Lifestyle – Skurriles

Antiquariat Stranski-Edler (c) stadtbekannt.at
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Zu Besuch in einem bürgerlichen Haushalt

20. September 2015 • Skurriles

STADTBEKANNT Homestory

Wir stellen euch als kleine Wahlhilfe für die Wiener Gemeinderatswahl das private Umfeld der KandidatInnen der größten Parteien vor, ihre Ansichten und Themen. Heute zu Besuch bei den Schwarzen.

Im ersten Bezirk lässt sich in einer Wohnung in der Nähe der Wollzeile am Samstagabend ein Schauspiel einer längst vergangenen Zeit beobachten. Ein Mann, Ende 50, sitzt gut gekleidet im Ohrensessel und liest im Licht des vom Plafond hängenden Lusters seine „Qualitätszeitungen“. Es ist kurz vor der Zeit-im-Bild, deswegen kommt jetzt auch seine Frau ins Wohnzimmer und nimmt auf dem anderen Fauteuil Platz. Natürlich sitzt die Frisur auch in der Küche und man ist adäquat angezogen, bürgerlich sein ist keine Einstellung. Es ist ein Zustand. Gespannt sieht man sich die neuesten Meldungen des Tages an und echauffiert sich nach Sendungsende über die Aussagen der Politiker.

„Der Professor Zweigelt der da im Rathaus rumkullert geht mir schon die längste Zeit auf die Nerven! Warum die der Stenzel die Unterführung am Franz-Josefs-Kai nicht genehmigt ham, is eine Frechheit sondergleichen. Ich brauch fast eine Stunde raus zum Heurigen nach Döbling. Ich mein, soll ich etwa öffentlich dorthin fahren? Was würden da alle von mir denken? “. Von seiner Frau kommt nur ein zustimmendes Geräusch. Man ist sich aber einig im Haushalt: die Sozialdemokratie bremst die Entfesselung der Wirtschaft einfach nur. Aber das wird ja jetzt der junge und dynamische „Django“ Mitterlehner schon richten. Der hat ja jetzt 99% Zustimmung am Parteitag bekommen, das is ein Zeichen von Selbstbewusstsein, nicht von Personalmangel! Außerdem kann ja Reinhold Lopatka auch wieder neue Mandatare einkaufen gehen, falls es eng werden sollte.

Der Abend tröpfelt dahin, geredet wird nicht viel, der Mann muss sich wieder auf seine Zeitung konzentrieren. Gegen 10 Uhr ist es dann soweit, man macht sich fürs Bett bereit und geht schlafen. Natürlich aber in getrennten Betten – man ist ja christlich-konservativ. Morgen wartet ein spannender Tag: es gibt einen Sondergottesdienst im Stephansdom und am Nachmittag trifft man sich im Aida bei der Oper zum Kaffee mit „alten“ Freunden.

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