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Market Herzvinyl (c) Mautner stadtbekannt.at
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Valentinstagsgeschenke des Grauens

12. Februar 2014 • Lifestyle

STADTBEKANNT testet Last Minute Valentinstagsgeschenke

Zur Bewertung haben wir uns den Valentinsfaktor als Bemessungsgrundlage ausgedacht. Dieser wird mit einer Skala von 0 bis 10 definiert, wobei 0 das Beziehungsende markiert und 10 einem wohlüberlegten romantischen Geschenk entspricht.

 

Schnittblumen aus dem Supermarkt

Besonders rund um den Valentinstag fristen sie ihre traurige Existenz in den heimischen Supermärkten. Wir haben uns ja schon lange gefragt, wer die eigentlich kauft. die Antwort ist naheliegend. Männer mit einem Zeitdruck, der den Gang zum Floristen verunmöglicht oder mit unterdurchschnittlich ausgeprägtem ästhetischem Bewusstsein.
Inzwischen gibt es sie auch in der Fair Trade Variante, ihr Erscheinungsbild ist aber über die Jahre gleich geblieben: ein äußerst dünnes Sträußchen in der wunderschönen Plastikverpackung zum Kampfpreis. Der Romantik-Faktor von Supermarkt Blumen ist äußerst gering, die Wahrscheinlichkeit maximal ein zu Eis gefrorenes Fake-Lächeln und ein gekünsteltes „Oh das ist aber NETTT“ zu ernten, ist sehr hoch. Allerdings haben die Blumen einen hohen postmodernen Ironiefaktor. Wer Valentinstag mit einem Augenzwinkern feiern will, kommt schnell zum Schluss, dass Supermarktblumen so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Das lässt sich bekanntlich über vieles sagen, insofern lassen wir das mal so stehen. Valentinsfaktor: Supermarktblumen haben einen eiszeitlichen Romantikfaktor und sollen einen intensiv darüber nachdenken lassen, ob es noch Sinn macht die Beziehung fortzuführen. Lediglich der Ironiefaktor und die offensichtliche Trashigkeit des Geschenks retten die Blumen davor, ein totaler Reinfall zu sein.

Valentinsfaktor 3/10

 

Pralinen

Pralinen markieren den schmalen Grad zwischen einem gelungenen Valentinstagsgeschenk und einer in Tränen aufgelösten Katastrophe. Schoko Pralinen vom Chocolatier sind ein ernstzunehmendes Geschenk, klassische Supermarktpralinen sind als Geschenk eher ungeeignet. Das fängt schon bei der Verpackung an, die in der wenig dezenten Herzform förmlich schreit: „Ich bin ein Verzweiflungsgeschenk“.
Der Vorteil der Pralinen liegt in ihrem Gebrauchswert, sofern das Love Interest kein/e DiabetikerIn ist, wird sie/er etwas damit anzufangen wissen. Selbst wenn das Geschenk nicht für Begeisterung sorgt, wird es früher oder später seinem Verwendungszweck zugeführt. Vorsicht: wenn das Geschenk gar nicht ankommt, eignet es sich hervorragend um es dem Schenkenden nachzuwerfen. Das führt zwar zu keinen schlimmen Verletzungen, aber immerhin. Valentinsfaktor: Der Romantikfaktor variiert nach Preis, das muss man leider ehrlich zugeben. Fünf Euro Pralinen lassen kein Herz schmelzen, teure Pralinen eignen sich da schon besser. Der hohe Gebrauchswert rechtfertigt die Anschaffung aber in jedem Fall.

Valentinsfaktor 1/10 bis 6/10

 

Unterwäsche, Dessous und Co

Unterwäsche schenkt sich der schenkende Mann selbst. Der egoistische Antrieb ist zwar besser versteckt als wenn man dem Love Interest das SKY Sportpaket schenkt, aber der Trick ist doch leicht durchschaubar. Allerdings kann sich aus egoistischem Antrieb auch etwas Schönes ergeben…
Man kann also sagen es kommt darauf an, ob eine dialektische Synthese gelingt oder ob das egoistische Motiv die der Dessousfarbe entsprechende Zornesröte ins Gesicht der Beschenkten treibt. Immerhin, Dessous kann man(n) kaum nachgeworfen bekommen und wenn, tun sie nicht weh. Als Faustregel kann gelten: Je teurer das Geschenk, desto eher gelingt die Deckung des egoistischen Motivs. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass der optische Eindruck der Dessoustragenden Beschenkten nicht immer dem entspricht was die Werbung verspricht. Aber wer diesen Widerspruch nicht aushält, ist ohnehin ein armer Tropf. Valentinsfaktor: Aus schlechtem Antrieb kann Gutes entstehen, das egoistische Motiv bleibt aber Hemmschuh bei der Entfachung romantischer Gefühle.

