Kultur – Musik

Falcostiege (c) stadtbekannt.at
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Wien in Songs: Was singen eigentlich Wiener über Wien

26. Jänner 2014 • Musik

Heute bei „Wien in Songs“: „Ganz Wien“ und „Vienna Calling“ vom Falken

In den letzten drei Teilen von „Wien In Songs“ ging es immer um einen Blick von Außen auf Wien, um Wien als Momentaufnahme, um Wien als morbides, statisch-romantisches Setting. Um Cohens Wien mit dem Knöchernen und den trinkenden Jungen sowie einer Tanzaufforderung für einen zerfledderten Walzer, um das Kreuzungs-Wien des Piano Man als Platz zum Bleiben, um das Wien von The Fray als gutes, von schönen alten Gebäuden getragenes Setting zum Schluss machen. Blick von Außen auch deswegen, weil meines Wissens keine der thematisierten Songschreiber je in Wien gewohnt haben, Wien also sicherlich anders als in der Wahrnehmung des heilige Strizzi, des differenzierten Students, der Weinreblaus ausm Heurigen mit den großartigen Schrammeln oder, wie auch in meinem Fall, des Zuagrasten und gern Dagebliebenen … heute als erstes Exempel.

 

Falco: „Ganz Wien“ und „Vienna Calling“

Der Falke ist tot, ewig lebe der Falke – der Hansi Hölzel, mit dem posthum jeder entweder befreundet, auf eine Line oder zumindest auf einen weißen G’spritzen war – wenn es um Wien-Hymnen fernab von der klebrig-tränenlastigen Fendrich’schen „und wenn ihr wollts a ganz alla – I am from Austria“-Mentalität (ja, Reini, wollen wir, mach allein und moderier lieber Herzblatt, möchte man ihm zurufen), ist Falco erste Adresse. Fendrich, bald schon Gastsänger auf Marilyn Mansons neuem Machwerk „Ich male schlechte Aquarelle 666“, übrigens bekam vom Zenith-Falco einmal eine sehr zynische Postkarte in der circa zu lesen war „Lieber Reini, viel Erfolg bei deinem Gig in Gramatneusiedl, du wirst es schaffen. Liebe Grüße, Falco – derzeit in Tokyo“.

In einem wunderbar durchdesignten Lingo, einer Creole aus präpotentem Wienertum, das mit Würschtenstand-Viennese nichts zu tun hatte, einem Schuss Strizzi’ismus und Kosmopolitentum (Thomas Bernhard hätte es vielleicht auch als Großmannssucht bezeichnet) angereichert durch kehlige Anglizismen brachte der Falke Wien für sich selbst und für andere auf eine Art fernab von Heurigen- und Todessehnsucht auf die Landkarte.

 

Alle völlig drauf …

Zum Beispiel, siehe „Ganz Wien“ als dem Anachronismus trotzendes, charmantes Sodom der lower, middle und upper classes. „Ganz Wien ist heut auf Heroin“. Alle sind wir auf jeglicher Substanz, was der Markt so hergibt und wir tanzen, schließlich ist Ballsaison, vom weißen Charlie beflügelt, mit den nach Formalin duftenden Junkies mit den offenen Venen, mit dem Adel und dem G’sindl und denen, die gerne Bohemians wären. Und alle sind wir hin hin hin, lernen am Ende des Tages schwimmen, weil sich treiben lassen schon fad wird:

Einmal wird der Tag kommen,
die Donau außer Rand und Band,
im U4 geigen die Goldfisch‘,
der Bruno längst im sich’ren Land,
der Hannes A,
dann lernen wir Schwimmen, treib’n tan ma eh.

Übrigens eröffnete Nina Hagen vor einigen Jahren ein furchtbares Konzert auf dem Rathausplatz mit einer gar grauslichen Version dieses Songs.

 

Wien ruft, während Stella in Tokyo sitzt

Und weil uns nicht nur Joe Strummers London mit der „phony beatlemania“ und der brennenden Themse ruft sondern auch des Falkens Wien, geht’s bei „Vienna Calling“ dann gleich weltbürgerlich zur Sache. Weil auch wenn die Stella in Rio und in Tokyo sitzt und jeder Mann mit ihr schlafen will und der Hölzel sicher auch, wenn gerade dort auf Tour, seine Offerten wohlfeilte – und auch wenn die Mädchen in Tucson, Arizona und Toronto Kanada auch gut ausschauen:

Wien, nur wien, du kennst mich up, kennst mich down

In die USA hätte es ihn nie verschlagen zum Wohnen, den Falken. Hätte ihm der Wiener Schmäh gefehlt, den sie in New York (wo der Kaffee genau so ist wie die Musik: nämlich schwwwwarrrrz) nicht verstehen. Auch wenn er ganz gern mal im Maßgeschneiderten mit zurückgegelten Haaren und der ewiggültigen Aviator-Ray Ban mal gerne einen „Business as Usual“-Gruß vom Times Square, Mittelfinger inklusive, in die Heimat schickte. Ob er diesen Schmäh auf der Dominikanischen Republik wirklich wiederfand ist fraglich, irgendwann hat es ihn doch ein wenig „o’gfuckt“ hier und der Rest ist Geschichte, oder wie Falco kehlig gesagt hätte: „the rrrrest is history“.

Nun, es gibt mittlerweile eine Falco-Stiege in Wien, der Gute ist posthum beliebt, verfilmt, vermusicalt, verdolezal-rossachert wie noch nie und man hat ihm Prophetentum nachgesagt – unsäglich oft zitiert: „in Wien lieben dich die Leut erst wenn du tot bist“ und „muss ich denn sterben um zu leben“. Wie auch immer:

 

Wo geigen denn bitte noch die Goldfisch?

Wir, um es mit Heinz aus eh schon wissen von wo zu sagen, sind immer noch in Wien – und im U4 geigen die Goldfisch nur noch bedingt, Falke unser – heißt aber nicht, dass nicht anders wo die Goldfisch nicht geigen würden. Ist ja auch unsere gesteckte Aufgabe bei stadtbekannt (Verlinkung hier wohl nicht von nöten): unsere Rubrik „Wohin in Wien“ kann sich als „Wo geigen in Wien die Goldfisch?“ gedacht werden.

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