Essen & Trinken – Essen

Wiener Kaffeehaus Zeitschriften (c) Mautner stadtbekannt.at
Wiener Kaffeehaus Zeitschriften (c) Mautner stadtbekannt.at

Wiener Kaffeehäuser in Mariahilf

19. Oktober 2015 • Essen, Ganz Wien aufgelistet, Kulinarik

Zwischen Klassiker und Geheimtipp – Ein Streifzug durch die Wiener Kaffeehäuser in Mariahilf!

Die kalte Jahreszeit lädt dazu ein sich in Wiens Kaffeehäusern zu tummeln und die Atmosphäre aus längst vergangenen Zeiten in sich aufzusaugen.

Etwas verschroben und abgeschmuddelt sind sie ja meist schon, die richtigen Wiener Kaffeehäuser. Aber sie haben etwas was die hippen Lokale der Stadt und Starbucks & Co nicht haben. In den traditionellen Kaffehäusern ist die Wiener Seele daheim. Hier ticken die Uhren anders. Man trinkt hier seine Melange und liest Zeitung oder Adorno und Horkheimer. Es gibt immer etwas zum beobachten und es ist der ideale Ort um sich zum diskutieren und plaudern zu treffen.

Die Frage nach dem besten Kaffee in der Stadt möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufwerfen, weil sich hier sowieso die Geister scheiden. Und natürlich darf man im Kaffeehaus nicht einfach einen Kaffee bestellen, das wissen wir schon von Waldbrunn und Farkas. Tut man das nämlich, bekommt man vom Kellner zur Antwort: Was wolln’s denn? Eine Melange, einen Einspänner, einen kleinen Braunen, einen Espresso oder einen Verlängerten?

Wir nehmen euch mit auf unsere Kaffeehaustour!

 

Cafe Sperl

Cafe Sperl Lokal (c) stadtbekannt.at

Cafe Sperl Lokal (c) stadtbekannt.at

Eines jener wenigen Cafés, die sich jeder touristischen Anpassung widersetzen, ist das Café Sperl. Das Sperl erfreut sich seit seiner Gründung 1880 enormer Beliebtheit. Zwischen klassischem Wiener Kaffeehausdekor, mit viel Gold, Stuck und Samt, sitzen kleine Gruppen um die fragilen Marmortische und diskutieren über die verhunzte Aufführung von einem Brittenstück am Theater an der Wien. Zwei Tische weiter wird über den Begriff der Performativität gestritten und wieder daneben sitzen alte Herren und spielen Karten. Das Sperl ist der Schmelztopf von Gumpendorf, hier trifft die Wiener Schickeria auf alteingesessene Herrschaften. Im Sperl kann aber natürlich nicht nur diskutieren, man kann auch Kaffee trinken und essen.

Café Sperl
Gumpendorfer Straße 11
1060 Wien

 

Cafe Drechsler

Cafe Drechsler Theke (c) stadtbekannt.at

Cafe Drechsler Theke (c) stadtbekannt.at

Das Cafe Drechsler welches seit 1919 eine Wiener Institution am Naschmarkt ist, erstrahlt nun schon seit einigen Jahren in neuem Glanz. Das Konzept des „neuen“ Drechslers ist, ein Kaffeehaus des 21. Jahrhunderts, eine Mischung aus traditionell und modern, zu sein. Diese Idee ist bei der Umgestaltung auf jeden Fall aufgegangen. Bei mir hat es allerdings ein paar Jahre gebraucht, bis ich mich mit dem neuen Drechsler angefreundet habe. Ich gehöre zu jener raunzerten Gattung von WienerInnen die dem Altbekannten lange hinterher hängen, über die gute alte Zeit lavieren und sudern, zumindest bei Wiener Kaffeehäusern.

