Wien – Wienerisch

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Wien Ausblick (c) STADTBEKANNT Nohl

Wien, das Zentrum Österreichs (und der Welt)

23. April 2016 • Wienerisch

Wer in Wien residiert, ist einen gewissen Standard gewohnt.

Sowohl sprachlich als auch kulturell ist der Wiener den ländlich gestrickten Bundesländerbewohnern überlegen. Zumindest in seiner eigenen Wahrnehmung. Kaum ist die Wiener Grenze überschritten, beginnt die Provinz. Man begibt sich sozusagen in das Gebiet der Gscheadn.

 

Erdöpfeschädln

Die ersten Gscheadn, auf die man beim Verlassen Wiens zwangsläufig trifft, sind die Niederösterreicher, liebevoll auch als Neandertaler oder Erdöpfeschädln („Erdäpfelköpfe”) bezeichnet. Der Verweis auf die Urzeitmenschen erklärt sich einerseits durch die urzeitlichen Funde in der Wachau (z.B. die Venus von Willendorf), andererseits auch durch den Dialekt dieses Bundeslandes. Nicht umsonst nennt man ein Mundart-Wörterbuch in der Fachsprache Idiotikon!

Durch den großzügigen Anbau von Grumbirn („Grundbirne” = Erdapfel) haben sich die Niederösterreicher auch den Ruf eingebracht, der einträglichen Feldfrucht gewisserweise im Kopfe zu ähneln – eine bösartige Unterstellung, die den Wiener immer wieder erheitert.

 

Mostschädln

Fährt man der Donau entlang weiter in Richtung Westen, gelangt man alsbald in ein Gebiet, wo man weniger dem Wein als dem Apfel- bzw. Birnenmost huldigt. Hier leben die sogenannten Mostschädln oder Mostbluza („Bluza” = Kürbis = großer Kopf), auch als Oberösterreicher bekannt.

 

Stierwoscher

Die Salzburger, im Ausland glänzend und berühmt dank Salzburger Festspiele, Mozartkugeln und „Sound of Music”, sind ein weniger ergiebiges Spott-Ziel der Wiener. Nur gelegentlich nennt man sie in Anlehnung an eine bekannte Sage Stierwoscher: Angeblich malten die von feindlichen Heeren belagerten und schrecklich hungernden Salzburger ihren letzten Stier nämlich jeden Tag in einer anderen Farbe an, um den Feinden zu suggerieren, sie hätten noch genug Proviant. Die List ging auf, die Feinde zogen ab, und die Salzburger wuschen ihrem Stier die Farbschichten dankbar herunter.

 

Xiberger

Noch weiter im Westen, wo die Alpenkämme dominanter und die Täler enger werden, leben die Tiroler und die Xiberger. Der seltsame Name für die Bewohner der Lande hinter dem Arlberg erklärt sich durch ihren eigentümlichen Dialekt, der wie auch das Schweizerische der alemannischen Mundartgruppe zuzuordnen ist. Statt „gewesen” sagt man in Vorarlberg nämlich gsi (von hist. ndh. gesin = „gesein”).

 

Schluchtenscheißer

Das Wort Schluchtenscheißer wird für Westösterreicher allgemein benutzt. Leider verwenden es auch unsere piefkinesischen Freunde, um alle Ösis – sogar die Wiener – als hinterwäldlerische Alpenbewohner zu verspotten. Da spricht wohl der Neid auf die vielen schönen Berge und Skipisten.

 

Kropferte

Reist man von Wien aus in gerader Linie quer durch Niederösterreich nach Süden, erreicht man bald die Steiermark, laut Selbstbezeichnung das „grüne Herz Österreichs”. Dort daheim sind die Stoasteirer, die so seltsam reden, es klingt fast wie Bellen, dass man ihnen ernsthaft einen Kropf unterstellen könnte. Aufgrund der „Sprachmelodie” ihres Dialekts bezeichnet der Wiener die Steirer daher gern als Kropferte.

 

Kärntner

Für die noch weiter im Süden beheimateten Kärntner gibt es kaum Wiener Schimpfwörter. Das ist auch nicht nötig. Die Kärntner sind nämlich auch ohne verbale Schmähungen schon bemitleidenswert genug. Korruptionsaffären,
Sonnenfinsternisse und eine gewisse Bankenpleite haben das Bundesland beinahe zerlegt – daher lassen wir Kärnten ausnahmsweise einmal in Ruhe.

 

Burgenlandler

Last and least: das Burgenland. Die kleinste der Provinzen wird von den Wienern für den seichten, aber riesigen Neusiedlersee, die Seefestspiele in Mörbisch und den qualitätsvollen Wein hoch geschätzt. Der Haken bei der Sache:
Im Burgenland wohnen die Burgenlandler, um die sich, ähnlich wie um Damen mit blondem Haar, zahlreiche einfache Witzchen ranken. Hier eine (harmlose) Kostprobe:

Wie kann man einen Burgenlandler zwei Stunden lang beschäftigen?
Man gibt ihm einen Zettel, auf dem „Bitte wenden!” steht.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

 

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