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130 Jahre 1. Mai

Auch wenn der 1. Mai dieses Jahr nicht wie gewohnt gefeiert werden kann, so ist seine Botschaft besonders in diesem Jahr wichtiger denn je.

Die Anfänge des 1. Mai als Tag der Arbeit reichen zurück ins Jahr 1884, als US-amerikanische Arbeiter für einen Achtstundentag eintraten. Der Streik blieb allerdings erfolglos, weshalb 1890 ein weiteres Mal versucht wurde, die Forderungen durchzusetzen. Am 1. Mai 1890 kam es daher in Wien erstmals zu einem Maiaufmarsch der Arbeiterschaft, die für einen Achtstundentag kämpfte. In Wien ist der Maiaufmarsch auch heute noch essentieller Bestandteil des Tags der Arbeit.

Forderungen nach Verbesserung

In den folgenden Jahren wurden im Rahmen der Maiaufmärsche Forderungen der Sozialdemokratie verkündet. Diese Forderungen beinhalteten unter anderem jene nach einem allgemeinen Wahlrecht, einer Alters- und Invaliditätssicherung oder auch einer 36-stündigen Sonntagsruhe. Der Sozialdemokratie gelang es, immer mehr Reformen zugunsten der ArbeiterInnen und auch der restlichen Bevölkerung durchzusetzen. So wurden auch die Rechte der Frau durch engagierte Politikerinnen wie Adelheid Popp oder später Johanna Dohnal entscheidend geprägt und verbessert. Seit 1919 ist der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag und wird neben dem Maiaufmarsch von zahlreichen Kundgebungen begleitet. Heuer finden diese größtenteils online statt, an Bedeutsamkeit sollte der Tag der Arbeit aber besonders in diesem Jahr nicht verlieren.

Soziale Gerechtigkeit?

Auch wenn die Ursprünge des Tags der Arbeit schon weit in der Vergangenheit liegen, so ist die Bedeutung dieses Tages nach wie vor relevanter denn je. Die letzten Wochen haben uns vor Augen geführt, welche Menschen dank ihrer Arbeit zum Erhalt der Versorgung unserer Bevölkerung beigetragen haben und dadurch für unsere Gesellschaft unabdingbar sind. Oft sind es gerade jene Berufe, die wenig gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, die nun unser System am Laufen halten. Auch ist es Tatsache, dass gerade diese Berufe schlecht bezahlt werden und die Arbeitsbedingungen teils prekär sind. Dass nun vom Kanzler zwecks „sozialer Gerechtigkeit“ höhere Löhne für ebendiese Menschen in Aussicht gestellt werden, ist einerseits gut und wichtig. Doch warum erst jetzt? Diese Menschen haben auch in den letzten Jahren unser System erhalten und der Dank war gering. Zudem sind jene Lohnerhöhungen eine Kleinigkeit im Vergleich zu Boni in Millionenhöhe, die beispielsweise Top-Manager seit Jahren erhalten und deren Arbeit aktuell in den wenigsten Fällen zu einem Systemerhalt beigetragen hat. Oder eine geforderte Vermögenssteuer für die Reichsten des Landes, die nach wie vor von der Regierung abgelehnt wird. Gleichzeitig plante die Regierung noch zu Beginn des Jahres härtere Maßnahmen beim Arbeitslosengeld und dachte 2018 noch die Streichung der Notstandshilfe an. Wo bleibt hier also die soziale Gerechtigkeit?

Langfristige Wirkung statt kurzer Floskeln

Die momentane Wertschätzung für Menschen in systemerhaltenden Berufen darf nicht einfach wieder klanglos verhallen. Gerade jetzt ist es an der Zeit, bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für diese Berufe vehement zu fordern, denn ein Danke allein ist nicht ausreichend. Der 1. Mai 2020 sollte daher wie in vergangenen Zeiten auch heuer genützt werden, um für die Forderungen der systemerhaltenden ArbeitnehmerInnen zu kämpfen und einzutreten. Nur so können wir uns einer sozialen Gerechtigkeit auch tatsächlich annähern und verhindern, dass der Begriff lediglich als leere Floskel bestehen bleibt.

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