Wien – Grätzltipps – 15. Rudolfsheim-Fünfhaus

Meiselmarkt Obststand (c) Mautner stadtbekannt.at
Meiselmarkt Obststand (c) Mautner stadtbekannt.at

Wiener Märkte – Meiselmarkt

12. August 2013 • 15. Rudolfsheim-Fünfhaus, Märkte

Unterirdisch – Zu Besuch am Meiselmarkt

Verborgen in einem ehemaligen Wasserbehälter der Stadt Wien, gleich angrenzend an die U3-Station Johnstraße, liegt der Meiselmarkt.

In seiner jetzigen Form ist er einer der jüngsten Märkte Wiens – doch seine Geschichte reicht über 100 Jahre zurück ins vorige Jahrhundert.

Meiselmarkt anno dazumal

Meiselmarkt anno dazumal

Bewegte Geschichte

Gegründet wurde der Meiselmarkt im Jahre 1905. Ursprünglich nur als Übergangslösung konzipiert, entwickelte der Freiluftmarkt sich rasch zu einem Knotenpunkt des Handels. In den frühen 1990er Jahren wechselte der Eigentümer der Fläche, und es wurde entschieden, auf dem Marktgelände ein Einkaufszentrum sowie ein Wohnhaus zu errichten. So kam es schlussendlich auch. Nachdem 1995 der Großteil des Marktes einer Brandstiftung zum Opfer fiel, wurden die alten Stände abgetragen und der alte Markt dem Erdboden gleichgemacht. Die Stände übersiedelten ins Innere eines Wasserspeichers, wo sie nun ein neues Zuhause gefunden haben. Vom ursprünglichen Meiselmarkt ist so gesehen wenig übrig. Trotzdem fügt sich der Markt gut ein in die Architektur des aufgelassenen Wasserreservoirs: Heute kann man unter denselben Gewölben, unter denen einst Wiener Hochquell-Wasser gluckerte, Obst, Gemüse, Brot und Fleischwaren kaufen.

Meiselmarkt Fleisch (c) Mautner stadtbekannt.at

Meiselmarkt Fleisch (c) Mautner stadtbekannt.at

Gut versteckt

Betreten wird der Markt über die Passage der U3-Station Johnstraße (ausgeschildert) oder von der Hütteldorferstraße aus. Ist man einmal auf der Marktebene im untersten Stockwerk des Wasserbehälters angekommen, so eröffnet sich dem Besucher eine verborgene Welt: Die eng abgesteckte Landschaft aus kleinen und größeren Ständen sowie in den Bau integrierten Geschäftslokalen gleicht einem internationalen Potpourri.

Meiselmarkt Supermarkt (c) Mautner stadtbekannt.at

Meiselmarkt Supermarkt (c) Mautner stadtbekannt.at

Viele Eindrücke

Neben türkischen Obst- und Gemüseständen, die vor farbenprächtiger Auswahl fast überquellen, einem heimischen Bäcker, sowie einem Händler, der orientalische Süßigkeiten verkauft, gibt es hier auch Fisch und Fleisch in allen erdenklichen Variationen. Fein säuberlich aufgereiht liegen die verschiedensten Fische in den Vitrinen und auf den Verkaufstischen und lassen das Herz aller Hobbyköche höher schlagen. Der Geruch des Meeres vermengt sich mit jenem von frisch gebackenem Brot und orientalischen Gewürzen. Ein wenig Zeit braucht man schon, um die Kulisse aus optischen Eindrücken und Gerüchen auf sich wirken zu lassen, denn der Meiselmarkt ist klein und daher rasch durchwandert.

Meiselmarkt Fische (c) Mautner stadtbekannt.at

Meiselmarkt Fische (c) Mautner stadtbekannt.at

Gemütlichkeit statt Gedränge

Man sollte meinen, ein Markt sei ein Ort voller Gedränge und Lärm. Doch die gehetzte Geschäftigkeit, die an anderen Märkten so selbstverständlich erscheint, vermisst man auf dem Meiselmarkt. Hier, verborgen im Wasserspeicher, herrscht eine grundlegende Gelassenheit. Diese ist vor allem den Standlern und Geschäftsleuten zu verdanken. Denn obwohl – vor allem in den Morgenstunden – ein mitunter reges Markttreiben zu beobachten ist, sind die meisten von ihnen ziemlich gesprächig und informieren gerne über ihre Produkte. So ist es gut möglich, dass man beim Brot- oder Süßigkeitenkauf gleich erfährt, welche Zutaten welche Sorten auszeichnen, oder welche neuen Produkte es gibt. Ein kleines Pläuschchen ergibt sich von selbst.

Meiselmarkt Süßes (c) Mautner stadtbekannt.at

Meiselmarkt Süßes (c) Mautner stadtbekannt.at

Geteiltes Terrain

Verlässt man die untere Etage und nimmt die Rolltreppe nach oben, so gelangt man vom offenen Markt in die beiden darüber gelegenen Stockwerke. Diese werden ebenfalls als Meiselmarkt bezeichnet. Hier finden sich jedoch keine Marktstände, und das Flair entspricht eher dem eines gewöhnlichen und zugegebenermaßen etwas unbelebten Einkaufszentrums. Neben kleineren Geschäften und Reisebüros finden sich in den oberen, moderner gestalteten Etagen auch ein Supermarkt, eine Drogerie, sowie ein riesiges Elektrofachgeschäft. Will man aber pure Marktatmosphäre erleben, sollte man auf jeden Fall am Boden des ehemaligen Wasserspeichers bleiben. Denn was es oberhalb gibt, gibt es wo anders auch.

Meiselmarkt Obst (c) Mautner stadtbekannt.at

Meiselmarkt Obst (c) Mautner stadtbekannt.at

Zu Unrecht unbekannt

Der Meiselmarkt mag den meisten Wien-Bewohnern unbekannt sein. Wir finden, zu Unrecht. Denn wer den Einkaufs-Genuss abseits von Gedränge und überteuerten Preisen sucht, ist hier gerade richtig. Diese Unkompliziertheit ist es auch, die Anrainer so an ihm schätzen. Weder schick, noch besonders groß oder schön, doch bevölkert von geschäftigen Händlern und versehen mit dem Hauch einer Markthalle, wie man sie aus südlicheren Gefilden kennt, ist der Meiselmarkt vor allem eines: ein praktisches und vielfältiges Zentrum der Nahversorgung.

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