Wien

100 Jahre Republik Österreich - Teil 1 (c) STADTBEKANNT
100 Jahre Republik Österreich (c) STADTBEKANNT

Viva la Emancipación!

10. März 2018 • Wien

100 Jahre Republik Österreich: 1918 – 2018

Vor genau 100 Jahren eroberten Österreichs Frauen die Wahlurne – und erlangten so nach Jahrhunderten der Missachtung endlich demokratische Mitbestimmungsrechte.

Seit 1918 dürfen in Österreich alle StaatsbürgerInnen nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht zur Urne schreiten – Männer und Frauen, ohne Unterschied. Das Wahlrecht für Männer hatte sich die Bevölkerung noch 1907, also noch während der k.k. Monarchie, erkämpft. Für die meisten Konservativen war das allerdings auch schon wieder genug des Guten. Männer, die abstimmen, nun gut. Aber Frauen an der Urne oder gar in wählbaren Positionen als Politikerinnen? Undenkbar!

 

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Doch die Frauen blieben hartnäckig; sie waren oftmals bereits berufstätig und ließen sich nicht mehr mit der Rolle des Heimchens am Herd abspeisen. Eifrig demonstrierten sie, gründeten Zeitschriften und organisierten sich in politischen Vereinen. In Wien waren es vor allem die Sozialdemokratinnen, die sich für ihr Ziel ins Zeug legten. Letzten Endes hatten sie Erfolg: Am 12.11.1918 beschloss die Provisorische Nationalversammlung die Zuerkennung des aktiven und passiven Wahlrechts an fast alle StaatsbürgerInnen. Nur die Freudenmädchen blieben weiterhin vom Wählen ausgeschlossen – aus „moralischen Gründen”, so die offizielle Begründung.

Populär war das frisch eingeführte Frauenwahlrecht freilich nicht in allen Sektoren der Gesellschaft. Während die SozialdemokratInnen den Demokratieausbau begrüßten, waren Christlichsoziale und die Deutschnationale weniger begeistert. Immerhin hatten sie sich im Kampf um das Frauenwahlrecht nicht gerade durch großes Engagement hervorgetan und fürchteten nun, die Frauen könnten ihre Stimmen eher den Sozialdemokraten geben. Davon einmal abgesehen hatte weibliche Eigenständigkeit und Mündigkeit in den Köpfen einiger noch lange keinen Platz.

 

Ein ewiger Kampf gegen Windmühlen?

Im aktuellen Jahr 2018 scheint uns das allgemeine und gleiche Wahlrecht selbstverständlich. Dass heute immer noch Debatten über die Gleichberechtigung der Frau geführt werden müssen, kann man getrost als unschönen Anachronismus bezeichnen. Sogar das biologistische Totschlagargument von der „Natur der Frau” kursiert nach wie vor in einschlägigen Kreisen.

Das kann’s ja nicht geben? Mitnichten! Der Herausgeber eines Buches, das sich selbst verwirklichende Frauen als Brutpflegetrieb-verleugnende Abartigkeiten der Natur darstellt, hat immerhin einen Ministerposten inne. Missbrauch im Skisport oder besoffene Vergewaltigungen durch Legenden dieses Metiers sind für viele auch 2018 einfach nur Lügen, und generell – diese FeministInnen, Ihr komIsches Binnen-I und Ihre vermaledeIten Töchter In der Hymne sInd der Untergang des Abendlandes und jeglIcher VerständlIchkeIt. So gesehen heißt es wohl auch weiterhin: Viva la emancipación, und auf in den Kampf gegen die Windmühlen!

 

Spuren bis in die Gegenwart

Vieles, das 1918 Gemüter erregte und die Geister beschäftigte, ist auch 2018 noch Gesprächsstoff. Aus diesem Grund gibt es folgende Schwerpunktartikel zum Republiksjubiläum:

Wie der Phönix aus der Asche
Über die Geburt, den Tod und die Wiedergeburt der Republik Österreich.

Gehässige Töne, verheerende Wirkung
Über Hasspropaganda von anno 1918 und heutige Fäkalstürmen im Internet, die sich damals wie heute mit Vorliebe gegen Minderheiten und die Demokratie richte(te)n.

Arbeitnehmerrechte: Ja bitte / Nein danke
Über den harten Kampf für mehr Arbeitnehmerrechte anno 1918 und die scheinbar bereitwillige Aufgabe selbiger Rechte anno 2018.

Mutig in die neuen Zeiten?
Über österreichische Trends, die 100 Jahre überlebt haben, und die Zukunft der störanfälligen Republik.

 

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