Zitat von Johanna Dohnal (c) STADTBEKANNT

Meilensteine zur (formalen) Gleichberechtigung

Als 1970 Bruno Kreisky Bundeskanzler wurde, durchzog endlich auch Österreich ein warmes Lüftchen der gesellschaftlichen Modernisierung. Angestoßen von einer neuen Frauenbewegung wurden nun viele Reformen angegangen, die den Frauen gleiche Rechte brachten.

Anfang der 1970er Jahre ist das Leben der meisten Frauen noch von der „göttlichen Ordnung“ bestimmt. Zwar ist bereits jede zweite Frau erwerbstätig, doch die traditionellen Rollenbilder wiegen noch schwer. Die Frau hat treu, sanftmütig zu sein und hat sich für die Familie aufzuopfern. In den eigenen vier Wänden hat der Mann das Sagen. Ohne seine Zustimmung kann die Frau nicht einmal arbeiten gehen.

„Der Bauch gehört mir“

Die internationale Bewegung für das Recht auf Abtreibung löst auch in Österreich eine neue Frauenbewegung aus, die offensiv die Abschaffung des „Abtreibungsparagraphen“ §144 des Strafgesetzes fordert. Auf Abtreibung stand damals noch schwerer Kerker. Die SPÖ wollte das Abtreibungsrecht lockern und den Schwangerschaftsabbruch entkriminalisieren. Unter dem Druck der Frauen wurde dann 1973 die Fristenlösung beschlossen, womit Abtreibung bis zum dritten Monat straffrei wurde (danach aufgrund medizinischer Indikation). Gerade dieses historische Gesetz wird heute von konservativer Seite, einschließlich von namhaften Mitgliedern von ÖVP und FPÖ, wieder langsam aber sicher in Frage gestellt.

Mutterschutz

Gleichzeitig wurden aber auch Maßnahmen gesetzt, die es Frauen erleichtern sollten, Mütter zu werden. Der Mutter-Kind-Pass wurde eingeführt und setzte neue Maßstäbe in der Gesundheitsvorsorge. Der Mutterschutz wurde ausgeweitet, Karenzzeiten wurden nun für die Pensionsversicherung angerechnet, das Karenzgeld war nicht mehr abhängig vom Einkommen des Partners, erhöhtes Karenzgeld gab es für Alleinerziehende und für einkommensschwache Familien.

Auch hier setzt die jetzige Regierung ganz andere Schwerpunkte. Mit dem „Familienbonus“ werden gerade sozial schwache Frauen benachteiligt, und die Kürzungen bei den Kindergärten im schwarz-blau regierten Oberösterreich treffen auch besonders Alleinerziehende.

In den 1970ern wurde erstmals auch das Tabu familiärer Gewalt gebrochen. Unter Johanna Dohnal wurden die ersten Frauenhäuser mit öffentlichen Geldern unterstützt. Außerdem wurde das Netz an Familienberatungsstellen flächendeckend ausgebaut. Unter Schwarz-Blau wird in diesen Bereichen massiv gekürzt.

„Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.“ (Johanna Dohnal)

Seit 1975 sind Frauen und Männer dank dem Gleichbehandlungsgesetz rechtlich gleichgestellt. Von völliger Gleichberechtigung sind wir immer noch weit entfernt. Doch heute sind sogar die Fortschritte der Ära Kreisky wieder bedroht, und es braucht eine neue Frauenbewegung, die diese Errungenschaften verteidigt und echte Gleichberechtigung in allen Bereichen durchsetzt.

Die Ära Kreisky

Die Ära Kreisky Teil 1: Gleichberechtigung
Die Ära Kreisky Teil 2: Fristenlösung
Die Ära Kreisky Teil 3: Bildung

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