Das geheime Wiener Künstler Quartier

1050 Wien Margareten (c) STADTBEKANNT

Im Gespräch mit Adam Lukas

Wer in Margareten lebt, kann Veränderungen an jeder Ecke bemerken. Neue Geschäfte siedeln sich an, Craftbeer-Lokale und bunte Cafes beleben auch bisher ungeliebte Teile des Bezirks und die Wahrscheinlichkeit auf eine Kulturveranstaltung zu treffen, scheint in den letzten Jahren gefühlt exponentiell gestiegen zu sein.

Dass dafür nicht allein die Gentrifizierung und der damit einhergehende Bevölkerungswandel verantwortlich sind, sondern politische Entscheidungen der Bezirksvorstehung wichtige Arbeit geleistet haben, ist Szenekennern auf den ersten Blick ersichtlich.

Der Wandel und die am 11. Oktober anstehenden Bezirksvertreterwahl bieten einen guten Anlass, um Adam Lukas, den neuen Kultursprecher der Grünen Margareten, zum Gespräch zu bitten und seine Vision für die kulturelle Weiterentwicklung des Grätzels abzufragen.

Adam Lukas
Adam Lukas

Herr Lukas, Sie haben die letzten Monate beim Wiener Kultursommer gearbeitet und auf ihrer Bühne am Naschmarkt einen guten Querschnitt der Wiener Kulturszene zu sehen bekommen. Was finden Sie läuft bezüglich Kultur gut in der Stadt und wo könnte man Dinge verbessern?

Adam Lukas: Ich bin total beeindruckt vom künstlerischen Potential in Wien. Ich meine, man kennt das ja, Wien gilt als Kulturhauptstadt. Da sollte man sich vielleicht gar nicht so drüber wundern, aber ich muss schon sagen, nach diesen Wochen im Kultursommer mittendrin, bin ich beeindruckt von der Breite, die es in jedem einzelnen Genre gibt und der künstlerischen Qualität. Doch jetzt, wo der Kultursommer vorbei ist und die Wintersaison vor der Tür steht, glaube ich, dass es notwendig sein wird, weitere Voraussetzungen zu schaffen, dass diese vielen talentierten Leute auch in Zukunft auftreten können.

Sie waren zuletzt viel im Kontakt mit Künstlern und Künstlerinnen. Haben diese große Angst vor der Zukunft?

Adam Lukas: Ja, vor der unmittelbaren Zukunft. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, war froh, dass er spielen durfte, endlich wieder arbeiten konnte. Aber der Sommer ist vorbei und nun weiß keiner, was auf uns zukommt. Es schwirrt immer die Frage im Raum: Gibt es wieder ein Lockdown, wie wird das mit den Locations? Die gute Nachricht ist, dass es Orte und Spielplätze gibt, die sich bereits auf die Situation vorbereiten, die proben, ihr Programm gestalten und fix damit rechnen, im Herbst ihre Tore zu öffnen, natürlich mit reduzierter Kapazität. Das bedeutet teilweise um die Hälfte, teilweise um zwei Drittel weniger Besucher. Das wird die Locations über kurz oder lang vor finanzielle Herausforderungen stellen, die man irgendwie abfangen muss. Da braucht es viel mehr als Kostenersätze hier oder da, oder Arbeitslosenunterstützungen. Das will ja eigentlich niemand. Die Leute wollen arbeiten und dafür muss man Sorge tragen.

Sie sind seit kurzem Kultursprecher der Grünen im 5. Bezirk. Wenn sie die Macht hätten, welche Maßnahmen würden sie jetzt setzen?

Adam Lukas: Definitiv Kostenübernahmen für die Spielorte. Denn es macht keinen Sinn, wenn pro Haus 10, 20, 30 Menschen arbeitslos sind und dazu kommen noch KünstlerInnen, die nicht spielen können. Man sollte errechnen, was an Karten verkauft werden kann, was fehlt auf ein finanzierbares Haus, und das soll dann von der öffentlichen Hand übernommen werden. Das kommt in Summe definitiv günstiger, als ganze Betriebe in Konkurs und und ihre Mitarbeiter in die Arbeitslose zu schicken. Des weiteren wäre eine Förderung bzw. eine Kostenübernahme für moderne Lüftungen, die auch Luft filtern, eine essentielle Zukunftsinvestion.

Und ihre Hauptanliegen abseits von Corona?

Adam Lukas: Kunst und Kultur im öffentlichen Raum sichtbar machen und viel mehr damit nach außen gehen wie z.B. mit einer offenen Bühne am Siebenbrunnenplatz, mit einer legalen Graffitiwänden für Jugendliche und Streetart-KünstlerInnen sowie Grätzel-Events für Jung und Alt. Ich finde es auch sehr wichtig, die Vernetzung der KünstlerInnen im Bezirk voranzutreiben, um eine Basis für Kooperationen und gemeinsame Projekte zu schaffen. Ganz wichtig wird es sein, eine Infrastruktur, mitunter geförderte oder im Idealfall kostenfreie Ateliers und Räumlichkeiten, zu schaffen, wo KünstlerInnen, die oft in prekären Verhältnissen leben müssen, ihre Arbeit tun können, zum Beispiel durch Leerstandsbelebung und Zwischennutzungsprojekte.

Es wird am 11. September eine Ausstellung geben, die Künstlern im Bezirk zugute kommt. Worum geht es da?

Adam Lukas: Wir haben die grünen Visionen für den Bezirk formuliert und KünstlerInnen dazu aufgerufen, diese zu interpretieren. Aus den 30 Einreichungen hat sich dann eine heterogene Jury auf fünf Werke geeinigt und diese werden im Rahmen einer Vernissage am 11. September in den schönen 50er-Jahre-Auslagen unseres Kooperationspartners, dem Filmquartier in der Schönbrunnerstraße, präsentiert. Die Werke werden für zwei Monate zu sehen sein, am 11. September können sie ab 19:00 Uhr in Anwesenheit der Künstler und Künstlerinnen und dem ganzen Team Margareten bewundert werden.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Alles auf einen Blick

Vernissage – Grüne Visionen für dein Margareten
ab 11. September
Filmquartier
Schönbrunnerstraße 31, 1050 Wien

Wer übrigens Lust auf Vernissage-Hopping hat, dem sei die Eröffnung der „Mafia Tabak“-Ausstellung () in der neu eröffneten Galerie „Boutique Romana“ ans Herz gelegt. Lauschig an der Neville-Brücke gelegen, lässt sich dort sicher gut ein Abschlußbierchen geniessen und mit dem anwesenden Künstler über seine Kunst diskutieren. Draußen mit Abstand, drinnen mit Maske!
Hier geht es zur FB-Veranstaltung

Kommentieren

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.