Veranstaltungen – Ausstellungen

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB
Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

Zu Besuch bei Maria Theresia

2. April 2017 • Ausstellungen

Von Mythen, Hündchen und Schokoladekännchen

Im Jahr 2017 feiert Maria Theresia ihren 300sten Geburtstag. Wir von STADTBEKANNT haben zu diesem Anlass die Sonderausstellung im Wiener Hofmobiliendepot besucht und uns auf Spurensuche begeben …

Lang, lang ist es her, dass eine adrett-rundliche Kaiserin im Schloss Schönbrunn ihren Tee schlürfte, während ihre Kinderschar in anderen Teilen des Prunkdomizils umhertollte. Lang – aber auch nicht so lang, dass man als Mensch des 21. Jahrhunderts keinen Bezug mehr dazu hat. Denn: Die Habsburger, insbesondere die als Übermutter und Superreformerin verklärte Regentin Maria Theresia, sind in die österreichische Identität eingebrannt wie Pizza in das italienische und Baguette in das französische Selbstverständnis. Jedes Kind weiß, wem die Allgemeine Schulpflicht zu verdanken ist; jedes Kind lernt, wie eine auf das Herrschen unvorbereitete junge Frau sämtlichen Widerständen zum Trotz erfolgreiche Machtpolitik betrieb und dem Haus Habsburg zu neuerlicher Hochblüte verhalf.

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

Propaganda und Kitsch

Die Sonderausstellung im Hofmobiliendepot soll mit ihren Schwerpunkten dazu beitragen, den Mythos der großen Maria Theresia kritisch zu beleuchten und herauszufinden, wie Bildpolitik die Wahrnehmung der Kaiserin quer durch die Zeiten prägte. Zahlreiche Bild-Exponate aus dem 18. Jahrhundert zeigen Maria Theresia in Posen, die Mütterlichkeit und Herrscherkraft gleichermaßen abbilden sollen: In familiärer Idylle mit Gemahl Franz Stephan und Kindern, mit Zepter vor Schönbrunner Kulisse, oder zu Pferd mit Krone auf dem Haupt und Schwert in der Hand. Die Mythisierung setzte sich in den Folgejahrhunderten fort. Maria Theresia wurde als fromme, gute und weise Regentin zur Hauptprotagonistin in pseudo-historischen Romanen des 19.Jahrhunderts und Nachkriegsfilmen des Genres „Wiener Kitsch“.

Aber auch wenn die positiven Bilder vorherrschen, die politische Gegenseite schlief keineswegs. Englische und niederländische Karikaturisten des 18. Jahrhunderts hatten Maria Theresia zu ihrem Lieblingsopfer auserkoren und bildeten sie in entwürdigen Posen – halb entkleidet, oder in einen Kübel kotzend – auf Kupferstichen ab.

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

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Lebensalltag im Schloss Schönbrunn

Neben dem Fokus auf Bildpolitik bietet die Ausstellung auch hochinteressante Einblicke in das Alltagsleben der Kaiserin bei Hof. Faszinierende Exponate und Anekdoten führen vor Augen, wie es etwa zuging, wenn Maria Theresia zu Mittag essen wollte. Sogar für das schlichte „Speisen auf Serviette“ waren nämlich ein paar Diener sowie mehrere Gänge vonnöten. Auf die Suppe folgten die Fleischgerichte und schließlich die von der Kaiserin heiß geliebten Desserts. Dass Kaffee, Schokolade, Vanille oder auch nur Rohrzucker damals Luxus pur bedeuteten, mag heute überraschen – damals jedoch konnte sich nur die reiche Oberschicht solche Importwaren leisten.

Gespeist hat die Kaiserin natürlich mit ihrem höchstpersönlichen Mundzeug, bestehend aus Messer, Gabel, Löffeln, Markzieher, Eierbecher und Gewürzschale. Dieses wurde nicht nur sorgfältigst gepflegt, sondern nach jeder Benutzung von einem „Silberdiener“ in die Silberkammer zurückgebracht. Ein Diener mit dem Titel „Leittrabant“ hatte dann die Aufgabe, das kostbare Besteck nachts zu beleuchten.-Es ins Dunkle zu legen, wäre doch respektlos gewesen!

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

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Höfische Hobbies, hochpolitische Hochzeiten

Das Leben Maria Theresias und ihrer Kinder war stark an die Bedürfnisse von Staat und Dynastie geknüpft. Dazu gehörte es natürlich auch, die politisch passende „Partie“ fürs Leben zu schließen. Von Maria Theresias 10 Kindern, die das Erwachsenenalter erreichten, blieben nur 3 unverheiratet; die restlichen 7 wurden geschickt vermählt. Nur eine bevorzugte Tochter, Maria Christina alias „Mimi“, durfte aus Liebe heiraten, die anderen Kinder mussten sich wohl oder übel dem durchdachten Willen der Mutter beugen. Hauptziel der Hochzeiten war, die Stellung des Hauses Habsburg durch Verbindung zum französischen Haus Bourbon abzusichern.

Trotz aller Heiratszwänge und damit verbundenen Nöten war bei Hof aber auch genügend Platz für  Vergnügungen und Hobbies. Maria Theresia und Franz Stephan etwa begeisterten sich für Maskenbälle und andere „Spektakles“. Auch die Kunst kam nicht zu kurz: Der Kaiser und seine Töchter liebten die Malerei und schufen beeindruckende Bilder. Sogar ein Schoßhündchen gab es bei Hof – der braun-weiße Papillon (eine heute seltene Zwergspaniel-Rasse) ist noch heute als gruslig-süße ausgestopfte Reliquie im Hofmobiliendepot zu bestaunen.

Ausstellung Hofmobiliendepot (c) Edgar Knaack für SKB

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Noch lange nicht alles …

Wer noch mehr über Maria Theresia, ihr Leben und ihre Epoche erfahren möchte, sollte sich die Ausstellung im Hofmobiliendepot nicht entgehen lassen. Doch es gibt noch mehr zu sehen: Insgesamt umfasst die Jubiläumsausstellung 300 Jahre Maria Theresia nämlich 4 spannende Standorte in Wien und Niederösterreich. Also – holt euch ein Kombiticket, und geht auf Zeitreise!

 

300 Jahre Maria Theresia im Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien

Wann 15. März – 29. November 2017,täglich 10:00 – 18:00 Uhr
Wo Andreasgasse 7, 1070 Wien
Wieviel 9,50 Euro Erwachsene / 8,50 Euro Studierende und Senioren / 6,- Euro Kinder unter 18
Tipp Das Maria Theresia Kombiticket ermöglicht den einmaligen Eintritt für alle 4 Standorte der Jubiläumsausstellung 300 Jahre Maria Theresia und kostet 29,- Euro für Erwachsene und 16,- Euro für Kinder!

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Hofmobiliendepot - Möbel Museum Wien

Andreasgasse 7
1070 Wien
01 524 33 57
www.hofmobiliendepot.at

 

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