Wien – Wienerisch

Paniert und im Öl - Maria Antonia Graff
Paniert und im Öl - Maria Antonia Graff

Wohl bekomm’s!

22. März 2016 • Wienerisch

Wien, wie es säuft

„A Krügerl, a Glaserl, a Stamperl, a Tröpferl
Da wern unsre Äugerln gleich feucht
Da warmt si des Herzerl,
Da draht si mei Köpferl,
Die Fußerln wern luftig und leicht
Dann muaß i der Musi an Hunderter reibm,
I bin in mein Himmel, und dann geh i speibm”
(Bronner & Qualtinger, „Krügerl vorm Gsicht”)

 

Der Wiener Tschecherant

Ob ein Krügerl Bier, ein Glaserl Wein oder ein Stamperl Schnaps, dem Alkohol ist man in Wien traditionell sowieso nicht abgeneigt. Anders gesagt, der original Wiener Tschecherant („Vieltrinker”) trangelt, bechert, pipperlt, biaschtlt, schledert und schnapslt gerne so lange, bis er fett, waach oder ongsoffen is wia’ra Heisltschick („vollgesogen wie eine ins Klosett geworfene Zigarette”, Heisl = „Klo”, Tschick = „Zigarette”).

Die Synonyme für den Fetzn („Rausch”) sind zahlreich und unterscheiden sich je nach Promillepegel.

1. Wer nur ein kleines bisserl über den Durst getrunken hat, hat meist nur an (Damen-)Spitz, a Schwipserl oder bestenfalls an Schwül.

2. Etwas mehr, und man ist bereits auf da Wöön („auf der Welle”), beziehungsweise merklich onbechert, ongflaschelt oder ongsoffn. Auch das Wort ondudlt („angedudelt”) umschreibt vortrefflich den illuminierten Zustand. Dudeln beschrieb ursprünglich die Klänge traditioneller Wirtshausmusik, bald wurde auch der übermäßige Alkoholgenuss so beschrieben. Vorsicht! Wer bereits stark ondudlt ist, läuft Gefahr, sich bei unkontrolliertem Weitersaufen auch onzuludln (= „anzuurinieren”).

3. Geht kaum mehr was, ist der Kandidat komplett ogfüüt („abgefüllt”), blunznfett („so fett wie eine Blutwurst”), bum zua („zugesoffen”), bladlwaach („so weich wie ein Blatt”) waachgsoffn oder paniert (wie ein Schnitzerl). Er ist dermaßen im Öö („im Öl”), dass er nur noch wenig mitbekommt und quasi fett is wia’ra Radierer (siehe Georg Danzers gleichnamiges Lied).

 

Fett wia’ra Radierer …

Warum heißt „betrunken” fett, und was macht der Radierer in der Redewendung? Der Ausdruck hat nicht gerade etwas mit Leibesfülle zu tun, sondern viel eher mit dem „taumelnd” anmutenden Drall von Billardkugeln, frz. effet genannt, an den ein torkelnder Trunkenbold erinnert. Mit der Wiener Aussprache wurde bald fett daraus, und man begann den französischen Ursprung des Wortes zu vergessen. Hier kommt der Radierer ins Spiel: Die kleinen Bleistiftstrichvernichter waren früher einmal extrem fetthaltig und weich (waach), was ihnen den Vergleich mit einem Betrunkenen einbrachte. Heute macht man Radierer übrigens nicht mehr aus Fett, sondern aus wesentlich geruchsneutralerem Kautschuk.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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