Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Neues Dienstrecht im Krankenanstaltenverbund (KAV)

Ein neues Dienstrecht im Krankenanstaltenverbund (KAV) sorgt für großen Unmut unter den KrankenpflegerInnen. An den Wiener Spitälern regt sich Widerstand. STADTBEKANNT hörte sich bei Betroffenen um.

„Da schaust mal blöd, wenn du siehst, dass eine Kollegin, die gerade einmal neu eingestiegen ist, einige Hundert Euro mehr Gehalt bekommt als du“, erzählt uns eine Pflegerin. Die seit 1.1.2018 gültige Dienst- und Besoldungsreform wertet den Pflegeberuf deutlich auf und bringt neuen MitarbeiterInnen des KAV mehr Gehalt, mehr Weihnachts- und Urlaubsgeld und eine höhere Pension. Aber eben nur den neuen KollegInnen. Diejenigen, die vor dem Stichtag schon beim KAV arbeiteten, schauen aber durch die Finger – und sind dementsprechend sauer. Daran ändert auch nicht groß eine Gehaltserhöhung von 172,- Euro brutto, nachdem die Unterschiede noch immer rund 500,- Euro betreffen.

Anfangs beschränkte sich der Protest auf das Sammeln von Unterschriften für zwei Petitionen (mehr Lohngerechtigkeit und Optimiermöglichkeiten), in denen die Möglichkeit gefordert wurde, das neue Besoldungssystem zu optimieren.

Seitens der Stadt Wien und der zuständigen Gewerkschaft YOUNION, die die Besoldungsreform ausverhandelt hat, wurde bislang abgewiegelt. Zuerst wolle man die Ergebnisse einer „Evaluierungsphase“ abwarten, heißt es im klassischen Politspeak.

Doch das Vertrösten auf den Sankt-Nimmerleins-Tag funktioniert nicht mehr. Der Siedepunkt an den Spitälern ist längst erreicht. Bei einer Protestkundgebung vor der YOUNION-Zentrale ließen viele KollegInnen ihrer Empörung erstmals freien Lauf.

(c) Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
(c) Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Lautstark stürmten sie das Gewerkschaftshaus und forderten ein Gespräch mit dem Vorsitzenden, Christian Meidlinger. Auf seine Antworten wurde aber nur mit Spott und Hohn reagiert. Martin, Krankenpfleger am Wilhelminenspital und Redner bei der Kundgebung, brachte die Stimmung voll auf den Punkt, als er zu Kollegen Meidlinger sagte: „Was ich von euch heute will, ist, dass ihr uns sagt, dass wenn die Optimierung heuer nicht kommt, dass ihr dann mit uns in den Streik tretet.“

Nach der Protestkundgebung beginnen sich jetzt die KrankenpflegerInnen zu vernetzen und zu organisieren. Sie wissen ganz genau, dass das Spitalswesen ohne die MitarbeiterInnen zusperren kann. Und mit diesem Selbstbewusstsein werden sie auch in den kommenden Wochen lautstark für ihre Interessen kämpfen.

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