Wien – Wienerisch

Wienerisch - da Reis (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - da Reis (c) STADTBEKANNT

Wienerisch: da Reis

29. April 2016 • Wienerisch

Was hat Angst mit Reis zu tun?

„Schau da den o! Dem geht da Reis.”
„Der hat Angst.”

Mit einem Bungeeseil um die Beine am Donauturm stehen. Mit zwei Brettln an den Füßen das gähnende 73%-Gefälle der Mausefalle hinunterblicken. Den Brüdern Klitschko im Boxring begegnen. Dem Ehepartner einen Seitensprung beichten. In solchen Situationen geht einem da Reis, ergo man hat gehörig Angst. Als Reisgänger gilt man deswegen aber noch lange nicht. Immerhin ist es nur nachvollziehbar und sogar überlebenswichtig, sich vor gewissen Dingen onzuscheißn.

Wer allerdings furchtbare Panik vor Staubkörnchen im Bad, Mäusen im Keller oder der Meinung eines Bürokollegen über das getragene Outfit an den Tag legt, kann getrost als Reisgänger oder Reisstrahrer („Reisstreuer”) bezeichnet werden.

Nur: Was hat Angst mit Reis zu tun? Die Antwort ist banal: Nichts. Das beliebte asiatische Getreide ist hier lediglich ein Platzhalter für eine etwas weniger beliebte Substanz, nämlich – Vorsicht obszönes Wort! – Scheiße. Wem also da Reis geht, der hat ordentlich die Hosen voll.

Eine kleine Wörtersammlung für Weicheier und andere Versager:

Becknrandschwimmer, m. – ängstliche Person, die übertrieben großen Wert auf Sicherheit legt
Bettbrunzer *, m. – Bettnässer, infantile Person, Versager
Lulu, n. – „Bist a Mann oder a Lulu?” Versager, Loser
Luschn, f. – Weichei, Lulu
Sitzbrunzer, m. – jemand, der es nicht wagt, im Stehen sein kleines Geschäft zu verrichten, wohl aus Angst vor Verunreinigung des Klosetts; Weichei
Woamduscher, m. – Weichei (obwohl beinahe jeder warm und nicht kalt zu duschen pflegt)
Weh, n. – jemand, der sich nichts (zu) traut, immer ausgenutzt wird und sich selbst bemitleidet
Waserl, n. – physisch und psychisch empfindliche Person, die Bezeichnung kommt nicht von der zerbrechlichen Vase, sondern von „Waise”, einem bemitleidenswerten Kind ohne Eltern

* Das Verb brunzen („urinieren”) stammt von dem mittelhochdeutschen Wort brunnezen („Brunnen”) ab und bedeutet „herausfließen”, „hervorquellen” bzw. „einen Brunnen schlagen”.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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