Kultur – Musik

Trackshittaz

Woki mit deim Popo!

25. Februar 2012 • Musik1 Kommentar zu Woki mit deim Popo!

Songcontest-Vorauswahl

Wir haben sie uns angeschaut, haben gelitten, geschimpft. Und dann sogar gejubelt.

Das Leben ist ein Hit, auch wenn alles von vorne bis hinten nach billiger 80er Jahre Ästhetik müffelt, billig und aufgesetzt wirkt. Die Schlager-Gemütshaltungsprominenz feiert musikalisches Erntedank-Fest mit Halbplayback und Telefonvoting, Österreich sucht jemanden, der nach Aserbaidschan fährt und uns den Gesangswettbewerb gewinnt. Gewonnen haben wir in Wirklichkeit nur einmal, mit dem heiligen Udo (77 Jahre, bei Zugaben im Bademantel), seitdem war jeder die Vorauswahl gewinnende Beitrag unseres Landes nicht nur erfolglos, sondern auch hochgradigst miserabel. Alf Poier my ass, amigo. Die sinistresten Gestalten lässt man zu Wort kommen in diesem TV-Spektakel, dessen Auflösung sich hinzieht wie Kaugummi, der einem auf der Sohle klebt. Schlimmer als die Gesprächsgäste sind nur die Moderatoren: der UPC-Werbemann und Moderator Robert Kratky, Andi Knoll (und Mirjam Weichselbraun, die bei ORF-Moderationen immer auf rustikal macht. Heiliger Thomas Forstner, bete für uns!

 

Die Sendung

Zehn Kandidaten treten gegeneinander an, und ob die SMS und Anrufe, die wir gegen Ende in den Äther schicken, auch wirklich gezählt werden: darüber sind wir uns uneinig. Trotzdem treffen wir uns im Raucherbereich des WUK Beisls, um uns das ganze anzuschauen – schließlich treten sehr enge Freunde von mir an, die es am Ende des Tages leider nicht geschafft haben. Bis auf diese Band und ein, zwei weiteren Acts kann ich nicht behaupten, dass ich irgendetwas auch nur halbwegs gut finden würde, aber mal ehrlich: einerseits habe ich, ganz der österreichische Kleinbürger, der ich bin, großen Gefallen am Schimpfen; Zweitens sind halbseiderne Expertisen und Taktierereien ein schöner Zeitvertreib (lebe ich auch bei Fußball-WMs und Ems gerne aus), und betrunken sind wir auch recht schnell an diesem Abend. Wollt ihr den totalen Songcontest? An diesem Abend: klar, gerne – schalt mal lauter und wenn’s geht noch ein großes Starobrno.

 

Tortur de France.

So ganz klappt es leider nicht mit dem Bildempfang, und je voller der Raucherbereich wird, desto weniger hört man vom ganzen Spektakel. Irgendwann beginnt jemand, am Flügel zu spielen (schön, dass das WUK-Beisl einen Flügel im Raucher-Bereich stehen hat), und eigentlich geht es uns eh nur um das Endresultat. Die Songs kennen wir bereits, auf der Vorab-Pressekonferenz im Volksgarten Pavillion haben wir sie uns schon angesehen. Und mal ehrlich: bis auf die Trackshittaz und die eben genannten Bands war der Rest wirklich völlig vernachlässigbar, bei James Cottrial anfangend und bei der bärtigen Dame aufhörend, Letztere trat (Persona hin oder her) mit einer sehr, sehr schwachbrüstigen Schmonzette an.  Oder Valerie, gute Künstlerin, dennoch: Tortur de France. Wie jede ORF-Sendung war auch diese eine einzige Tortur, während den Liedern müssen wir uns Expertisen von Christian Kolonovits und Claudia Stöckl antun, sogar Eric Papilaya lässt man zu Wort kommen – und um das ganze Lamm auch anständig auszuschlachten dauert der Zirkus natürlich ewig.

 

Woki mit deim Popo!

Und irgendwann ist es klar, wer die zwei Finalisten sind, die bärtige Conchita Wurst fächelt sich Luft zu, als würde sie „oh my god“ sagen und einen Oscar entgegen nehmen, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es die Trackshittaz nicht werden. Als ich merke, dass ich mich getäuscht habe, springe ich auf und juble. Woki mit meinem Popo. Wenn Songcontest, dann so. Abgesehen davon, dass ich mir das nicht anhöre: die Gewinner haben schon durchaus Profil. Und jetzt: oida, taunz.

(MBrandst)

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  1. Woki sagt:

    mit
    deim Popo

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