Valentinsfaktor 1/10 bis 8/10

 

Sexspielzeug

Hier wird mit der Tür ins Haus gefallen, das Geschenk ist Mittel zum Zweck und das ziemlich offensichtlich. Allerdings spricht dagegen an sich wenig, der Gebrauchswert ist hoch und der Nutzen für Schenkende und Beschenkte hoch. Der Romantikfaktor ist zumindest bei der Supermarktvariante hingegen äußerst gering.
Allfällige Allergien sind jedenfalls im Vorfeld abzuklären, lassen sie die Akzeptanz des Geschenks doch möglicherweise ins Unterirdische abstürzen. Auch der Gebrauchsfaktor sollte vorab getestet werden, ist doch so manches Sexspielzeug in seiner tatsächlichen Funktionalität stark gehandicapt. Valentinsfaktor: Vorab kaum einschätzbar und deshalb ganz schwer bewertbar.

Valentinsfaktor 1/10 bis 9/10

 

Duftkerzen

Wenn Einfallslosigkeit einen Namen hätte, würde er Duftkerze lauten. Nicht nur, dass die meisten Exemplare keine olofaktorische Explosion bewirken, ja manch eine/r nimmt es gar als Gestank wahr. Man drängt dem/der Beschenkten außerdem auch noch einen Geruch auf, was, da die meisten Menschen was Gerüche angeht sehr eigene Sensibilitäten haben, ein gewagtes Unterfangen darstellt.
Aus unserer Sicht ist die Duftkerze in aller Regel ein Griff ins Klo, was im Übrigen der Ort ist, wo die Duftkerze am ehesten ihren Gebrauchswert entwickeln kann.

Valentinsfaktor 1/10

 

Parfüm, Duschgel, Kosmetika

Eher keine gute Idee ist es, in der Parfümerie (meistens seiner) Wahl nach dem Lippenstift oder ähnlichem von der letzten Topmodels Challenge zu fragen, denn die Beschenkte weiß in aller Regel um die zweifelhafte Qualität.
Auch davon abgesehen ist die Wahrscheinlichkeit ins Fettnäpfchen zu treten sehr hoch, denn alles aus der Parfümerie verlangt ein Mindestmaß an „auskennen“ was wiederum direkt negativ mit last-minute Geschenken korreliert. Als Faustregel kann gelten: weiß der Schenkende nicht welches Parfüm/Duschgel/ Kosmetika die Beschenkte gerne hätte/verwendet, wird es ziemlich sicher ein Griff ins Klo. Ähnlich wie bei Duftkerzen ist das Problem die mögliche olofaktorische Nötigung der Beschenkten. Denn in aller Regel sind Geschenke nur schwer ablehnbar, besonders in Beziehungen. „Muss“ sich nun die Beschenkte zwangsbeglückt beduften tut man ihr nichts Gutes.

Valentinsfaktor 2/10

 

Gutscheine

Der rasch selbst designte Gutschein: was zum Muttertag die letzte Zuflucht der wenig kreativen Kinder darstellte, erfüllt am Valentinstag dieselbe Funktion. Wem selbst der Weg zum Supermarkt zu weit ist, der kann immer noch zu Papier und Schere greifen.

Als Faustregel kann gelten, dass man, was an Zeit fürs Einkaufen gespart wird, letztlich wenigstens in das Behirnen der Frage, was man per Gutschein verschenken will, investiert. Denn ein von ideenlosen Kunden gerne angenommener Gutschein ist an sich eine Zumutung für den/die Beschenkte/n und vom Einzelhandel erfunden, um Kunden zu binden. Wenn aus dem unkreativsten aller Geschenke etwas werden soll, dann muss der Gutschein umso toller sein. Ein Reisegutschein beispielsweise kann gar zu Freudetränen Anlass geben. In die Kategorie „gut gemeint“ fällt hingegen jegliche Art von Adventure Gutschein. Wer das Love Interest zum Bungee Jumping einlädt, sollte vorab abklären, ob sie/er das überhaupt will.

Valentinsfaktor 1/10 bis 10/10

 

Essen gehen

Candlelight Dinner schlägt Mci Menü, soweit sollten die Grundlagen ja bekannt sein. Aber es gibt noch mehr Tücken, denn VegetarierInnen gibt es gar nicht so selten. Eine unüberlegte Einladung ins Steakhaus führt so möglicherweise zum unbeabsichtigten Beziehungsende.
Sind Ernährungsgewohnheiten jedoch bekannt, kann man mit einem Candle Light Dinner kaum etwas falsch machen. Die Mühe der Vorabreservierung sollte man sich aber machen, um Ärger vorzubeugen.

Valentinsfaktor 1/10 bis 8/10

 

Schmuck

In der last-minute Version kommen die Dinger entweder direkt aus der Parfümerie, oder vom Billigsdorfer Schmuckgeschäft. Bei Schmuck kommt es nicht (nur) auf den Preis an, aber wohlüberlegt will das Ganze schon sein. Irgendetwas zu verschenken, was man bei einminütigem Nachdenken selber für Ramsch hält, ist definitiv eine Zumutung.
Auch bei diesem Geschenk gilt, dass die Beschenkte das Geschenk ja auch tragen soll. Ein bisschen Nachdenken ist also nicht zu viel verlangt. Billigst bling bling mit viel Glitzer und groß geht aber gar nicht – wirklich nicht!

Valentinsfaktor ist in diesem Fall keiner bestimmbar, da die Ergebnisse zu unterschiedlich sind.

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