Wien

100 Jahre Republik Österreich - Teil 1 (c) STADTBEKANNT
100 Jahre Republik Österreich (c) STADTBEKANNT

Arbeitnehmerrechte: Ja bitte / Nein danke

10. März 2018 • Wien

100 Jahre Republik Österreich: 1918 – 2018

Vom Streiken, vom Sudern und von der freiwilligen Aufgabe erkämpfter Rechte in der modernen „Leistungs“gesellschaft …

Der 1.Weltkrieg war noch nicht überstanden, als im Jänner 1918 die österreichische Arbeiterschaft in den Streik trat. Der Grund: Nahrungsmittelknappheit, menschenunwürdige und krank machende Arbeitsbedingungen, Hunger nach Frieden. In Wiener Neustadt streikten die ArbeiterInnen der Daimler-Motorenwerke, der Flugzeug- und der Munitionsfabrik. Um die 10.000 Menschen demonstrierten öffentlich für ihr Begehr. Und das nicht zum letzten Mal. In der Ersten Republik erstritten ArbeiterInnen und Angestellte allein von 1918 bis 1920 den 8-Stunden-Arbeitstag, die Arbeitslosenversicherung, den gesetzlichen Urlaub, das Betriebsrätegesetz oder den Mieterschutz.

 

Was ist davon geblieben?

Die verschmutzten Fabriken von damals sind heute zwar oft bequemen Bürostühlen gewichen, und in puncto Rechte hat sich doch einiges getan. Trotzdem sind die sozialen Probleme von damals nicht aus der Welt. Das Gefüge der modernen Arbeitswelt verlangt ArbeitnehmerInnen vieles ab; oft mehr, als sie gesund überstehen können. Es gehört in Österreich fast schon zum guten Ton, von der Arbeit gestresst, überfordert, krank und übermüdet zu sein – ist man es nicht oder verweigert auch nur den Suder-Zwang, gehört man wohl zu den Faulen oder, mit Kurz gesprochen, den „Durchschummlern”.

Arbeitnehmerrechte? Gesundheit hat Vorrang? Faire Bezahlung? Pah, das ist ja alles sowas von old school! Viel zeitgemäßer ist es da schon, sich bis zur Selbstaufgabe an Firma und Job zu knüpfen, im Büro zu schlafen oder unbezahlte Praktika zu machen. Freiwillig, ja mit inniger Hingabe, bejubeln Konservative und Yuppies den „neuen Stil” des Sozialabbaus und die Möglichkeit, endlich legal 12 Stunden täglich zu hackeln. Wer pendeln muss, hat Pech. Wozu gibt’s denn Koffein, und, wenn das nicht mehr hilft, Kokain? Ist das Berufsleben zu hart, bist du zu schwach!

Die streikenden ArbeiterInnen und Angestellten von damals würden sich im Grab umdrehen oder, falls das Grab recht eng ist, zumindest entsetzt den Kopf schütteln.

 

Spuren bis in die Gegenwart

Vieles, das 1918 Gemüter erregte und die Geister beschäftigte, ist auch 2018 noch Gesprächsstoff. Aus diesem Grund gibt es folgende Schwerpunktartikel zum Republiksjubiläum:

Wie der Phönix aus der Asche
Über die Geburt, den Tod und die Wiedergeburt der Republik Österreich.

Viva la Emancipación!
Über die Durchsetzung des Frauenwahlrechts 1918 und politische Anti-Emanzipations-Bewegungen, die bis heute aktiv sind.

Gehässige Töne, verheerende Wirkung
Über Hasspropaganda von anno 1918 und heutige Fäkalstürmen im Internet, die sich damals wie heute mit Vorliebe gegen Minderheiten und die Demokratie richte(te)n.

Mutig in die neuen Zeiten?
Über österreichische Trends, die 100 Jahre überlebt haben, und die Zukunft der störanfälligen Republik.

 

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