Wien – Wienerisch

blede Gurkn und fade Nockn - Maria Antonia Graff
blede Gurkn und fade Nockn - Maria Antonia Graff

Von bladen Blunzn und grindigen Gradn

18. April 2016 • Wienerisch

Wiener Kulinarik

Die Beschreibung des menschlichen Körperbaus und Charakters mithilfe von Speisen!

Es gibt Menschen, die sind schmächtig. Es gibt aber auch mehr als genug Menschen, die es nicht sind. Zu dieser zweiten Gruppe gehören auffallend viele Wiener/-innen mittleren Alters, weshalb sich für die weit verbreitete Körperform des (Bier-)fassls zahlreiche Begriffe herausgebildet haben. Interessanterweise haben viele dieser Wörter ihren Ursprung oft direkt in der Küchensprache …

So bezeichnet man wamperte Herren, die über einen ausgeprägten Bochhendlfriedhof („ewige Ruhestätte des Brathuhns”) beziehungsweise einen hart antrainierten Gössermuskel verfügen, gerne als (Bier-)fassl oder Frißling („verfressener Kerl”). Damen, die sich einer robusteren Statur erfreuen, werden in kulinarischer Terminologie wenig schmeichelhaft blade Blunzn („dicke Blutwurst”) genannt. Die etwas liebevollere Bezeichnung Scherzerl („rundliches letztes Stück eines Brotlaibs”) ist unisex und auch auf Kinder anwendbar („Maa, da Bua is owa a gscheits Scherzerl worn!” = Euer Sohnemann hat aber gewaltig an Körperfülle zugelegt! )

Dass schmächtige Frauenfiguren in Wien lange nicht en mode waren, lassen die zahlreichen unfreundlichen Bezeichnungen für dürre Damen erkennen: Ob Bohnenstaung („Bohnenstange”), grindige Gradn („ekelhafte Fischgräte”) oder dirre Brezn („dürres Brezel”), freuen wird frau sich über keinen dieser Namen. Ebensowenig schmeichelt die Unterstellung, Eiaspeisdutteln zu haben – bedeutet dies doch, dass die Brüste eher zwei flachen, wabbeligen, nebeneinander hingeklatschten Spiegeleiern ähneln denn einer gscheiten Moikarei.

 

Zu guter Letzt noch ein paar Nahrungsmittel, die man unguten, unansehnlichen oder schlichtweg nervtötenden Zeitgenossen an den Kopf werfen kann:

Guakn, blede,f. – „blöde Gurke”, überflüssige Frauensperson

Nockn, fade f. – „langweiliges Nockerl”, wenig unterhaltsamer Mensch

Gramml, schiache f. – „hässliche Grammel” (Grammel = Rest aus der ausgelassenen Speckschwarte), alte Prostituierte

Grießknedl, blada m. – „dicker Grießknödel”, beleibte Mannsperson

Leberwuascht, beleidigte f. – unnötig nachtragende Person

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

 

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