Don’t try to be an apple if you are a banana, you’ll always be a second rate apple.

Wer schon einmal mit der Wiener Straßenbahnlinie 5 gefahren ist wird es kennen, dieses riesige Relief am Haus Blindengasse 22-23 – übersehen kann man es eigentlich kaum. Wörtlich übersetzt bedeutet dieser Spruch: Versuch nicht ein Apfel zu sein, wenn du eine Banane bist. Du würdest immer ein zweitklassiger Apfel sein. Doch was hat der Spruch eigentlich zu bedeuten, und wieso ist er an so prominenter Stelle platziert?

Kunst im öffentlichen Raum

Eine kurze Recherchetätigkeit bringt uns zur Homepage der Stadt Wien – wo das Rätsels Lösung zu finden ist: Julie Hayward heißt die Künstlerin, die die künstlerische Gestaltung der Fassade des Turnsaales der Schule Pfeilgasse 42b / Blindengasse 22-24 übernommen hat. Mit dem Spruch möchte sie aufzeigen, dass Gruppenzwang und Anpassung an eine Norm nicht nötig sind, dass man sich als „Banane“ auch unter lauter „Äpfeln“ wohl fühlen kann – damit möchte sie den vielen Außenseitern, die in dieser Schule Tag für Tag gemobbt werden, quasi „freundlich auf die Schulter klopfen“ – ob das deren Lage einfacher macht sei hier dahingestellt. Eigentlich ist das ja ein hehres Anliegen, allerdings ist dieser Spruch dafür denkbar schlecht gewählt.

Knapp daneben ist auch vorbei.

Der eigentliche Subtext, der in diesem Sprichwort mitschwingt, ist nämlich ein völlig anderer: „Versuch gar nicht erst nicht etwas zu erreichen was dir unmöglich erscheint, bleib einfach was du bist, du schaffst es ja sowieso nicht.“ „Deine Ambitionen sind vergebene Liebesmüh – du bist einfach eine krumme Banane und wirst es nie zum saftigen grünen Apfel bringen.“ Dass sich der Spruch auch noch direkt an Außenseiter richtet macht die Sache noch wesentlich schlimmer – so merken die Kinder schon früh, dass sie aus ihrem sozialen Randdasein kaum entkommen können. Niederschmetternd? Ja. Ernüchternd? Desillusionierend? Ja. Und so etwas setzt man Kindern Tag für Tag in überlebensgroßen Lettern aus? Also Achtung Josefstadt – die nächste No-Future-Generation ist schon am heranwachsen.

 

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

11 Comments

  1. m

    5. Juni 2011

    test
    test2

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  2. m

    5. Juni 2011

    na ja
    ich sehe den subtext nicht so negativ – wer sagt denn, dass äpfel besser als bananen sind?

    Reply
  3. m

    5. Juni 2011

    forts.
    und dann gibt es ja auch noch das ganze andere obst und gemüse und sogar fleischprodukte und alles mögliche, das anders als ein apfel ist und gerade deswegen gut.

    Reply
  4. nfo

    21. Juli 2011

    etwas positiver
    Ich hab gestern das Haus gesehen, und hab den Subtext etwas anderes interpretiert: "Versuche nicht jemand zu sein der du nicht Bist" oder "Bleib dir selber treu" …

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  5. nfo

    21. Juli 2011

    nachtrag
    hier die offizielle Beschreibung:

    Ausgangspunkt meiner Arbeit ist ein englisches Proverb*, welches sich auf eine sehr einfache und humorvolle Weise mit dem Thema Gruppenzwang, Außenseitertum und dem "anders sein wollen, als man ist" auseinandersetzt.

    http://www.wien.gv.at/m19prjdb/eigene-projekte/html/show_projekt_ep.asp?ID=2276

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  6. lerchenground

    20. Februar 2012

    subtext
    da wurde wohl ein bisschen übertrieben.

    die meisten leute interpretieren wohl den subtext, so wie auch nfo.

    Versuche nicht jemand zu sein der du nicht Bist" oder Bleib dir selber treu …

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  7. Lehrer

    18. Juli 2012

    Kein Missverständnis möglich
    Mir ist unklar, wie irgendjemand diesen Spruch als positive "bleib wie du bist"-Botschaft auffassen kann. Wenn er lauten würde "Why try to be an apple, being a banana is nice, too", dann ja — aber so wie es ist, legt der zweite Satz ganz klar das Gewicht darauf, dass man gar nicht erst versuchen soll, anders zu werden als man "ist".

    Als eine Art "Schadensbegrenzung" arbeite sich seit mehreren Jahren regelmäßig im Deutschunterricht mit diesem Spruch, und die negative Deutung war bis dato jedes Mal die erste, die gekommen ist. Im Kontext des Deutschunterrichts kommen die Schüler/innen meist auch schnell dahinter, dass es sich dabei um eine extrem fragwürdige Moral handelt; aber ob das für die Kinder, die jeden Morgen an dem Spruch vorbeigehen müssen (oder in der Straßenbahn vorbeifahren) auch so ist, wage ich zu bezweifeln.

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  8. Nina

    27. Dezember 2012

    Finde ich nicht
    Ich empfinde diesen Spruch immer wieder als positiv, so oft ich daran vorbeifahre. Die eigenen Stärken nutzen, nicht andere zu imitieren, sich selbst treu bleiben. Das steckt für mich darin. Aber man kann wohl auch aus "Guten Tag" eine negative Botschaft rauslesen.

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  9. banapple

    7. Februar 2013

    sein oder werden
    der Spruch regt jedenfalls dazu an, sich Gedanken darüber zu machen, was man jetzt ist, oder nicht ist, werden kann, sein will; ob man das was man tut freiwillig tut, oder ob man sich von seinem Umfeld darauf festlegen lässt…

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  10. Rorschach

    10. Februar 2013

    I wish…
    I wish I knew what you guys were saying. It seems serious.

    Reply
  11. sehrwohl

    5. September 2013

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