Wien – Wienerisch

Ruamzuzler - Maria Antonia Graff
Ruamzuzler - Maria Antonia Graff

Überall Gscheade und Auslända

21. April 2016 • Wienerisch

Wie man als Wiener das In- und Umland beflegelt

Es gehört beinahe zum guten Ton in Wien, Bundeslandbewohner und Bürger anderer Länder angemessen beschimpfen zu können.

Wer also in dieser Hinsicht noch nicht ganz sattelfest ist, dem sei empfohlen, die folgenden Zeilen besonders aufmerksam zu lesen.

 

„Heast, Gscheader, foa weida, des is a Stroßn und ka Ocka!”
„Hören Sie, Landbewohner, fahren Sie weiter, dies ist eine Straße und kein Acker!”

„Heit bin i zu de Gscheadn auße gfoan, Wein kaufn.”
„Heute begab ich mich zu den Bauern, um Wein zu kaufen.”

Der Gscheade („Gescherte”) gehört zum Wiener Standardvokabular. Er ist fremd in Wien, stammt anders als der Tschusch aus dem Inland, spricht breiten Dialekt und ist in sämtlichen ruralen Gebieten Restösterreichs zu finden.

Für gewöhnlich freut sich der Gscheade nicht, als solcher bezeichnet zu werden, immerhin steht das Wort auch für „Bauer”, „Landei” oder „Provinzler”. Warum aber ist Gscheader eine Beleidigung? Um das herauszufinden, muss
man ein wenig in der Geschichte wühlen.

Im Mittelalter herrschten für die unterschiedlichen Stände gewisse Kleider- und Frisurenvorschriften. So war es etwa üblich, dass Adelige und Freie ihr Haar lang trugen, während unfreie Bauern und Leibeigene es kurz scheren
mussten. Schon in Wolfram von Eschenbachs Parzival wird der „gescherte Bauer” erwähnt. Die Bedeutung erfuhr über die Jahrhunderte eine weitere Verschlechterung und wurde schließlich zum Schimpfwort für die derbe, unwissende und hinterwäldlerische Landbevölkerung.

Nicht-Wiener rächen sich für den Gscheadn üblicherweise mit einem Weana Bazi, was so viel bedeutet wie „unguter, arroganter Großstädter”. Das Wort Bazi (abgeleitet vom Namen „Lumpazius”) ist in Österreich und Bayern seit dem 16. Jahrhundert bekannt und steht für einen gaunerhaften, durchtriebenen Charakter.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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