Lifestyle – Skurriles

Meduni Hörsaal
Meduni Hörsaal

Warum wollt ihr bloß alle ÄrztInnen werden?

25. August 2015 • Skurriles

Heilen oder heulen?

Jeder kennt jemanden, der Medizin studiert. Man sieht diese Freunde nicht oft, meist leben sie sehr zurückgezogen und zu gewissen Zeiten des Jahres verschwinden sie vollends von der Bildfläche. Was passiert in dieser mysteriösen Zeit?

 

Dr. Abgetaucht

Dann nämlich lernen sie für die Monsterprüfungen, die jeweils am Jahresende anstehen, und deren Ausgang darüber entscheidet, ob das nächste Jahr erneut so miserabel wird, oder ob man dem ersehnten Dr.med. ein Stückchen näher gekommen ist. Sollte man sie während dieser Lernphasen dennoch dazu überreden, den Schreibtisch kurz zu verlassen und dem aus Lernen, Schlafen, und Essen bestehenden Alltag ‚Freunde treffen‘ hinzuzufügen, sprechen sie darüber, wie ungewohnt es sich anfühlt, wieder richtige Schuhe zu tragen, und dass man in Jeans einfach eindeutig weniger Bewegungsfreiheit hat als in der Jogginganzug-Lernkluft.

Anatomische Wachsplastik (c) Medizinische Universität Wien

Anatomische Wachsplastik (c) Medizinische Universität Wien

Spaß war gestern

Kurzum, das Medizinstudium ist kein Ponyhof. Das fällt auch wohl jährlich den ca. 2000 schlauen Köpfen ein, die noch rechtzeitig vor Testbeginn die Flucht ergreifen und gar nicht erst antreten. Dennoch: Es bewerben sich jährlich fast 10.000 Maturanten in Wien, Graz und Innsbruck, um einen der knapp 1.500 Studiumsplätze zu ergattern. Ist das geschafft, fängt der Lernalltag an, der zumindest für die Mindeststudienzeit von sechs Jahren das Leben bestimmt. Danach bewirbt man sich für Turnusplätze in Kleinstädten, in denen man eigentlich nicht leben will, oder wartet potentiell jahrelang auf einen Platz in einer Stadt, in der man schon leben möchte.

 

Woher die Illusion?

Wer tut sich das an? Und woher kommt die Vorstellung vom Traumberuf Arzt ? Die amerikanische Serie Emergency Room wurde in Deutschland sinngemäß mit ‚Emergency Room – die Helden im OP‘ übersetzt. Doch hierbei handelt es sich wohl um einen Interpretationsfehler. Denn diese „Götter in Weiß“ schlafen kaum, essen nicht und gehen in Folge dessen auch scheinbar nie auf die Toilette. Völlig blutarm müssen sie dann in einer Frage von Sekunden bei Eintreffen der Patienten aus einem schier gigantischen Spektrum an komplizierten medizinischen Fachtermini die richtige Diagnose und die notwendigen Prozeduren aus dem Ärmel schütteln. ‚Scrubs‘ liefert dasselbe, angepasst an die Umstände der modernen Ausbildung. Dort sind zwar immer alle gut drauf, irgendwie sind sie aber auch nie gut genug. Spaß an der Sache zu haben, macht also auch noch keinen Traumberuf.

 

Reality Check

Reale Krankenhäuser können einem das Ganze auch nur schwer schmackhaft machen. Architektonisch anmutend an Flughäfen und Mehrzweckhallen, voll unverständlicher Substanzen und unangenehmer Gerüche. Dazu kommen noch prekäre gesundheitliche Situationen, für die man letztlich potentiell auch die Verantwortung trägt, Stichwort Behandlungsfehler.
Wollt ihr nicht doch eher Steuerberater werden?

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