Wien – Wienerisch

Wienerisch - Fut (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Fut (c) STADTBEKANNT

Wienerisch: Fut

1. April 2016 • Wienerisch

Fut heißt eigentlich Arsch

„Der futgeile Hawara pudert ois, wos eam üban Weg rennt.”
„Dieser Typ ist nur auf Sex aus und nutzt jede Gelegenheit, die sich bietet.”

 

Derartige Ausdrücke aus dem Mund des Wieners vernommen, verheißen meist zweierlei. Erstens: Die Person weiß sich gepflegt vulgär zu artikulieren. Zweitens: Die Person ist grantig und wünscht ihr Gegenüber so richtig tiaf zu beleidigen.

Tief liegt auch die Bedeutung von Fut (f., Mz. Futna) – immerhin bezeichnet das Wort im derben Sprachgebrauch das weibliche Geschlechtsorgan. Doch das war nicht immer so. Im mittelalterlichen Deutschland betitelte vut (mhd.) eine andere tief gelegene Körperöffnung, die bei Männlein und Weiblein gleichermaßen zu finden ist, auf gut Wienerisch den Oasch. Auch die alten Isländer verwendeten das Wort. Bei ihnen hieß fuð schlicht „das Stinkende”. Übrigens: Bis heute hat sich auch die hinterteilige Bedeutung von Fut gehalten. Im Ruhrgebiet sagt man Fut oder Futt, im Schwäbischen Füdle (vgl. alemann. füdla), in der Schweiz Fudi oder Füdli. Auch in Vorarlberg hört man dann und wann Sätze wie: „Kansch mi am Füdla blosa!” (Wienerisch: „Leck mi am Oasch!”)

Aber nun zurück nach Wien. Das kleine Wörtlein Fut ist als Kraftausdruck vielseitig anwendbar, auch in Komposita wie futgeil („sexuell höchst bedürftig”), Brummfut („Nymphomanin”), Futschlecker („kleiner Schoßhund”), Futkarli („Frauenheld” – siehe Georg Danzers „Vorstadtcasanova”), Luxusfut („Edelprostituierte”), Futlapperl („Schamlippe”), Futfleckerl („Stringtanga”), Bärenfut („pelzige Winterhaube” bzw. unrasierte, üppig behaarte Vagina), Klemmfut („verklemmte Frau”) oder Futschas (bleibt der Fantasie des Lesers überlassen).

 

Von Fotzn und Watschn

In Deutschland ist das Wort Fotze als Bezeichnung einer weiblichen Körperregion sowie als tiafe Beleidigung in Gebrauch. Wer allerdings in Wien Fotze oder Fotzn sagt, muss damit nicht notwendigerweise Fut meinen. Eine Fotzn ist nämlich auch der Name einer gscheiten Watschn, also einer Ohrfeige. Wer am sprichtwörtlichen Watschnbam („Ohrfeigen-Baum”) rüttelt, geht verbal und verhaltensmäßig auf Provokations- bzw. Konfrontationskurs und riskiert, sich eine gröbere Fotzn einzufangen.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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