Wien – Wienerisch

Wienerisch - Kieberer (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Kieberer (c) STADTBEKANNT

Wienerisch: Kieberer

27. April 2016 • Wienerisch

Dein Freund und Helfer

„Der gschissene Kieberer hot ma an Strofzettl gebm.”
„Der verwünschenswerte Polizist hat mir einen Strafzettel gegeben.”

 

Der Kieberer (gespr. Kiwara) gehört zu Wien wie das Amen zum Gebet und die Faust aufs Auge. Wo immer es einen gröberen Wickl („Streit”, „Raufhandel”) gibt, ist die Kieberei zur Stelle. Obwohl ursprünglich eher als abwertende Bezeichnung im Gebrauch, hat sich der Kieberer zu einem Fixbestandteil sämtlicher Gespräche über die Polizei und ihre Amtshandlungen gemausert.

Das Wort ist so etabliert, dass das Bundeskriminalamt sogar die Auszeichnung „Ehrenkieberer” vergibt – bisher wurden zum Beispiel der „Trautmann”-Darsteller Wolfgang Böck und der „Tatort”-Kommissar August Schmölzer für ihre fiktiven ermittlerischen Verdienste geehrt.

Wüsste der gewöhnliche Kieberer allerdings, woher seine Berufsbezeichnung kommt, würde er womöglich deppat schauen. Ursprünglich leitet sich das Wort nämlich vom jiddischen Begriff Kuberer ab, einem Polizeibeamten, dem die Kontrolle von Freudenhäusern oblag (vgl. jidd. kowo = „Bordell, Schlafkammer”). Der Bedeutungswandel machte über die Jahre aus dem Sittenpolizisten einen echten Krimineser („Kriminalpolizisten”). Schließlich wurde aus dem Kieberer eine Sammelbezeichnung für alle Arten von Polizeibeamten, sogar Verkehrspolizisten sind inbegriffen.

Notiz am Rande: Als abwertendes Pendant zum Kieberer ist der Mistlbocher („Mistelbacher”) gebräuchlich – die niederösterreichische Ortschaft beherbergte früher ein großes Erholungsheim für Polizisten, sodass man in Wien bald der Täuschung erlag, sämtliche Polizeibeamte stammten aus Mistelbach.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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