Kultur

Sommerbuch

Weltliteratur statt Sommerkrimi

21. Mai 2013 • Kultur

stadtbekannt.at hat Lesetipps

Ebenso sicher wie man sich am letzten Tag des Donauinselfestes schwört, nie wieder hinzugehen oder wir auch heuer wieder mit einem zwangsfröhlichen Sommerhit verwöhnt werden, wird auch heuer wieder die einschlägige Sommerliteratur an Stränden und in Parks ihre fröhlichen Urständ feiern.

Hier heißt’s vor allem seicht und kurzweilig sein – am besten ein Krimi, denn je mehr Personen sterben, desto weniger muss man sich merken. Aber es geht auch anders. Warum nicht einmal ein Sommerleseprojekt starten und sich unter heißer Sonnenglut in Schmöker vertiefen, zu denen man sonst das ganze Jahr nicht kommt und die man schon immer einmal lesen wollte? Nach dem Motto: Schinken beim Braten!

 

Doktor Schiwago

Es ist ein Mysterium. Der Mann bescheißt fortwährend seine Frau, verlässt seinen Sohn und ist auch sonst nicht gerade ein Vorbild an Verlässlichkeit und trotzdem kann ihm kein Leser böse sein.
Vorteil: Das Sich-ins-winterliche-Rußland-Versetzen sorgt mit Sicherheit für die richtige Abkühlung.

 

Krieg und Frieden

Ebenfalls Weltliteratur mit Kühlfaktor. Tolstoi beschreibt in seinem wohl berühmtesten Werk die Schicksale mehrer russischer Adeliger zur Zeit der Napoleonischen Kriege und malt damit ein ebenso feines Porträt der Aristokratie zu Beginn des 19. Jhdts wie ein Sittenbild der damaligen Gesellschaft im Reich des Zaren.

 

Ulysses

Angeblich soll es Joyce’ Anspruch gewesen sein, sollte Dublin plötzlich zerstört werden müsste man es nach den Angaben in Ulysses wieder vollständig aufbauen können. Und wie eben eine Stadt nicht in Kürze und schon gar nicht einfach zu beschreiben ist, so ist auch die Odyssee des Leopold Bloom durch das Dublin kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende nicht unbedingt ein Lustiges Taschenbuch. Sowohl sprachliche Komplexität als auch naturwissenschaftliche, historische oder literarische Anspielungen prügeln sich hier fast um die geneigte Aufmerksamkeit.

 

Finnegans Wake

Wer Ulysses für komplex und schwer verständlich hielt der wird mit Finnegan’s Wake unheimlich viel Freude haben. In seinem Spätwerk legt Joyce anhand der Geschichte des Dubliner Kneipenwirts Humphrey Chimpden Earwicker und seiner Familie so mehr oder weniger seine Sicht auf die Welt dar. Von Linearität oder erkennbaren Zusammenhängen hält er dabei nicht wirklich sehr viel. Er erfindet ständig neue Wörter und treibt mit der Sprache sein eigenes Spiel. Nicht zu Unrecht ist in der Literaturlandschaft stark umstritten, ob Joyce in Finnegan’s Wake nun eine Geschichte erzählt oder eben nicht…
Dieses Buch ließ schon viel größere Köpfe rauchen und sollte an heißen Sommertagen vielleicht nur in homöopathischen Dosen genossen werden. Freunde von Thomas Pnychon dürften aber durchaus auf ihre Kosten kommen.

 

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musils Opus Magnum soll angeblich das Lieblingsbuch Bruno Kreiskys gewesen sein und ist wohl das meist-nicht-gelesene Buch des deutschen Sprachraumes. Die Geschichte des jungen Ulrich, der sich zu Ende der Monarchie nach oftmaligen Scheitern in seinen Karriereplänen der Ausrichtung eines gemeinsamen Thronjubiläums des österreichischen Kaisers Franz Josef mit dem Deutschen Wilhelm II widmet, ist so etwas wie der österreichische Ulysses. Von Musil nie fertig gestellt, daher bis heute fragmentarisch geblieben und nur mithilfe von zigtausenden Anmerkungen und Manuskriptseiten fertiggestellt, überrascht Der Mann ohne Eigenschaften mit einer epischen Tiefe und Interpretationsweite, die mit Sicherheit einen Sommer auszufüllen vermögen.

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