Wien – Wienerisch

Zwiderwurzn - Maria Antonia Graff
Zwiderwurzn - Maria Antonia Graff

Wiener Charme andersrum

16. April 2016 • Wienerisch

Von Kepplweibern, Grantscherbm und Zwiderwurzn!

Welcher Wien-Bewohner kennt sie nicht? Die übellaunige Hausmeisterin, die sich über Hundstrümmerl („Hundekot”) im Hof und Schuhe am Gang in Rage schimpfen kann. Den grantigen Ober im Kaffeehaus, der einen erst keines Blickes würdigt und pikiert reagiert, wenn man etwas bestellen möchte. Die Trutschn („unerträgliche Frau”) vom Amt, die auch während der Öffnungszeiten auf ihrer Kaffeepause besteht und einem beim Hingewiesen-werden auf die Öffnungszeiten ein zorniges „Sie kennan a morgen wiederkumman, wenn’s eana net passt!” entgegenschleudert.

 

Grantler

Fakt ist, das Granteln („Zelebrieren schlechter Laune”) ist ein unverzichtbarer Teil Wiens und zugleich die Kehrseite des viel gerühmten Wiener Charmes. Besonders schlecht gelaunte, griesgrämige Männer bezeichnet man als Grantler oder Grantscherbm. Letzteres ließe sich sinngemäß mit „Sauertopf” übersetzen – der Scherbm leitet sich nämlich vom ahd. scirbi („Tontopf”) ab. Der Prototyp eines Grantlers ist männlich, älteren Baujahres, raunzert („weinerlich im Tonfall”), pessimistisch und ein bisserl wie der Mundl Sackbauer.

 

Weibliche Grantler

Aber natürlich gibt es auch weibliche Grantler – nur heißen die anders. Die Motschkertant (von motschkern = „jammern”, „nörgeln”) hat an allem etwas auszusetzen. Das Keppelweib (von keppeln hist. mhd. kibelen = „schimpfen”), die Keifn („keifendes Weib”), die Beisszang („Beisszange”) und die Bissgurn (von „bissig” und hist. Gurre = „alte Stute”) sind streitsüchtig und verbal angriffslustig. Aggressive Weibsbüda („Weibsbilder”) besonders resoluter Art nennt man Drachn oder Dragoner (hist. Bezeichnung für berittene Soldaten).

 

Unter da Fuchtl stehn

Auch die Bezeichnung oide Fuchtl für eine alte, zänkische Frau ist recht bekannt. Woher das Wort kommt, schon weniger: Ursprünglich bezeichnete die Fuchtel nämlich einen breiten Degen. Die Fuchtl ist folglich eine Person, die verbal ordentlich austeilen kann! Übrigens: Das Wiener Verb herumfuchteln („herumwedeln”, „wild gestikulieren”) erklärt sich ebenfalls hieraus. Wenn ein Ehegatte unter da Fuchtl oder alternativ unterm Schlapfen („unter dem Pantoffel”) steht, hat er zu Hause bei seiner Frau nichts zu sagen.

 

Olle Menschn san ma zwider

Geschlechtsneutral für übellaunige Zeitgenossen sind die Wörter Zwiderwurz (m.) bzw. Zwiderwurzn (f.) (von „zuwider sein”; „mürrische Person”). Wie viele in Wien gebräuchliche Schimpfwörter ist die Zwiderwurzn auch im bayrischen Sprachraum bekannt. Jemand, der zwider ist, ist schlecht gelaunt, ungut oder schlichtweg widerwärtig im Verhalten. Wenn jemandem etwas zwider ist, dann ist es ihm lästig oder unangenehm (siehe: Kurt Sowinetz, „Olle Menschn san ma zwider”).

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »