Wien

Schnackseln wie ein echter Wiener - Wiener Auster (c) STADTBEKANNT Patricia Fontanesi
Schnackseln wie ein echter Wiener - Wiener Auster (c) STADTBEKANNT Patricia Fontanesi

Wien ist anders im Bett

8. Dezember 2017 • Wien, Wienerisch

Besonderheiten des Wiener Lust- und Liebeslebens

Anders als viele Städte des deutschsprachigen Raumes strahlt die Metropole an der Donau schon seit jeher eine gewisse Erotik aus.

Barocke Pracht und Opulenz, lustvoll verspielte Jugendstilgebäude und idyllische Parks mit verborgenen Plätzchen vereinen sich hier zu einem sinnlichen Ganzen. Doch nicht nur die Architektur Wiens, auch das Wesen seiner Bewohner ist eine Besonderheit. Ihr berühmter, feiner Schmäh hilft den Wienern beim Anbandeln wohl ebenso wie das Erbe einer Stadt, die dem Vergnügen niemals abgeneigt war. Ob beim Essen, in der Freizeit oder in der Liebe – der Wiener genießt mit ganzem Herzen und fühlt sich kaum schuldig dabei, frei nach dem Motto: Wenn’s gut tut, warum soll’s dann schlecht sein?

Selbst in repressiven Zeiten war dieser unverklemmt genussfreudigen Art der Wiener kaum beizukommen. Die katholische Kaiserin Maria Theresia oder der Spitzelmeister Metternich hatten etwa alle Mühe damit, die Sitten der Stadtbewohner durch Kleidergebote und strenge Gesetze zu kontrollieren. Denn trotz aller Überwachung und Vernaderung wagten es die Untertanen frecherweise, Unanständiges wie die „Wiener Auster“ zu praktizieren!

 

A Weana Spezialität

Eine Sexstellung, benannt nach der damals häufig als „Wiener Auster“ verkauften Weinbergschnecke, eroberte Mitte des 19. Jahrhunderts Wien. Warum? Vielleicht, weil sie durch das Aquarellbild des Malers Peter Johann Nepomuk Geiger für jedermann und -frau leicht nachzumachen war und so rasch in Mode kam. In Bordellen wurde immer häufiger danach gefragt. Sogar auf den Sofas bürgerlicher Haushalte turnte man alsbald auf diese Weise – hinter zugezogenen Vorhängen, versteht sich. Die Vorteile der „Wiener Auster“: Sowohl der Mann als auch die Frau erfahren einen außerordentlich intensiven Orgasmus. Dafür erfordert die Stellung eine gewisse Fitness und Gelenkigkeit von beiden Beteiligten.

 

Oida, na do wird owa gschnackselt!

Langer Rede kurzer Sinn, Wien wusste sich schon immer amourös zu amüsieren, und auch heute schnackselt es sich hier noch gut. Schnackseln, dieses urwienerischste aller Verben, kommt übrigens von „schnackeln“, was soviel bedeutet wie „wackeln“ oder „heftig beben“. Ob da wohl einst die knarrenden Bettpfosten eines besonders geschäftigen Paares als Inspiration dienten? Mit Sicherheit wird man es wohl nie erfahren, doch das liebevolle Synonym für den Geschlechtsverkehr ist geblieben.

Wie abwechslungsreich Wien schnackselt, beweist das Vokabular. Abseits von hochdeutschen 08/15-Wörtern wie dem emotionslosen ficken, dem animalischen vögeln, dem gschamig-verstohlenen miteinander schlafen oder dem sachlich-kühlen Sex haben bietet das Wienerische noch eine ganze Palette an bildhaften Wörtern dafür, was passiert, wenn zwei (oder mehr) lust- und hormongeladene Gestalten miteinander in de Kistn hupfm.

 

Prädikat: Unverzichtbar.

Wer nun Lust bekommen hat, wie ein echter Wiener zu flirten, zu lieben und auch zu schnackseln, sollte sich diese Lektüre zu Gemüte führen!

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