Lifestyle – Skurriles

Paradeiser (c) Mautner stadtbekannt.at
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Wir wollen die Wiener Tomatina!

26. August 2012 • Skurriles

Von 27. September bis 7. Oktober findet ein Oktoberfest in Wien statt. Wer braucht das? Es gäbe viel großartigere internationale Feste, die wir in unserer Stadt feiern könnten.

Soooo lange haben wir drauf gewartet und jetzt ist es endlich so weit. Heißa Hopsassa, lasst uns uns in seltsame Gewänder werfen, uns maßlos (in Wien gibt’s nur Krügerl hehe) betrinken und Glanzstücke der volkstümlichen Musikkunst mitgrölen: Wien hat eine Wiesn!!!
Zeit ist es ja geworden. Nachdem es mit dem Berghain Ableger im Keller des Kiosk nun leider doch nichts geworden ist, haben sich die Szenegrößen der Stadt nun anderswo bedient, um uns ein Stück gar nicht so fernliegender Volkskultur näherzubringen.

Noch ganz trunken von dieser großartigen Idee, hat stadtbekannt schon ein paar Vorschläge für andere Festivitäten, mit welchen man das kulturelle Angebot unserer Lieblingsstadt unbedingt bereichern muss.

Tomatina:

Eigentlich ist das ganze Jahr über nicht wirklich viel los in der kleinen spanischen Gemeinde Buñol – außer am letzten Mittwoch im August. Da findet nämlich die Tomatina statt, die größte Tomatenschlacht der Welt. Regionale Züchter liefern LKW-Ladungen voller überreifer Tomaten an und kippen sie in den Straßen aus. Mit dieser Munition findet dann eine riesige Tomatenschlacht statt. Da sich in oder um Wien leider keine großflächigen Tomatenplantagen erstrecken, wären die Wurfgeschoße hier natürlich entsprechend anzupassen. Eine Möglichkeit wären entkernte Wachauer Marillen, eine andere, aus Gründen der maßlosen Vorhandenheit, wären zusammegeknüllte "Heute" oder "Österreich" die man für den Lokalkolorit und den glitschigeren Effekt in Spritzer einlegt.

Stierhatz:

Die Hatz von wilden Stieren durch enge Gassen ist für viele Menschen augenscheinlich eine große Hetz. Die berühmteste Ausgabe dieses Ritual findet alljährlich zu Sanfermines (mehrtägiges Fest zu Ehren des Heiligen Firmin Mitte Juli) im spanischen Pamplona statt. Am Schluss werden die Tiere in die örtliche Arena getrieben, wo sie dann dem recht ungleichen Stiefkampf zum Opfer fallen. Für mehr lokale Authentizität wären auch hier Veränderungen im Wien-Kontext angebracht. Einen Tag dürften alle Hunde frei und ohne Leinenzwang wild durch die Straßen rennen und böse Radler jagen. Hinter ihren Vierbeinern her könnten die stolzen Herrln und Frauerln laufen und lauthals ihr kollektives Mantra rufen: Der tut nix! Der will nur spielen!

Gemüse/Wasserschlacht:

Große Freundschaft herrschte zwischen den beiden Berliner Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg noch nie. Seit sie zu einem Verwaltungsbereich zusammengelegt wurden, verleihen die Einwohner ihren Animositäten naß und glitschig Ausdruck. Jährlich im Sommer tritt man zur großen Wasser- und Gemüseschlacht an. Ziel ist es, die gegnerischen Kampfverbände zurückzudrängen und den "Feindbezirk" so zu erobern.
Nachdem in Wien bereits Wasserschlachten rein spaßeshalber stattfanden, gilt es nun auch hier den kompetitiven Charakter dieser notwendigen Auseinandersetzung um Freiheit und Gebiet zu entdecken. Anzutreten ist jeweils bezirksweise zur Mehrung von Ruhm und Ehre des Heimatbezirks. Der Einfachheit halber und zur Zuspitzung einiger grundlegender Auffassungsunterschiede, könnten in Wien jedoch auch einfach alle Bezirke gegen Neubau, Mariahilf, die Josefstadt und Teile der Leopoldstadt antreten.

Festa della Sensa:

Dem Meer verdankte das Venedig des Mittelalters und der Neuzeit Macht und Reichtum. Grund genug für die Venezianer seit dem zwölften Jahrhundert jährlich ihre enge Verbindung mit den Ozeanen durch eine Vermählung mit dem Meer durch Versenken eines Eherings im Wasser zu besiegeln. Während dies damals der regierende Doge machte, darf heute natürlich der Bürgermeister ran.
Meer gibt’s ja durch das penetrante Bestehen Niederösterreichs auf seine Existenz in Wien leider ja noch keines, für eine Vermählung mit dem Wasser kommt also am ehesten die Donau in Frage. Um in der momentan recht angespannten Finanzlage nicht jedes Jahr einen Ring abschreiben zu müssen, wäre wahlweise wohl auch die Versenkung in einem Spritzer zur Huldigung an das Wiener Lebenselexir in Ordnung.

Groundhog Day:

Spätestens seit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" ist der Murmeltiertag auch Menschen außerhalb der USA und Kanadas ein Begriff. Jährlich am 2. Februar werden in vielen nordamerikanischen Gemeinden die Murmeltiere aus ihren Bauten gelockt, um zu beobachten "ob sie ihren Schatten sehen" (wenn helles klares Wetter herrscht). In diesem Falle soll der Winter noch sechs weitere Wochen dauern.
Gegenteilig könnte man dieses tolle Fest in Wien gestalten. Jährlich am 3. August werden die Journalisten, die für Schlagzeilen wie "Wir sind Afrika" oder "Wir sind Sahara" verantwortlich sind aus ihren klimatisierten Redaktionsstuben gelockt. Wenn immer noch keiner eine sinnvolle Artikelidee hat, dann dauert der Sommer noch drei Monate.

Grækarismessa:

Jährlich am 12. März haben alle färöischen Amtsgebäude die Flagge zu hissen, um den Tjaldur (Austernfischer = ein Vogel) bei seiner Rückkehr aus dem Südurlaub zu begrüßen. Dazu wird noch ordentlich gefeiert. Alles in allem also nichts besonders aufregendes. Aber seid ehrlich, wär’s nicht großartig ein Fest zu feiern das Grækarismessa heißt?
Zur Not kann man ja für etwas tierische Legitimität des kollektiven Frohsinns Kuh Yvonne bei ihrer Heimkehr bejubeln.

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