Kultur – Film / TV

Ausblick über Wien (c) STADTBEKANNT
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Viennale: Cold Weather – Klischee olé

4. November 2010 • Film / TV

Der Klappentext von Cold Weather klingt ja durchaus interessant: Doug, der Studienabbrecher und Bilderbuch-Slacker mit Faible für Sherlock Holmes Romane zieht aus der Not mit seiner Schwester Gail zusammen. Gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Carlos schwelgt er in seiner Leidenschaft für Detektivgeschichten – bis eines Tages Dougs Exfreundin spurlos verschwindet. Keine Frage, dies ist ein Fall für die beiden Hobbydetektive, aber handelt es sich hierbei tatsächlich um ein Verbrechen oder war nur der Wunsch aus dem grauen Alltag auszubrechen Vater des Gedankens?

Nerds bei der Arbeit

Was als Klassischer Mumblecore-Film beginnt – die drei Protagonisten werden im ersten Drittel hauptsächlich bei Alltäglichkeiten gezeigt – ändert sich mit dem Verschwinden der jungen Dame schlagartig. Bald beginnt eine durchaus witzige Spurensuche mit all seinen Klischees: Stake-outs, Geheimcodes, Verfolgungsjagden und Beschattungen, doch alles so plump und naiv ausgeführt dass man teilweise der Meinung ist, man beobachte Kinder beim Räuber-und-Gendarm spielen.

Brüderchen und Schwesterchen

Der Plot führt aber ein wenig in die Irre: Cold Weather ist kein richtiger Suspense-Thriller, keine Kriminalgeschichte im eigentlichen Sinn, vielmehr liegt der Fokus auf Zwischenmenschlichem: vor allen Dingen dreht sich dieser Film um das Verhältnis zwischen Doug und seiner Schwester Gail, die hanebüchene Räuber-und-Gendarm Klamotte dient nur als Folie vor der das zarte Band der Bruder-Schwester Beziehung porträtiert wird.

I’m a Loser, Baby

Doch leider wird gerade da gepatzt: die Charaktere sind wenig glaubwürdig, platt und – auch wenn Aaron Katz im Publikumsgespräch davon spricht „ganz normale Leute“ porträtieren z wollen – sie bedienen jedes Loser-Klischee. Zwischen Whale Watching, Startrek-Conventions, Krimis lesen und Carcassonne-Partien wird kaum ein Nerd-ism ausgelassen, die Dialoge sind vor Alltäglichkeit kaum auszuhalten und der wortkarge Charakter Dougs hat außer seinem debilen Blick kaum etwas zum Film beizutragen. Zusätzlich wird der Mumblecore-Charakter des Film etwas zu sehr betont: die Protagonisten wirken so „laid-back“ dass man selbst in den wenigen spannenden Momenten das Gefühl hat sie unterdrücken gerade ein Gähnen.
Cold Weather versucht den Spagat zwischen Suspense und Emotion und verliert dabei beides aus den Augen. Schade, denn der Film hatte durchaus Potential und einige Momente.

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“

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