Adelheid Popp-Hof (c) STADTBEKANNT

Große Wienerinnen

Aufklärung, Bildung und Wissen. Diese Forderungen stellte Adelheid Popp in ihrer ersten Rede auf einer Arbeiterversammlung, als sie diese für Frauen einforderte. Es war der Beginn von Adelheids Engagement als Frauenrechtlerin, das sie im Laufe der Jahre ausweitete und so zu einer Ikone der österreichischen Frauenrechtsbewegung wurde.

Schwere Kindheitsjahre

Adelheid erlebte keine behütete Kindheit. Sie stammte aus einer armen Arbeiterfamilie, ihr alkoholkranker Vater starb früh und ihre Mutter hatte fünfzehn Kinder geboren. Durch die Armut der Familie war Adelheid gezwungen, bereits als Zehnjährige arbeiten zu gehen. Sie musste schwere Fabrikarbeit leisten und als Dienstmädchen arbeiten. Als sie mit dreizehn Jahren am Ende ihrer Kräfte war, kam sie in ein Krankenhaus. Hier hatte sie das erste Mal in ihrem Leben einen Bett als Schlafplatz sowie regelmäßige warme Mahlzeiten.

Frauenrechtlerin

Die harten Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen hatte Adelheid am eigenen Leib erfahren und setzte sich umso vehementer für mehr Rechten für Frauen und Arbeiterinnen ein. Obwohl sie selbst durch ihre kurze Schulzeit das Schreiben erst aneignen musste – sie erhielt Sprachunterricht von Viktor Adlers Frau Emma – wurde sie bald zur Redakteurin der Arbeiterinnen-Zeitung. Als dem Blatt die „Herabwürdigung der Ehe und Familie“ vorgeworfen wurde, musste Adelheid ins Gefängnis gehen. Doch das hielt sie nicht von ihrem Einsatz für Frauenrechte ab.

Ihrer Zeit voraus

Adelheids Forderungen waren für die damalige Zeit ausgesprochen progressiv. So forderte sie nicht nur das Frauenwahlrecht, sondern auch eine Gleichstellung der Frau in Beruf und Ehe, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und eine Karenzzeit. Sie war zudem Mitbegründein des Vereins sozialdemokratischer Frauen und Mädchen und wurde 1919 Nationalratsabgeordnete der Sozialdemokraten. Mit lodernden Reden machte sie immer wieder auf die Ungleichbehandlung von Frauen und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen aufmerksam und ebnete durch ihre unermüdliche Arbeit den Weg für zahlreiche nachfolgende Frauenrechtlerinnen.

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