Verbot - Tracht (c) STADTBEKANNT

„Der Mensch ist gut, oba de Leit‘ san a G’sindl.“ (Nestroy)

„Man sagt, daß vereinte Masse kein Gewissen hat – und das ist wahr genug; gewissenhafte Menschen aber verbinden sich zu einer Vereinigung mit Gewissen. Das Gesetz hat die Menschen nicht nur ein Jota gerechter gemacht; gerade durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts.“ (Thoreau)

„Die Menschen sind ein Trottel.“ (Zirkowitsch)

ÖsterreicherInnen tragen Tracht, NiederösterreichInnen tragen folglich Niedertracht und WienerInnen sollen bitte nicht so deppert sein. Die Tracht hat nichts in der Stadt verloren. Wider Anstand und Vernunft und jegliches Wiener Brauchtum sieht man aber, mehr und mehr Menschen in der Stadt, die ihre proletarischen, bürgerlichen oder aristokratischen Leiber in Lederhosen zwängen und sich die Tutteln unters Kinn schnallen.

Trachtenverbot umsetzen

Dabei gibt’s in Wien die Fernwärme, die dafür sorgt, dass keine Frau Holz vor der Hütt’n lagern muss. Besonders nicht am Neustifter Kirtag, wo die Döblinger Jeunesse dorée Seite an Seite mit VollblutsimmeringerInnen tschechert und sich trocht Trachtverkleidung weiterhin unterscheidet. Besonders nicht in Stammersdorf, dem Geheimtipp unter den vermeintlichen Anlässen seine Liebe zur Heimat, zu Wade oder zum Busen durch Brachialkleidung Ausdruck zu verleihen. Und ganz, ganz besonders nicht auf der Wiener Wies’n. Dabei handelt es sich um ein kürzlich importiertes Brauchtum aus Deutschland bei dem Männer ihre Virilität dadurch unter Beweis stellen, dass sie grobe Mengen Bier aufnehmen. Gewonnen hat, wer mehr brunzt, als er erbricht. Frauen sind auch da. Dazu läuft Schihüttenmusik – zumindest das ist eine heimische Tradition.

Verklärung

Um in Wien Hirschlederhosen, Neondirndl und Haferschuh zu tragen, muss man zwangsläufig aufs Wiener Umland (Niederösterreich, Burgenland, Slowakei, Kärnten) ausweichen, denn die typische Kleidung der Wiener ist der Anzug, wahlweise als Nadelstreif oder Jogging. Naturgemäß hat der Städter aber keine Ahnung vom Landleben, sondern nur Urlaubserinnerungen und verklärt dieses. Im Dorf würden die Leut‘ halt noch zusammenhalten. Ausnahmen sind häusliche Gewalt, Schwangerschaften Minderjähriger und der Almabtrieb. Natürlich stimmt das nicht. Auch der Huber-Bauer masturbiert zu Pornhub, während die Huber-Bäurin zum Swingen in die Tenne fährt. Behinderte werden dort genauso weggeräumt und für ein solidarisches Gemeinwesen sind sie ohnedies zu wenige.
Nebenbei sei an der Stelle auch erwähnt, dass die Tracht, wie wir sie heute kennen, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts von Adel und Großbürgertum ist.

Tracht ist giftig

Menschen in Tracht werden häufig mit HinterwäldlerInnentum, Ungebildetheit, Inzest und Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne in Verbindung gebracht – zu Recht. Tatsächlich sind Menschen, die Tracht tragen fast immer alle ausnahmslos grobschlächtige, bösartige und in einem gerüttelten Ausmaß zurückgebliebene. Und darin liegt die Gefahr. Über das Hirschleder und den groben Leinenstoff dringen rurale Viren subkutan ein und verdrängen die städtische Überlegenheit. Unmittelbar nach der Infektion breitet sich ein wohliges Wärmegefühl aus, das Selbsterhaltungstrieb und Würde-Sensorik lahmlegt. Wer die Tracht anlegt, fühlt sich gut, stumpft aber rasend schnell ab. Häufiges Kostümieren kann zu anhaltenden Schädigungen des Frontallappens („Grias eich!“) und Fingerhakel-Spasmen führen.

Es ist fünf nach zwölf

Für eine Aufklärungskampagne ist es bereits zu spät, aber ein Verbot könnte zahllose Menschenleben retten. Und wer sich in Wien niederösterreichischer fühlen will, soll halt den Keller ausbauen oder hin und wieder ein Reh überfahren.

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