Wien – Grätzltipps – 8. Josefstadt

Josefstadt Langegasse (c) STADTBEKANNT Zohmann
Josefstadt Langegasse (c) STADTBEKANNT Zohmann

Verquerte Josefstädter Straße

23. Juli 2016 • 8. Josefstadt

Die Josefstädter Straße und ihre Gassen

Während die eine in der Vergangenheit schwelgt, plaudert die andere mit ihrem einladenden Ambiente aus dem aktuellen Nähkästchen. Eine gekonnte Erzählerin weiß das eine mit dem anderen zu verbinden.

Wir werfen einen Blick in die 3 „L’s“ der Josefstädter-Querstraßen: Die Lenau-, die Lange und die Lerchengasse. STADTBEKANNT hat die Josefstädter Straße und ihre spannenden Nebengassen erkundet und berichtet für euch.

 

Die malerische Lenaugasse

Von der Station Rathaus/Stadiongasse kommend, ist die 1. Querstraße, die uns begegnet, die Lenaugasse. Ein Blick von der Josefstädter Straße aus genügt und man leitet seine Schritte automatisch nach rechts, denn diese Gasse begegnet einem freundlich mit Grün-Arrangements sowie einladend mit zahlreichen Einkehr-Gelegenheiten – von der traditionell-deftigen Gastwirtschaft Blauensteiner „Zur Stadt Paris“ über das altbekannte und immer gute Centimeter I bis hin zur sri-lankischen Curry Insel.

Josefstadt Lenaugasse (c) STADTBEKANNT

Josefstadt Lenaugasse (c) STADTBEKANNT

Musik in der Lenaugasse

Widersteht man dem Essensgeruch, der einen aus verschiedenen Richtungen überfällt, passiert man bald die Nummer 19 der Lenaugasse. Die schlichte Fassade des Biedermeierhauses mit dem Namen Oskar-Werner-Hof ist unauffällig und prahlt nicht damit, dass es einst sowohl den Schriftsteller Franz Grillparzer als auch den Lyriker Anton Wildgans beherbergte. Letzterer schreibt im „Nachtstück in der Lenaugasse“ (1898) über den Hof: „Da schlagen auch die Amseln in der Dämmerung der Morgen und Abende, und Hunderte von Sperlingen füllen nach dem Regen die laubschütteren Kronen mit ihrem Gezwitscher.“ (Wildgans, 1928, Musik in der Kindheit)

Die Tulpengasse beschert der Lenaugasse ein Ende, wartet aber im Gegenzug dafür mit netten kleinen Plätzen auf, wie mit dem Schlosserplatzl an der Ecke Wickenburggasse, auf dem sich eine jüngere Ausgabe des Stocks im Eisen befindet. Lässt man sich auf einer der Bänke nieder, kann man das Zunftzeichen der Schlosser sowie die schönen Balkone der Schlosserinnerung betrachten.

Josefstadt Schlosserplatzl (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Schlosserplatzl (c) STADTBEKANNT

Die vielseitige Lange Gasse

Wieder zurück zur Josefstädter Straße trifft man bald auf die Lange Gasse. Und da diese, naja, nun mal sehr lang ist, schauen wir uns nur einen Teil an und wenden uns dafür nach links. Dieser Abschnitt von Nummer 33 bis 1 hat auch schon einiges zu bieten.

Die Gasse ist immer wieder Ort der Begegnung, wenn es beispielsweise um die Veranstaltung kleiner Biomärkte geht. Das rege Getratsche, das freundliche Lächeln, das zwischen Verkäufer und Kunde verkehrt und die wie zufällig platzierten Bierbänke kreieren eine familiäre Atmosphäre innerhalb der Gasse mit den schönen niedrigen Gebäuden und Balkonen. Ein schwarzer Gitter-Balkon, jener des gelb-gestrichenen Hauses Nummer 29, ist nicht irgendeiner: Er ist der Balkon des Zauberkönigs aus dem Theaterstück „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth. Die Lange Gasse diente als Vorbild für eine „stille Straße im 8. Bezirk“, die Nummer 29 für das Haus des Zauberkönigs. Nicht alle waren von dem Stück begeistert – 1938 wurde es in die „Liste des schändlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen.

Josefstadt Biomarkt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Biomarkt (c) STADTBEKANNT

Eulenmosaik

Ganz ein anderes Thema führt die Lange Gasse weiter hinunter: Ein tierisches. Eulen-Begeisterte können einen Blick auf das von Josef Seger geschaffene Eulenmosaik (Lange Gasse 21-23) werfen. Wer allgemein eine Schwäche für Waldtiere hat, kann diese im Geschäft „esca“ ausleben, wo er auf Eichhörnchen, Wolf, Hirsch und Co. trifft, die einem auf graphisch sehr ansprechende Weise auf T-Shirts, Windlichtern oder Schmuck begegnen.

Josefstadt Eulenmosaik (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Eulenmosaik (c) STADTBEKANNT Zohmann

Die verkannte Lerchengasse

Die Lerchengasse ist oberflächlich betrachtet nicht wirklich einladend. Während meist hohe, wenig ansehnliche Gebäude die Straße flankieren, macht jedoch ein weißes Gebäude mit seiner niedrigen Statur auf sich aufmerksam. Das Mietshaus zum Weißen Engel mit der Nummer 18 wurde 1727 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Auffallend sind die Formen der Otto-Wagner-Schule.
Gleich gegenüber befindet sich der Tigerpark, benannt nach der gleichnamigen Straße, die ihrerseits den Namen durch ein Hausschild „Zum Tiger“ erhielt. Der Tigerpark ist klein, bietet aber trotzdem ausreichend Sitzgelegenheiten mit Tischen und Bänken, dank Tischtennistisch und Spielplatz kann es hier auch spielerisch zugehen. Eigentlich ist er ein Dachgarten auf einer Tiefgarage an Stelle einer ehemaligen Fabrik.

Josefstadt Tigerpark (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Tigerpark (c) STADTBEKANNT

STADTBEKANNT meint

Wenn eine Straße wie die Josefstädter Straße mit Angebot von Theater, Literatur und Köstlichkeiten wie Cupcakes den Blick auf sich lenkt, vergisst man schnell auf die zahlreichen Quergassen, die von ihr wegführen. Dabei zahlt es sich aus, den Blick hin und wieder nach links oder rechts zu lenken: Ein gemütlicher oder auch hungriger Spaziergänger bevorzugt die malerische Lenaugasse mit ihren Gasthäusern und Blumenarrangements, während ein aktiverer eher in die Lange Gasse einbiegt, die bereits Schriftsteller für Theaterstücke inspirierte und aktuell mit Biomärkten und interessanten Geschäften aufwartet. Beide aber können anschließend in der Lerchengasse vorbeischauen, das ein oder andere interessante Gebäude entdecken, um sich schließlich im Tigerpark niederzulassen.

 

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