Wien – Leben

Kassa bitte - Wienerisch (c) STADTBEKANNT
Kassa bitte - Wienerisch (c) STADTBEKANNT

Warum der Wiener immer so oasch ist

16. November 2017 • Leben, Wienerisch

Wien, du unfreundliche Stadt

„Kassa, bitte!!“ – wir haben zehn Gründe für den Grant an Supermarktkasse & Co gefunden und bemerkt, dass die Liste endlos hätte werden können.

Vielleicht haben wir es immer schon gewusst: Den Vordermann in der Schlange beim Billa wegzurammen, sobald Kasse 2 geöffnet wird, ist doch kein Kavaliersdelikt. Was die hiesigen Kellner aufführen, ist dann doch eher bösartiger Grant als freundlicher Charme. Und der vielgerühmte Wiener Schmäh ist in Wahrheit auch nur eine freundlichere Umschreibung für das Machen von Witze auf Kosten anderer.

 

Gemeinsam noch unfreundlicher für Platz eins

Nachdem das Expat Netzwerk Internations unser schönes Wien zu einer der unfreundlichsten Städte überhaupt gekürt hat, bleiben viele Fragen offen – allen voran natürlich, wie um alles in der Welt wir diese Wertung nicht gewinnen konnten? Wie werden wir jetzt noch unfreundlicher, um nächstes Mal den Sieg davonzutragen? Hat der Mercer-Wahn nach all den Jahren der Selbsttäuschung nun endlich ein Ende? Und ist es tatsächlich denkbar und möglich, dass es einen Ort auf dieser Erde gibt, deren Bewohner noch garstiger sind als es die echten Wiener sind? Wir wollen faire Verlierer sein: In Vergleich zu Paris, der „Stadt der Liebe“ ist unsere „Wien ist anders“ Unfreundlichkeit ein Lercherlschas.

Die Unwirschheit hat viele Gründe, anfolgend der Versuch, sie aufzulisten, mit gleichzeitigem Eingeständnis des Scheiterns: es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eure Hilfe wird benötigt. Was folgt, ist mehr eine Inspirationsquelle des Grants, eine zarte Idee der Gründe für die ewige Leichtigkeit des unfreundlichen Seins.

 

Die nicht ultimative Liste warum Wien so unfassbar unfreundlich ist:

1) Weil wir die besten Schimpfworte der Welt haben.

2) Weil es quasi Perlen vor die Säue werfen wäre, diese Schimpfworte nicht täglich einzusetzen.

3) Weil wir ausgesprochen kontaktscheu sind. Die typisch verschlossene, griesgrämige Visage (auch als „Wiener U-Bahnblick“ bekannt) ist ein von der Natur verliehenes Schutzschild gegen die Kontaktaufnahme fremder Völker.

4) Weil Wien aus lauter depressiven Völkern besteht, die in den letzten Jahrhunderten hierher emigriert sind. Tschechen, Ungarn, Polen, Slowaken sind alles Völker, in denen man oft nicht viel zu lachen hatte – und dieses Nichtlachen wurde in die neue Heimat mitgenommen.

5) Weil wir miserabel im Fußball sind und deshalb versuchen, jegliche anderen Rankings zu gewinnen. Übrigens: bye bye Deutschland, hat wohl nicht für einen Stockerlplatz gereicht?

6) Weil Wien die höchste Lebensqualität der Welt hat. Das ist jetzt in keinster Weise ein in sich logischer Grund, aber irgendeinen Zusammenhang muss es da einfach geben.

7) „Kassaaaaa, bitteeeee!!“ Weil die Wartezeit an den Supermarktkassen der Stadt jetzt schon unerträglich ist – was würde bitte passieren, wenn wir auch noch freundlich zum Personal und unseren Miteinkäufern wären?

8) Weil irgendjemand irgendwann einmal den Wiener Schmäh erfunden hat. Der ist zwar zugegebenermaßen wirklich lustig, geht aber doch zumeist auf Kosten anderer. Die Grenze zwischen Ironie, Schmäh und Grant ist fließend und wird ständig überschritten.

9) Weil es einfach eine Zumutung ist, ständig länger als zwei Minuten auf irgendeine U-Bahn warten zu müssen.

10) Weil wir frustriert von unseren Politikern sind, die entweder zu rechts sind, zu links sind oder zu viel grapschen.

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