Wien – Gut zu wissen

Beisl (c) Hofer stadtbekannt.at
Beisl (c) Hofer stadtbekannt.at

Wiener Beisl

8. August 2013 • Gut zu wissen

Was zeichnet ein Wiener Beisl aus?

Wahrscheinlich müsste man, um dieser Frage gerecht zu werden, nach Simmering oder Meidling oder in einen anderen bodenständigen Außenbezirk fahren und dort ins nächstbeste Wirtshaus krachen. Aber der Wiener würde sagen: Da kann man sich fest schneiden. Also einfahren. Also danebenliegen.

Das Wort Beisl kommt aus dem Rotwelsch – einer Gaunersprache – abgeleitet vom jiddischen „bais“ oder „baiz“, was Haus oder Spelunke bedeutet. Für den über 50-jährigen Wiener besteht ein Beisl vor allem aus einem urigen Wirten und dessen Stammgästen, die manchmal zum Essen, häufiger zum Daherreden oder Kartenspielen, nahezu immer aber zum Trinken kommen – „auf ein Bier“ oder „auf ein Achterl“. In dieser Kalkulation nicht inkludiert sind das berühmte Steh- und das obligate Fluchtachterl – im Normalfall an der Schank. Und jene zwischen dem ersten (angesagten) und dem letzten (passierten). Denn es heißt: „Bei mir z’aus bin i nia z’aus, aber im Wirtshaus bin i wia z’aus.“

Von jüngeren Wienern und Wienbesuchern wird eher das „urige“ Wiener Gasthaus als Wiener Beisl empfunden. Die haben aber mittlerweile oft Büffelmozzarella und Antipasti auf der Karte, worunter das Authentische ein bisserl leidet. Eine vollkommen subjektive Auswahl an Beisln, aufsteigend von Fluchtachterl bis büffelmozzarellaesk: Zum braunen Bären im 9. Bezirk, Hansy im 2., Stopfer im 1., Vorstadtwirt in Kaisermühlen, Gasthaus Nestroy im 2. Bezirk, Reinthaler im 1., Stadlau und Birner im 22., Schwabl im 3., Bauer Gustl im 1. Bezirk (ist und war übrigens das Stammlokal einiger Wiener Bürgermeister), Gasthaus Pfudl im 1., Glacis Beisl im 7. Bezirk.
In diesem Zusammenhang muss betrauert werden, dass „Die zwei Liesln“ zugesperrt haben.

 

„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag.

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »