung manifestiert.

Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen. Und der 8. März fällt nicht nur immer saugut, sondern erinnert uns ja zudem alljährlich an eines: dass Werte nicht immer schon da waren, sondern meist hart erkämpft wurden. Und es sich für sie zu fighten lohnt.

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