Wien – Gut zu wissen

Wiener Stephansdom (c) stadtbekannt.at
Wiener Stephansdom (c) Nohl stadtbekannt.at

Wiener Kirchen

29. Mai 2013 • Gut zu wissen, Kirchen

Welche Wiener Kirchen muss man wirklich sehen?

Das muss der geneigte Wienbesucher wirklich selbst entscheiden. Jedenfalls gibt es Kirchen in nahezu allen Baustilen, vom Mittelalter bis in die Moderne. Hier eine kleine Orientierungshilfe:

Die höchste Kirche in Wien ist der Stephansdom. Die (Süd-)Turmhöhe von 136,44 Metern macht ihn sogar zur achthöchsten Kirche der Welt. Zum Vergleich: Der viel größere Petersdom in Rom ist 133 Meter hoch. Begehbar ist der Südturm des Stephansdoms allerdings nur bis zur auf 72 Metern gelegenen Türmerstube.

Die größte Kirche in Wien ist ebenfalls der Stephansdom. Österreichweit ist er aber nur die Nummer zwei: Der Maria-Empfängnis-Dom in Linz fasst mehr Menschen, ist allerdings um knapp zwei Meter niedriger als der „Steffl“.

Als älteste Kirche Wiens gilt die Ruprechtskirche, was aber nur bedingt stimmt. Die Peterskirche wurde früher gebaut, allerdings später neu errichtet. Die Ruprechtskirche ist streng genommen also die älteste noch erhaltene Kirche. Der Legende nach wurde sie im Jahr 740 von Chuniald und Gislar gegründet, zwei Glaubensboten aus Salzburg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie in einem Schenkungsdokument von 1200. Im Laufe der Geschichte entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen der Kirche St. Ruprecht mit dem Salzhandel, worauf zwei Wiener Ausdrücke fußen: Das Wiener Salzamt war im direkt an den Turm der Ruprechtskirche angebauten „Praghaus“ untergebracht. Die Salzamtmänner waren für die Erhaltung und den Schutz der Ruprechtskirche verantwortlich. Die Salzer durften auf dem „Gries“ – heute wird dieses Gebiet Salzgries genannt – das von Schiffen gebrachte Salz verkaufen. Das Volk nannte sie „Griesler“, woraus später der Wienerische „Greißler“ entstand. Nachdem am 1. April 1824 der Salzfreihandel eingeführt wurde, hatte das Wiener Salzamt keine Funktion mehr. Und so bekundet der Wiener sein Desinteresse an den Problemen anderer noch heute mit: „Geh, beschwer dich doch bitte beim Salzamt!“

Als kleinste Kirche nennt die Erzdiözese die Kapelle im Finanzministerium, als größte Pfarre Wien-Aspern mit knapp 12.000 Katholiken.

Die höchstgelegene Kirche auf dem Wiener Stadtgebiet ist die St. Josefskirche auf dem Kahlenberg, ein paar Meter unter dem 484 Meter hohen Gipfel liegend, 300 Meter über Wien. Sie erinnert an das Ende der Zweiten Türkenbelagerung 1683, als die Stadt durch die „Schlacht vom Kahlenberg“ befreit wurde. Der polnische Feldherr Jan Sobieski führte damals das Entsatzheer an, weshalb die St. Josefskirche noch heute von polnischen Priestern betreut und von polnischen Wallfahrern gerne besucht wird. Papst Johannes Paul II. schaute am 13. September 1983 zum 300-jährigen Jubiläum der Entsatzschlacht vorbei. Da der Kahlenberg einen tollen Blick über die Stadt gewährt, empfiehlt es sich, eine Busfahrt zur Kirche und ein Spaziergang hinunter ins Kahlenbergerdorf oder nach Nussdorf zu unternehmen. Die höchstgelegene Kirche der Erzdiözese Wien (die über das Stadtgebiet hinausgeht) ist die Elisabethkapelle auf dem Schneeberg, einem der Wiener Hausberge.
Die höchstgelegene Kirche der Erzdiözese Wien (die über das Stadtgebiet hinausgeht) ist die Elisabethkapelle auf dem Schneeberg, einem der Wiener Hausberge.

Zur Ikone der modernen Kirchen in Wien wurde die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit im Stadtteil Mauer, vom Wiener meist „Wotrubakirche“ genannt. Der österreichische Bildhauer Fritz Wotruba entwarf sie, um zu zeigen, „dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht“. Die öffentliche Meinung war und ist geteilt, die Kirche aus Betonblöcken, gebaut zwischen 1974 und 1976, ist für manche „schiarch“, für andere interessant, für die meisten aber landestypisch „ja eh“.

Die bekanntesten unbekannten Kirchen Wiens sind mit Sicherheit jene, die alle Wiener nur vom Vorbeifahren kennen: Einerseits die Kirche zum heiligen Franz von Assisi, die auch Kaiserjubiläumskirche genannt wird. Sie wurde 1898 anlässlich des fünfzigsten Thronjubiläums von Franz Joseph gebaut. Das mächtige Bauwerk neben der Reichsbrücke wird wegen seiner Lage am Mexikoplatz gerne „Mexikokirche“ genannt, auch der Name „Dom am Strom“ setzt sich langsam durch. Andererseits fahren viele auf dem Äußeren Gürtel an der 1875 eröffneten Kirche Maria vom Siege (gleich nach dem Westbahnhof) vorbei. Diese Kirche ist auch als Jesus-liebt-dich-Kirche bekannt, da diese himmlische Botschaft viele Jahre lang an der Fassade prangte. Heute dem Konsum-Diktat unterworfen, wirbt sie lieber für Musicals – anfangs noch passend für „Sister Act“, heute für „Natürlich blond“. Sie ist mit 68 Metern um drei Meter höher als das Riesenrad.


„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag.    

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