Wien – Wienerisch

Wienerisch - Glei gibts Bresln (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Glei gibts Bresln (c) STADTBEKANNT

Wienerisch im Alltag – Streiten

14. November 2017 • Wienerisch

Ein Streitgespräch mit Verbaldrohungen derber Art

Wenn sich zwei Leute in einer Angelegenheit uneinig sind und die Stimmung langsam in Oasch geht, dauert’s meist nicht mehr lange, bis es Bresln gibt!

Rauhe Sitten herrschen nicht nur in Chicago, sondern mitunter auch in Wien – und zwar meist dann, wenn zwei cholerische Charaktere sich in die Haare geraten. Die Gründe sind vielfältig. Einmal geht es um ein Hundstrümmerl vor der Tür, dann wieder um einen vor der Nase weggeschnappten Parkplatz, dann wieder um eine laufende Waschmaschine um 21:00 Uhr.

In unserem Beispiel fetzen sich der Franzl und der Berti um die Summe von 20,- Euro, die der Franzl dem Berti einst geborgt und noch immer nicht zurückgekriegt hat. Ganz nüchtern sind die zwei Streithammeln dabei nicht, sonst hätten sie sich vielleicht ein bisserl mehr zusammengerissen und schöner gesprochen. Damit auch Nicht-Wiener verstehen, welche unfeinen Verbalinjurien und -drohungen sich die beiden gegenseitig an den Kopf werfen, haben wir eine Übersetzung angefügt.

 

Wienerisch

Franzl: „Heast Hawara, waßt eh, i kriag no an Zwanzger von dia.”
Berti: „Woos?”
Franzl: „Stöö di net so deppat. Du waßt es genau.”
Berti: „A so a Schas!”
Franzl: „I bin do net auf da Nudlsuppm daherg’schwommen, veroaschen kannst wen andern. Her mit da Marie, oda es scheppert!”
Berti: „Hamma vielleicht an Poscher oda wos?”
Franzl: „Na sicha net – owa du bist a Huanbeidl, a saudeppata. I hau da glei ane in de Pappm, dass da vierzehn Tog da Schädl woglt!”
Berti: „Traust di eh net, waachg’spüüts Lulu du!”
Franzl: „Wirst scho sehn, Wappler, wann’st mitn Oasch auf d’Uhr schaun muaßt!”

 

Übersetzung

Franz: „Hör mal Freundchen, du weißt hoffentlich, dass ich noch 20,- Euro von dir bekomme.”
Bertram: „Wie bitte?”
Franz: „Stell dich nicht so blöd. Du weißt es genau.”
Bertram: „Gequirlter Mist!”
Franz: „Ich bin doch kein Vollidiot, mich hältst du nicht zum Narren. Her mit dem Geld, oder es gibt Saures!”
Bertram: „Haben wir vielleicht einen Dachschaden erlitten, oder was?”
Franz: „Wohl kaum – aber du bist ein vertrottelter Sohn einer käuflichen Dame. Ich werde dir gleich eine Ohrfeige verpassen, nach der dir 14 Tage die Birne wackelt!”
Bertram: „Das wagst du doch nicht, du verhätscheltes Weichei!”
Franz: „Wirst du schon sehen, du Idiot, wenn ich dich dermaßen verprügelt habe, dass du mit dem Allerwertesten auf die Uhr schauen musst!”

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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