Kultur – Musik

Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger
Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger

Wien, Deine Songschreiber!

25. Februar 2013 • Musik

Es tut sich einiges in Wien

Eigentlich ist „Singer/Songwritertum“ ein stilistisch so dehnbarer wie in den letzten Jahren auch hierzulande inflationär gebrauchter Terminus. Menschen mit Songs, angenommen vollgekritzelten Notizbüchern mit Textfragmenten und natürlich Akustikgitarren – so vielleicht der nach Außen hin offensichtlichste gemeinsame, pan-stilistische Nenner.

Ansonsten: von Anti-bis zu Betroffenheitsfolk, von jungen Traurigen bis hin zu Konserven-Acts aus Gramatneusiedl mit der Presseinfo „klingt wie Jack Johnson“. Alleine die große Anzahl an „Singer/Songwritern“ beim österreichischen Songcontest-Teilnahmewettbewerb spricht Bände: es singer/songwritert sehr hierzulande, und das quer durch die Welten, Spartenkanäle, oder besser, Formatradios.

Genug sinniert über begriffliche und stilistische Dehnbarkeiten. Faktum ist, dass es hierzulande eine Fülle an ganz wunderbaren, diesem Genre zugeordneten oder zumindest zuordenbaren (und von einander oft grundverschiedenen) Songschreibern und Performern gibt, sowie diverse Netzwerke, Kulturmacher, Organisationen und Lokale, die dafür sorgen, dass Österreich kein blinder Fleck auf der Song-Landkarte bleibt.

 

Open Mics & Songwriternächte

Open Stages (oder Open Mics) sind in der Liederschreiber-Sphäre gerade am Anfang eine wesentliche Sache. Das alte System, mit dem sich schon ein junger Dylan (im Tower of Song nicht der Unwichtigste und Uneinflussreichste) damals in Greenwich Village Kneipen seine ersten Livegigs bestritt, bietet auch hierzulande sowohl Anfängern als auch Alteingesessenen ein Bühnenspotlight von 20-40 Minuten. Unsympathische Zeitgenossen überziehen diese Zeit auch gerne, was meist als unkollegiales No-Go gilt.

Open Mics gibt es in Wien beispielsweise im Café Concerto. Das Concerto, am Gürtel gegenüber der U-Bahnstation Josefstädterstraße, bietet neben einer regelmäßigen offenen Bühne (die Musiker bekommen das übliche Hutgeld sowie den einen oder anderen Getränkebon) auch regelmäßige Songwriter-Abende, die sogenannten „Friday Singer/Songnighter“. Meist im Dreierpack performen dort regelmäßig Songschreiber, nicht selten mündet ein derartiger Abend auch in eine Jamsession.

Auch gibt es in Wien unzählige Songwriter-Abende. Aktuell hinzugekommen ist unter anderem Clara Blumes Songwriterzirkus im Ost Klub, wo die Songschreiberin moderierend durch den Abend führt. Der Acoustic Club ist ein von Wien X-Tra ins Leben gerufenes Projekt, wo immer wieder Konzertabende (im Sommer meist im Theater am Spittelberg) stattfinden, bei denen jungen Künstlern für drei Songs eine Bühne und, noch wichtiger, ein höchst aufmerksames Publikum geboten wird. Die nächsten Acoustic Clubs finden übrigens im Schutzhaus Zukunft statt.

 

VSA & Medienmanufaktur

Zwei Organisationen, die sich um das kulturelle Geschehen rund um den Song kümmern, sind an vorderster Front auf der einen Seite die Vienna Songwriting Association (kurz VSA), die jährlich brilliante Konzerte und Line Ups, international und national, unter anderem auf dem Blue Bird Festival ermöglichen. Open Mics stehen ebenso am Programm. Die VSA veröffentlicht außerdem auch schöne und hörenswerte Compilations. Neben der VSA ist auch die Medienmanufaktur vorne dabei, die mit der Songreiterei eine hochkarätige Konzertreihe ins Leben gerufen hat.

 

Von ALASAC bis Horwath

Und wirft man einen Blick auf die Musiker merkt man: es tut sich einiges. Erstaunlich viele gute und originelle Singer/Songwriter fallen einem ein. Auszug gefällig? Here weg go, quer durchs Gemüsebeet und ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Und auch wissend, dass man diese folgenden Menschen nicht als Singer/Songwriter bezeichnen muss, sie aber wohl aus dem Dunstkreis kommen.

 

Bernhard Eder beispielsweise, der konsequent ein gutes Album nach dem anderen releast. Demnächst erscheint „To Disappear Doesn’t Mean To Run Away“ mit der schönen Single „Sad Ballad Man“. Oder Mika Vember, die mit “Our Lady Of The Loops” ein hochgelobtes Album veröffentlichte. Der Steirer Effi hat auch ein neues Album in petto. Seine Songs kennt man unter anderem vielleicht vom Soundtrack von „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“. Radioairplay inklusive. Ernst Molden sowieso, muss nicht erläutert werden. Oder Florian Horwath. Clara Luzia. Sehr empfehlenswert auch der gebürtige Brite Boxer John, in schöner Regelmäßigkeit in die Wiener Clubs live zu erleben. Aus dem selben Dunstkreis kommen Laura & The Comrats, die letztes Jahr ihr schönes Debüt auf den Markt brachten. Paper Bird. Marilies Jagsch. A Life A Song A Cigarette rund um Frontman Stephan Stanzl. Son Of The Velvet Rat. Robert Rotifer. Chris And The Other Girls. Die rauen Folk-Rocker “Harlequin’s Glance” mit Songs aus der Feder von Gernot Feldner. Violetta Parisini, die mit „Giving You My Heart To Mend“ ein fabelhaftes Debütalbum veröffentlicht hat. Oder Martin Klein. Oder Magdalena Piatti, Sophie Schnitzer, Agnés Milewski. Oder Mel.Oder der Nowhere Train. Oder Fadin‘ To Whiteout. Und weil ich jetzt sowieso wieder zig gute Leute vergesse: et cetera!

An Künstlern, guten Alben und Engagement mangelt es hierzulande jedenfalls nicht.

 

Markus BrandstetterGeschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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