Wien – Leben

Foto: Caroline Hofer (c) Hannah Hauptmann
Foto: Caroline Hofer (c) Hannah Hauptmann

Vergiss mein nicht

3. Juli 2014 • Leben

Ich gehöre seit jeher zu den Menschen, die gerne vergessen. Nicht schlechte Erlebnisse. Leider. Sondern ganz alltägliche Dinge. Die Antenne runterschrauben, bevor man in die Waschstraße fährt. Zum Beispiel. Oder die Handbremse anziehen, wenn man bergab steht. „Der Fahrer mit der Nummer 12345 A soll bitte zu seinem Auto kommen. Es hat sich bewegt.“ Glück im Unglück. Es passierte auf einem Supermarktparkplatz. Noch dazu jenem, der meinen Namen trägt. „Wie der Supermarkt.“ So erklärt er sich eben am besten. Immer ein Lacher. Selten Fehler aufgrund anschaulichen Buchstabierens. Man kommt auch immer gut ins Gespräch. Unzählige gesellige Stunden bescherte mir der Name bereits. Dabei kenne ich die meisten, die ihn mit mir teilen, gar nicht. Bloß ab und wann kommt es zur Kollision. Dann ist der reservierte Platz im Restaurant plötzlich vergeben. Wie der Supermarkt, höre ich es in der Ferne sagen. Pah, wie lächerlich bitteschön!!
Da ist das Vergessen schon eine viel treuere Seele. Und vor allem ansteckend. Auf die Türe unseres neuen Autos vergaßen wir letztens gemeinsam. Das bessere Drittel und ich. Wir waren so fokussiert in der Fastfoodkette die Nassräume aufzusuchen, dass wir die Türe einfach nicht zumachten. Ganz recht, nicht einfach nur nicht abgesperrt, sondern gleich gar nicht geschlossen. Nach geschätzten zwanzig Minuten bemerkten wir das. Nachdem wir das Restaurant wieder verlassen hatten und die Türe von der Weite winkte. „Sind wir schon ganz deppert.“ Bei soviel Gedankenlosigkeit musste ich einfach schimpfen. Doppelt vergisst es sich eben leichter. Schon allein diese Erkenntnis kann sehr beruhigend sein. Ehrlich.
Apropos. Die Geschichte mit dem Bügeleisen habe ich mir selbst zuzuschreiben, da hat es das bessere Drittel noch gar nicht gegeben. Wieso die Herdplatte noch aufgedreht war, weiß ich nicht mehr. Konnte es mir auch damals kaum erklären. Warum ich das Bügeleisen darauf gestellt hatte, allerdings schon: bis dato ließ es sich dort am ungefährlichsten kühlen. Sollte das Bügeleisen umkippen, fiele es auf etwas, das von Berufs wegen Hitze aushalten musste. Gute Idee – schlecht mit dem Vergessen vereinbar. Als das Bügeleisen zum Brennen anfing, saß ich zwei Zimmer weiter. Als der Rauch ins Vorzimmer strömte, kam ich gelaufen. Der Griff war bereits geschmolzen und es roch erfrischend nach verkohltem Kunststoff. Zum Löschen brauchte ich dann nur noch einen Suppentopf voll Wasser. Kaputt ging nur das Bügelding an sich. Rettung in letzter Sekunde also. Zumindest das fiel mir noch rechtzeitig ein.

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