Wien – Wienerisch

Wienerisch - Extrawiaschtl (c) STADTBEKANNT

Wienerisch: Extrawiaschtln

29. März 2016 • Wienerisch

Wiener Kulinarik

„Na, du klans Wiaschtl, fia di gibt’s sicha kane Extrawiaschtln!”
„Nein, du kleines Würstchen, für deine Wenigkeit gibt es keine Sonderbehandlung!”

 

Die Wuascht („Wurst”) ist ein besonders beliebtes Sujet im Wienerischen. Sie gehört nicht nur beim Essen zum Standardrepertoire, sondern hat auch sprachlich zahlreiche Spuren hinterlassen.

Zumindest der Satz Is ma wuascht! ist sogar vielen Nicht- Wienern geläufig. Diese direkte Bekundung von Desinteresse und Gleichgültigkeit bedeutet konkret „Ist mir egal”. Achtung Verwechslungsgefahr: Wuascht ist nicht gleich fia de Wiascht. Wenn etwas fia de Wiascht („für die Würste”) ist, dann ist es nämlich vergeblich, umsonst, oder, anders ausgedrückt, fia’n Hugo. In de Wiascht („in die Würste” = verwurstet) gehört im Wiener Dialekt jemand, der sich durch komplette Nutzlosigkeit auszeichnet und zu nichts zu gebrauchen ist.

Will man jemandem mitteilen, dass er/sie sich gefälligst aus dem nahen Umkreis des Sprechers entfernen soll, kann man sagen: Vaschwind wia’s Wiaschtl ausm Kraut! Dies ist nicht nur origineller, sondern auch eleganter als das klassische Schleich di!

Kane Extrawiaschtln (keine „Extrawürste” = Ausnahmen) gewähren strenge Eltern ihrem Nachwuchs und strenge Bosse ihren Mitarbeitern – unter Extrawiaschtln verstehen sich hierbei durchaus angenehme Dinge, wie etwa ein Luxus-Schokoladefondue zum Frühstück, ein gern gewährter zusätzlicher Urlaubstag oder eine Massage nach der Sauna. Und das, obwohl die Extrawuascht sich im täglichen Leben nicht immer durch allerhöchste Wurstqualität auszeichnet …

Auch als Beleidigung eignet sich das Wiaschtl, als das jemand bezeichnet werden kann, der zwar viel auf sich hält, aber in Wirklichkeit nichts zu sagen hat. Das oame Wiaschtl („arme Würstchen”) kommt eher als Empathiebekundung für eine mitleiderregende Person zum Einsatz. Eine beleidigte Lebawuascht ist wiederum jemand, der besonders nachtragend ist und dies gerne zur Schau stellt. Zu guter Letzt gibt es noch den Wiaschtlwaama („Würstelwärmer”), der nicht nur ein Gerät zum Warmhalten von Würsten bezeichnet, sondern auch eine langweilige, wenig inspirierende Person.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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