Wien – Grätzltipps – 1. Innere Stadt

Wiener Stephansdom Turm (c) stadtbekannt.at
Wiener Stephansdom Turm (c) stadtbekannt.at

Wiens Katakomben

19. April 2015 • 1. Innere Stadt, Kirchen

Die Katakomben der Domkirche St. Stephan zu Wien

Die Katakomben unter dem Stephansdom sind einen Ausflug wert. Stadtbekannt berichtet über Nekropolis, die Stadt der Toten.

Der Ein- beziehungsweise Abgang zu den Katakomben ist paradoxerweise nicht zu übersehen und gleichzeitig so unauffällig, dass man, wenn man nicht weiß wo er sich befindet, glatt an ihm vorbeiläuft. Oder besser gesagt: über ihn hinweg schreitet. Denn der Eingang zu dem dunklen, unterirdischen Friedhof befindet sich mitten in St. Stephan in der Wiener Innenstadt. Wer das also nicht weiß, steht im gotischen Hauptschiff und bewundert Altar und Architektur, während unter den hellen Steinfliesen das riesige, dunkle Reich der Toten ausgebreitet liegt. Irgendwie unheimlich.

 

Nekropolis – Stadt der Toten

Biegt man jedoch nach Durchschreiten des Hauptportals in das linke Seitenschiff der Kirche, dann führt eine unscheinbare Tür aus dunklem, massivem Holz direkt ins Reich der Toten, Wiens unterirdischer Hauptstadt Nekropolis. Am Ende der Treppe befindet man sich dann im ältesten Teil der Katakomben, der jedoch seltsamerweise einen höchst modernen Eindruck macht: heller Fliesenboden, weiße Wände, Neonlampen leuchten den Ort fast unangenehm aus, zum Glück grenzt eine unterirdische Kapelle in ihrem ursprünglichen Zustand direkt an diese irreale Eingangshalle.

Stephansdom Katakomben (c) stadtbekannt.at

Stephansdom Katakomben (c) stadtbekannt.at

An die Kapelle direkt angrenzend befindet sich die Gruft. Hier ruhen zahlreiche namhafte Habsburger – oder zumindest Teile der alten Adelsherren- und Damen. Denn in der Gruft werden primär prunkvoll verzierte Metallgefäße aufbewahrt, die die Eingeweide der Habsburger beherbergen. In Wien war es üblich, dass Adelige nicht einfach bestattet wurden, sondern die Körper wurden ausgeweidet und die Innerein separat in eben genannten Metallgefäßen, die eine konservierende Alkohollösung enthielten, aufbewahrt. Die innereinlosen Körper wurden dann getrennt in der Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche bestattet.
Neben den Urnen finden sich auch noch hermetisch verschlossene Kupfersärge, die als letzte Ruhestätten für die sterblichen Überreste einflussreicher Weihbischöfe dienten, in denen die aufgewahrte Leiche nicht verwesen konnte.

Die nächste, angrenzende Gruft gehört den Domherren und Bischöfen. Diese wurden nicht wie die Habsburger ihrer Innereien beraubt, sondern etwas appetitlicher hinter Marmorplatten bestattet. Irgendwie skurril mutet die „Erbschaftspolitik“ in der Gruft an: Die angrenzende Nische des gerade eben Bestatteten wurde schon für den Nachfolger reserviert. Bis dahin befindet man sich wie gesagt im ältesten Teil der Gruft, errichtet um 1486, der aber, wie man auch von den darin Aufgebahrten ableiten kann, sehr repräsentativ und aufgeräumt ist.

 

30 Grabkammern, 10.000 Tote

Erst danach beginnt der eigentlich spannende Teil, der später hinzugefügte Anbau an die Kaisergruften. Hier betritt man jene Welt, die man sich gemeinhin unter „Katakomben“ vorstellt: Niedrige, düstere Gänge, abgestandene Luft, Gänge, die scheinbar endlos in die Tiefe führen. Nun reiht sich Raum an Raum, bis an die Decke gefüllt mit aufeinander gestapelten Gebeinen. Diese Räume sind aber leider für BesucherInnen nicht mehr direkt begehbar, sondern nur durch vergitterte Fenster zu begutachten. Die Größe der Katakomben regelten damals quasi die Gesetzte der Marktwirtschaft: Die Nachfrage bestimmte das Raumangebot. War also ein Raum voll mit Leichen, wurde er einfach zugemauert und eine neue Grabkammer errichtet. Auch die Räume, die man als Besucher betreten darf, waren einst bis obenhin gefüllt mit Skeletten und Gebeinen. Bis zum endgültigen Verbot der Bestattungen innerhalb der Stadtgrenze, im Jahr 1783, wurden in den Katakomben in 30 Grabkammern über 10.000 Menschen begraben.

Leider ist für BesucherInnen nur ein kleiner Teil des weitläufigen, unterirdischen Katakombensystems zugänglich, für einen schaurigen Ausflug reicht es aber allemal. Es ist wie so oft in der Nekropole Wien irgendwie bizarr, dass sich fast deckungsgleich unter dem prunkvollen Kirchenbau, der sich wie alle katholischen Kirchenbauten ganz der Transzendenz und Verherrlichung des Jenseits verschrieben hat, die finstere, vermoderte und sehr reale Welt der Toten befindet.

 

Die Katakomben sind nur mit Führung zu besichtigen!

Katakombenführungen
Montag – Samstag: 10:00 – 11:30 Uhr und 13.30 Uhr – 16.30 Uhr
Sonn- und Feiertag: 13:30 – 16:30 Uhr

Führungsgebühren
Erwachsene 5,50 Euro
Kinder 2,00 Euro

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »