Wien – Wienerisch

Wienerisch - Tschurifetzen (c) STADTBEKANNT

Wienerisch: Tschurifetzen

2. Juni 2016 • Wienerisch

Kleines Tücherl für die après-koitale Intimreinigung

„Sie wern jetzt fragn: Was is a Tschurifetzen?
Also, ohne ihr Gefühl zu verletzen
des is a Tüachl, bitte sehr
was man nimmt nach dem Geschlechtsverkehr
Man sollt es also nicht benutzen
zum Schuhe- oder Fensterputzen”
(Georg Danzer, „Die Ballade vom verlorenen Tschurifetzen”)

Kaum einem Gegenstand wurde diese Ehre zuteil. Dem kleinen Tücherl für die après-koitale Intimreinigung allerdings wurde von Georg Danzer mit der „Ballade vom verlorenen Tschurifetzen” ein musikalisches Denkmal gesetzt. Durch das Lied kennt man das Wort – doch woher kommt es eigentlich?

Tschuri als landläufige Bezeichnung für das männliche Ejakulat leitet sich ab von djuuri (hist. romanes), was unter den fahrenden Völkern Osteuropas nicht mehr und nicht weniger als „Suppe” bedeutete. Die Analogie von Sperma zu Suppe mag merkwürdig wirken – im Wienerischen gehört sie allerdings noch zu den nachvollziehbareren Vergleichen. Andere Worte für Sperma wären etwa Saf („Seife”) oder Achtl (für Wein gebräuchliche Maßeinheit von 125 ml).

Übrigens: Tschuri ist auch der abgekürzte Name des Kometen 67P. Der Himmelskörper, auf dem im Jahr 2014 die Raumsonde Philae landete; hat aber nichts mit Sperma zu tun. Er wurde – völlig unschuldig – nach seinen Entdeckern Klym Tschurjumow und Swetlana Gerassimenko benannt.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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