Beethoven (c) STADTBEKANNT

„Mein Engel, mein alles, mein Ich“

Wie ein Frauenheld wirkte er nicht gerade: Zu Ludwig van Beethovens zotteliger Frisur und dem grimmigen Gesichtsausdruck, den man von Darstellungen kennt, soll der Komponist auch noch schlechte gesellschaftliche Manieren an den Tag gelebt haben, wie Zeitgenossen berichteten. Dennoch sei er stets verliebt gewesen und hätte Eroberungen gemacht, so sein Freund Franz Gerhard Wegeler, der ihn in den 1790er Jahren in Wien erlebte.

Unerfüllte Liebe und ewige Treue

Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Freundinnen hatte Beethoven, von denen er einigen Kompositionen widmete, aber glücklich wurde er wohl nie: Der 1812 verfasste und posthum aufgefundene „Brief an die Unsterbliche Geliebte“ schildert sein Leiden über die unerfüllte Liebe. „welches Leben!!!! so!!!! ohne dich“ – „Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir“ – „ewig dein ewig mein ewig unß.“ Wem Beethoven da jedoch so dramatisch die ewige Treue schwor, ist nach wie vor umstritten. Am wahrscheinlichsten richtete er den nie abgeschickten Brief an die Gräfin Josephine Brunsvik.

Josephine und ihre Geschwister Therese, Charlotte und Franz lernte Beethoven zum ersten Mal 1799 in Wien kennen, wo die ungarische Familie einige Wochen verbachte. Zum Abschied schrieb er Therese und Josephine ein Goethe-Zitat ins Album: „Ich denke dein“.
Noch im selben Sommer wurde Josephine jedoch mit dem Grafen Joseph von Deym verheiratet. So war sie zwar vergeben, zog jedoch auch nach Wien, wo Beethoven nun ihr Klavierlehrer wurde.

Wider den Standesunterschied

Nach dem unerwarteten Tod des Grafens fünf Jahre später entwickelte sich zwischen der Schülerin und ihrem Klavierlehrer eine Liebesbeziehung, dokumentiert von 14 leidenschaftlichen Liebesbriefen. Als „Engel“ und „mein Alles“ sprach Beethoven seine Josephine an, schwor ihr ewige Treue. Doch der Standesunterschied machte eine Heirat unmöglich. 1810 heiratete Josephine erneut – diesmal den Baron Christoph von Stackelberg, der sie nur zwei Jahre später wieder verließ.

Am 3. Juli 1812 trafen Ludwig und Josephine in Prag aufeinander – die Umstände sind nicht genauer bekannt, jedoch kam neun Monate später im April 1813 Josephines Tochter Minona zur Welt. Rückwärts gelesen: Anonim – für viele Beethoven-Forschende ein eindeutiges Zeichen, dass Beethoven der Vater Minonas war. Die legte später auch selbst musikalisches Talent an den Tag und hinterließ eine Reihe an Kompositionen.

Josephine starb 1821 in Wien, Ludwig überlebte sie um sechs Jahre. Jahrzehnte später notierte Therese Brunsvik 1848 in ihrem Tagebuch: „Sie waren füreinander geboren und lebten beide noch, hätten sie sich vereint.“

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