Cafe Drechsler
Girardigasse 1
1060 Wien

 

Café Jelinek

Cafe Jelinek Theke (c) STADTBEKANNT

Cafe Jelinek Theke (c) STADTBEKANNT

Ringstraßen-Flair sucht man hier vergeblich – das Jelinek im sechsten Wiener Gemeindebezirk, in einer Seitengasse der hektischen Mariahilferstraße, ist keine noble und imperiale Touristen-Absteige, sondern ein authentisches Stück Wien: etwas angestaubt, verschroben und leicht morbid.

Klingt nicht einladend? Ist es aber: denn nicht cool-stylish und steril oder museal-touristisch geht es hier zu, sondern charmant und gemütlich. Die vom jahrelangen Zigarettenrauch vergilbten Wände, der alte schmiedeeiserne Holzofen neben der Bar und die dekorative und passende Inneneinrichtung bilden ein einzigartiges Gesamtensemble und machen die Atmosphäre perfekt – das Jelinek ist eines der wenigen Wiener Kaffeehäuser die nicht zu Tode renoviert wurden. Alles, wie es immer war, denn Veränderung liebt der Wiener nicht.

Cafe Jelinek
Otto-Bauer-Gasse 5
1060 Wien

 

Cafe Savoy

Cafe Savoy Bar (c) stadtbekannt.at

Cafe Savoy Bar (c) stadtbekannt.at

Barockes Flair an der Wienzeile: das zur letzten Jahrhundertwende von einem Schüler Siccardsburgs gestaltete Café Savoy, das früher leichten Mädchen und zwielichtigen Gestalten Heimat bot, wirkt heute noch genauso verrucht wie damals. Viel Samt und Plüsch, dunkler Marmor, schwere Stoffe und goldene Ornamentik bestimmen die Szenerie, die großen Kronleuchter, die ägyptischen Statuen und die riesigen Spiegel an der Wand – angeblich die größten Europas – tun ihr Übriges, um das Bild perfekt zu machen. Das Savoy ist kein gewöhnliches Wiener Kaffeehaus, das ist beim Eintreten sofort klar.

Schon von draußen weht die Regenbogenfahne über dem Eingang, von der man sich allerdings als Hetero nicht abschrecken lassen sollte. Unter Tags ist das Publikum nämlich bunt durchgemischt wie jedes andere Wiener Café, hier sitzen Touristen wie Einheimische aller Alters- und Geschlechterkategorien, und jeder wird gleich freundlich vom flotten Servicepersonal bedient.

Cafe Savoy
Linke Wienzeile 38
1060 Wien

 

Café Ritter

Cafe Ritter (c) stadtbekannt.at

Cafe Ritter (c) stadtbekannt.at

Das Café Ritter gibt es seit 1867, das mittlerweile in Raucher- und Nichtraucherbereich unterteilt ist und in jeder Form den Ansprüchen der Kaffeehaustradition gerecht wird. Hier lässt es sich stundenlang sitzen, Kaffee trinken, Kuchen essen, Menschen beobachten und natürlich auch ausgesprochen gut sinnieren.

Ein typisches Wiener Kaffeehaus, gute Küche, unfreundliche Kellner – hier fühlen wir uns zu Hause.

Café Ritter
Mariahilfer Straße 73
1060 Wien

 

Cafe Kafka

Cafe Kafka Tische (c) STADTBEKANNT

Cafe Kafka (c) STADTBEKANNT

Eigentlich weicht es ein wenig ab vom Bild des traditionellen Kaffeehauses, da es nicht so weitläufig wie die meisten anderen seiner Art ist, aber sein Interieur lässt in Bezug auf Kaffeehaustradition nichts zu wünschen übrig. Das 1880 gegründete Café besticht vor allem durch seine Atmosphäre. Hier kann man stundenlang bei ihrer Melange sitzen und lesen. Es gibt sogar einige Gäste die das Kafka als zweites Wohnzimmer oder Arbeitsplatz nutzen und immer ihr Laptop dabei haben. Für das leibliche Wohl wird hier auch gesorgt, auf der Speisekarte steht schlichte vegetarisch-orientalische Küche. Besonders zu empfehlen ist der Schokokuchen.

Café Kafka
Capistrangasse 8
1060 Wien

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