Lifestyle – Skurriles

Karl Marx Hof (c) Anatoly Terentiev
Karl Marx Hof (c) Anatoly Terentiev

Zu Besuch im Karl-Marx-Hof

15. September 2015 • Skurriles

STADTBEKANNT  Homestory

Wir stellen euch als kleine Wahlhilfe für die Wiener Gemeinderatswahl das private Umfeld der KandidatInnen der größten Parteien vor, ihre Ansichten und Themen. Heute zu Besuch bei den Roten. 

In einer Wohnung im Karl Marx Hof wird es auf einmal laut am Abend. Vorstandsvorsitzender des Kleingartenvereins Brigittenau und Ordnungsbeauftragter von Stiege 12 , Genosse G., muss sich aufregen. Die Verwaltung im Gemeindebau hat ihm ausrichten lassen, dass sein Antrag auf eine neue Wohnung nicht bewilligt werden kann. Den halben Tag hat er gestern schon am Amtshaus verbracht, erfolglos. Der Parteienverkehr sei dort wegen einem „Fehler im Computer-System“ zusammengebrochen. Seine Frau versucht ihn zu beruhigen, er habe doch Kontakte zum Parteifunktionär, der gegenüber im Haus wohnt. Ob der ihm nicht weiterhelfen könnte, fragt sie. Gesagt getan, und Genosse G. geht auf ein Bier ins Beisl ums Eck mit dem Herrn von der Partei.

„Helfen will ich ihnen ja eh, aber die Bürokratie is ein Hund, sag ich ihnen! Es is nimmer so einfach für uns, wir tun ja auch nur mehr so als wären wir sozial. In Wirklichkeit hat unsere Parteispitze ihre Werte scho lang über Bord geschmissen. Wir armen Funktionäre dürfen das dann ausbaden!“ Nach langen Minuten der Jammerei über den Missstand von eigentlich eh fast allem, kommt man aber dann doch irgendwie zusammen – man muss ja nur lang genug sudern. Zwar ist man mit dem Kathedersozialismus, der von den Gestriegelten im Parlament vertreten wird unzufrieden, jedoch bleibt man bei „seiner“ Partei. Man hat ja schon immer „Rot“ gewählt. Da gibt es halt keine Alternativen.

Nachdem das Wirtshaus zusperrt und es schon spät wird, macht man sich auf den Weg. Man isst beim Würstelstand noch eine Schnitte Leberkäse und trinkt das letzte Bier. „Jetzt wo wir unter uns sind, man kann sie da schon irgendwie vorreihen, ich kenn da wen,“ sagt der Funtionär, “lassen’s des meine Aufgabe sein, sie san ja immerhin schon lang gnug dabei bei uns – da muss ja mal was rausschaun auch“. Mit einem Grinsen im Gesicht und einem bisschen wackeligen Gang macht sich Genosse G. auf den Heimweg – am Ende ist doch noch alles Gut geworden. Man muss ja nur immer die richtigen Leute kennen!

 

Zu Gast auf der grünen Dachterrasse

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